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31.05.2019

Am liebsten nur noch Ehrenamt

Ingrid Rupp sorgt dafür, dass Schulkinder eine gesunde Pause bekommen. Darüber hinaus besucht sie einsame Menschen und hat Zuspruch für Kranke. Das ist aber noch nicht alles

Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne großes Aufhebens davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die ehrenamtlichen Bürger, ohne die das Gemeinwohl nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt, sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Heute: Ingrid Rupp aus Penzing.

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„Ich bräuchte nicht mehr in die Arbeit gehen“, sagt Ingrid Rupp, „es gibt so viel Ehrenamtliches, das ich machen könnte“. Die 49-Jährige aus Penzing kümmert sich um das Wohlergehen verschiedener Altersgruppen – vom Kind bis zum Senior. Beruflich ist sie 20 Stunden pro Woche in einer Metzgerei tätig. Für ihre Ehrenämter wendet sie geschätzt nochmals zehn Stunden wöchentlich auf.

Durch ihre Kinder, die die fünfte und zehnte Klasse besuchen, kam sie zu der ehrenamtlichen Aufgabe, für die der Penzinger Bürgermeister Johannes Erhard sie als Stille Heldin vorgeschlagen hat. Seit vier Jahren sorgt Ingrid Rupp jeden Donnerstag zusammen mit weiteren Müttern für ein gesundes Pausenbrot in der Grundschule Penzing.

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Der Unterschied zwischen Rupp und ihren Mitstreiterinnen: Keines ihrer eigenen Kinder besucht noch die Penzinger Schule. Die beiden sind bereits auf die Realschule übergetreten. Ingrid Rupp übernimmt vom Einkaufen über die Vorbereitung bis hin zum Aufräumen und Waschen der Geschirrtücher sämtliche anfallenden Tätigkeiten. Beim Vorbereiten der Pause mit Butterbrezen mit Kresse, frischem Obst, Frischkäsesnacks mit Lachgesichtern und Müsli hilft jeweils eine Schulklasse mit. Bei der Zusammenarbeit mit den Kindern achtet Ingrid Rupp streng, aber liebevoll darauf, dass die Küchenhygiene eingehalten wird.

In der Vorweihnachtszeit dekorierte sie einen großen Adventskranz für die Schulaula und freute sich über die Begeisterung der Kinder. Am liebsten würde sie noch viel mehr in der Schule machen, erzählt sie. „Das sind meine Glücksmomente, wenn ich mit den Kindern rede und ihnen Mut zusprechen kann“, sagt sie. Doch fordert sie auch der Beruf als Metzgereifachverkäuferin, die anderen ehrenamtlichen Aufgaben und ihre Familie.

Viele von Rupps Ehrenämtern sind ihr per Zufall und durch ihre Kommunikationsstärke zugeflogen. So begleitete sie vor einigen Jahren einen Landsberger im Hospiz bis zu dessen Tod. Täglich besuchte sie den Mann, von dessen schwerer Krankheit ihr die Ehefrau erzählt hatte. Nach dem Tod ihres Vaters, der zwei Jahre im Pflegeheim Vilgertshofen lebte, besuchte sie weiter alte Menschen, zu denen sie zu dessen Lebzeiten Freundschaften aufgebaut hatte. Sie übernahm kleinere Besorgungen, erfreute sie zu Ostern oder Weihnachten mit kleinen, kreativ aufgehübschten Aufmerksamkeiten. „Es gibt so viel arme Leute“, sagt sie. Menschen, die keine Angehörigen haben oder keinen Besuch bekommen, gehört ihr Mitgefühl. Deshalb übernimmt sie Besuchsdienste im Krankenhaus und im Dorf.

Für die Fußballmannschaft ihres Sohnes wäscht Ingrid Rupp die Trikots. Von den anderen Müttern komme keine auf die Idee, das auch mal zu übernehmen, erzählt sie schulterzuckend.

Sie sucht Sponsoren, damit das Team ein ordentliches Outfit bekommt, organisiert Geschenke für Kinder und Trainer. „Ich schau, dass es einfach passt“, sagt sie. Auch gestaltet sie etwa alle zwei Monate die Familiengottesdienste in Penzing federführend.

Für sich selbst mache sie nichts, sagt Ingrid Rupp. Seit zu ihrer Familie der elf Monate alte Hund Oskar gehört, gehe sie allerdings täglich spazieren. „Ich gönne mir einfach gar nichts“, sagt sie, „andere brauchen mich doch viel mehr“. Wenn Sohn und Tochter nicht mehr so viel Aufmerksamkeit brauchen, möchte sie ihr ehrenamtliches Engagement weiter ausbauen, möglicherweise eine Hospizbegleiterausbildung beginnen.

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