1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Altstadt: bauen, wohnen und genießen

Landsberg

10.08.2018

Altstadt: bauen, wohnen und genießen

leit723527327.jpg
2 Bilder
Ein Platz zum Verweilen am Brunnen vor dem Sandauer Tor. Bauherr René Mitscherlich könnte sich das vorstellen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das Sanieren alter Häuser ist meist teurer als ein Neubau. Ein Bauherr erzählt von seinen Träumen von einer idealen Altstadt in Landsberg. Er sieht aber auch Probleme. 

Wer in der Altstadt baut, muss meist tief in die Tasche greifen. Dann bereichern diese Häuser die Altstadt, wie beispielsweise am Hellmairplatz (das Haus des Geigenbauers Martin Schleske) oder im Hinteranger (Paul Stikkelorum). Beide sind liebevoll hergerichtet und erhielten 2017 den Franz-Xaver-Dengler-Preis vom Verschönerungsverein der Stadt. Auch in Sachen stilvolle Modernisierung kann Landsberg mithalten, wie die Sanierungen der Wohngebäude am Bäckertor und der Suytermühle zeigen. Diese Bauherren wurden bereits für diese gelungenen Sanierungen ausgezeichnet.

Lesen Sie den Kommentar zum Thema: Die Wünsche der Bauherren in der Altstadt

Der Architekt René Mitscherlich will nun ein Schmuckstück am Vorderanger 238 schaffen: Er saniert das Haus in unmittelbarer Nähe des Sandauer Tors und des Färberhofs. „Das war eine echte Ruine, wir mussten alles rausreißen und vor allem die Statik neu berechnen“, so Mitscherlich. Im roten Haus war in früheren Zeiten ein Fuhrunternehmen namens „Münchner Bot’“ anässig. So soll das Haus auch künftig wieder heißen. Im Buch „Die Kunstdenkmäler von Bayern“, das vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege herausgegeben wird, wird es als „ein dreigeschossiger Traufseitenbau mit Ohrwaschelgaube, im Kern spätmittelalterlich“ beschrieben. Die Bauarbeiten fürs Haus sind gerade im vollen Gange und in drei Monaten soll alles fertig sein.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Das alte Haus soll ein grünes Dach bekommen

Mitscherlich hat viel vor in diesem Haus. Unten ein Bistro. Er sei mit einigen Interessenten bereits darüber in Verhandlungen. Zwei Büros kommen ins Haus und in den obersten Etagen entstehen zwei Wohnungen. „Das Besondere am Haus soll ein Gründach sein, eine Fläche, die man in Landsberg dringend braucht und öfters schaffen sollte“, so Mitscherlich. Eine solche Grünfläche speichert Wasser und gibt es an die Umgebung ab. „Dadurch könnte man in der Innenstadt auch die Temperatur senken“, so Mitscherlich. „Außerdem sieht es schön aus. Aber in Landsberg werden immer mehr Flächen versiegelt, es gibt kaum noch Grünflächen, die Hinterhöfe werden gepflastert oder geteert. Das ist bedauerlich.“

Es gab Probleme mit der Statik

Der Denkmalschutz habe viel mitgeredet und den Bau oft verzögert, sagt der Architekt. Alle Auflagen seien scheibchenweise gekommen, nicht am Stück, sodass man viel Zeit verloren habe. Zeitaufwändig sei auch das Decken des Dachs gewesen. „Die Biberschwanzdachziegel sind aufwendig zu verarbeiten, aber passen ins Stadtbild.“ Die Verblechung auf dem Dach ist aus Kupfer, das kleine Dach auf dem Erker ist vergoldet und soll ein echter Blickfang werden. 60 Stahlbauteile (zehn Kubikmeter Stahl) wurden im Haus verbaut, da es vor allem Probleme mit der Statik gab. „Mich wundert, dass es vorher noch nicht zusammengefallen ist.“

Auf die Stadt Landsberg ist Mitscherlich in Sachen Klima und Verkehrsberuhigung nicht so gut zu sprechen. Er denkt, man könnte viel verbessern. Mitscherlich ist Architekt und Altstadtsanierer. So sanierte er auch das im Jahr 1449 erbaute Pfarranwesen in Grunertshofen. Er ist gelernter Schreiner und der Sohn des Arztes, Psychoanalytikers und Schriftstellers Alexander Mitscherlich. Und über Landsberg hat er sich viele Gedanken gemacht. „Der Platz vor meinem Haus im Vorderanger wäre ein idealer Abschluss von Vorder- und Hinteranger.“ Hier müsste dringend der Verkehr reduziert werden. Auch Bäume und Pflanzen gehören seiner Meinung nach in die Altstadt. „Besonders auf dem Hauptplatz.“

Zum Problemfall wird ein anderes Projekt in der Landsberger Altstadt

Der Vorderanger sei die ideale Verlängerung der Fußgängerzone. Dort müssten Sitzplätze im Freien entstehen. Um all dies zu erreichen, müsste die Stadt aber ein schlüssiges Verkehrskonzept vorlegen. Das sei bislang noch nicht passiert. Mitscherlich sagt, er höre viel von den unzufriedenen Einzelhändlern. Von den Anwohnern höre er aber nichts. „Warum wehren sich die Bewohner der Altstadt nicht und verlangen mehr Lebensqualität in ihrer Stadt?“ Darunter versteht Mitscherlich öffentliche Sitzplätze, Bäume, Pflanztröge und ein angenehmeres Pflaster. Er glaubt, dass sich die Gemeinden und Städte künftig umstellen müssen. „Sie müssen erkennen, dass die Bürger die alten Häuser als Gedächtnis der Gesellschaft erhalten, und deshalb hier auch Subventionen vorsehen. „Ein Neubau ist meist billiger als ein sanierter Altbau. Aber er erhält nichts.“

Ein Käufer schaut mit dem Ofenrohr ins Gebirge

Wenig erfreulich ist dagegen gerade die Entwicklung im Bauprojekt in der Brudergasse: Der Bauherr hat angekündigt, den Insolvenzantrag zu stellen. Die Käufer der Wohnungen und Häuser sind wenig erfreut über die Entwicklung. Zwei der Häuser sind schon bewohnt. In der Öffentlichkeit wollten sie sich aber noch nicht zu der Insolvenz und ihrer Situation äußern. Eine Stellungnahme ist in Vorbereitung. Einzig ein Käufer im Vorderhaus am Vorderanger gab Auskunft. Für Dieter Fischer sollte die Wohnung im Vorderen Anger auch eine Sicherheit fürs Alter sein. Fischer ist Bühnenmeister und arbeitet auch am Landsberger Stadttheater. Er fand die Wohnungen in dem alten Vorderangerhaus sehr schön.

Fischer hat bereits die Hälfte des Kaufpreises bezahlt und eine völlig unbewohnbare Wohnung. „Es sind keine Fenster mehr in diesem Teil des Hauses. Vorher hätte man wenigstens drin wohnen können, aber jetzt?“ Er sagt, man fühle sich ziemlich bescheuert, wenn man wie jetzt bei der Insolvenz in die Mühlen der Rechtsanwälte gerate und seit Monaten nichts passiere. „Eigentlich sollte ich im März 2017 einziehen, aber bisher wurde nur das Dach gemacht und einiges an den Böden.“

Es besteht ein Interessenskonflikt

Die Käufer der Wohnungen und der Häuser der Projektgesellschaft Vorderer Anger/Brudergasse haben, so Fischer, völlig unterschiedliche Interessen. „Die einen wollen ihr Geld zurück, die anderen möglichst schnell einziehen.“ Er selbst habe noch im März eine Rechnung für Fenster und Verglasungsarbeiten bekommen. „Die habe ich nicht gezahlt, es sind ja in meiner Wohnung gar keine Fenster drin“, so Fischer. Er habe gehört, die Wohnungen und Häuser sollen nun wesentlich teurer werden. „Zuerst die Verzögerung und dann die neuen Kosten, das wird schon hart.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
jor060.jpg
Landsberg

Eisele-Insolvenz: Wer fährt ab Januar den Schulbus?

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser neuer Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen