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Landsberg

22.11.2019

Ammersee: Am Ufer reichert sich Mikroplastik an

Am Ammersee ist es vielerorts idyllisch. Doch das Thema Mikroplastik gibt Anlass zur Sorge.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archivfoto)

Plus Eine Pilotstudie hat untersucht, wo sich wie viele Kunststoffteilchen in vier bayerischen Seen befinden. Die Werte am Ammersee geben Grund zur Sorge.

Bilder von einem Teppich aus Plastikmüll, der im Meer treibt, kennt wohl jeder aus den Medien. Aber wie sieht es in heimischen Gewässern aus? Für vier bayerische Seen liegt jetzt eine Pilotstudie im Auftrag des Landesamts für Umwelt (LfU) vor, der Ammersee war auch Untersuchungsgegenstand. Und die Konzentration gibt Anlass zur Sorge.

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Sogenanntes Makroplastik, das heißt Teilchen über fünf Millimeter, fanden die Forscher vor allem in Utting, nämlich 410 Partikel pro Quadratmeter. Der Ammersee liegt mit diesem Wert vorne, in Tutzing am Starnberger See waren es 184 Teilchen pro Quadratmeter, aber die Streuung ist insgesamt groß. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass immer nur eine Probe gezogen wurde und sich damit nur Momentaufnahmen zeigen.

Die Forscher suchten aber nicht nur nach großen Teilen, sondern auch nach mikroskopisch kleinen Kunststoffteilchen, die durch chemische, mechanische und biologische Zersetzung entstehen. Und die finden sich überall in der Umwelt – so ein Fazit nicht nur dieser Studie. Untersucht wurden das Wasser, das Grundsediment an der tiefsten Stelle im See und Bereiche des Ufersediments.

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Am Echinger Ufer finden die Wissenschaftler die größte Menge Teilchen

Das Ergebnis: Auf und im Wasser schwimmt wenig Mikroplastik, aber im Grundsediment fanden sich Mikroplastikteilchen vor allem im Ufersediment – und zwar hauptsächlich Teilchen kleiner als ein Millimeter. Der Ammersee weist die höchsten Werte auf: In Eching waren es beispielsweise 129.375 und in Utting 118.666 Partikel pro Quadratmeter. Am Starnberger See liegt die höchste Belastung mit 184 Partikeln pro Quadratmeter in Tutzing, am Chiemsee liegt die Spitze bei 12.4796 und am Altmühlsee bei 35.934 Partikeln pro Quadratmeter.

Aus einer Plastiktüte oder einer PET-Flasche, die falsch entsorgt wird, wird nach Monaten der Verwitterung Mikroplastik.
Bild: Thorsten Jordan

Der mögliche Grund der Unterschiede: Der Starnberger See hat keinen größeren Zufluss. Beim Landesamt für Umwelt geht man davon aus, dass das hohe Aufkommen am Ammerseeufer auf den Hauptzufluss Ammer zurückzuführen ist. „Die Ammer hat ein sehr großes Einzugsgebiet“, heißt es auf Nachfrage. Welcher Menge entsprechen 100.000 Partikel pro Quadratmeter? Laut LfU kann man es sich annäherungsweise als ein Fünfzigstel eines gestrichenen Teelöffels vorstellen.

Zumeist handelt es sich um verwitterten Plastikmüll

Die Studie hat ergeben, dass sich winzige Plastikteilchen offensichtlich vor allem im Uferbereich der Seen ablagern. Woher kommen nun diese Partikelchen? Unterschieden wird zwischen zwei Mikroplastikarten: Als primäres Mikroplastik werden Granulate, die in einer Vielzahl kosmetischer Produkte und Reinigungsmittel enthalten sind, bezeichnet. Sie können über das Abwasser in Seen gelangen. Laut der Studie wurde dieses primäre Mikroplastik aber nur in einem geringeren Umfang gefunden. Das meiste sei sogenanntes sekundäres Mikroplastik in Form von unsachgemäß entsorgtem Plastikmüll. Als weitere Quelle werden mit Verweis auf das Umweltbundesamt Fasern aus Bekleidung oder Reifenabrieb genannt.

Den Fischen scheint dieser Müll noch nichts auszumachen

Die Forschung in Sachen Mikroplastik steht noch am Anfang, wie auch der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft Ammersee, Bernhard Ernst, bei einer Fortbildungsveranstaltung an der Landesanstalt für Fischerei in Starnberg erfahren hat. Dort stellte Dr. Julia Schwaiger vom LfU die Pilotstudie vor. „Erschreckend ist, dass dieses Mikroplastik überall ist“, sagt Ernst. Aktuell sei eine gesundheitliche Auswirkung bei Fischen fast auszuschließen, so Ernsts Erkenntnis aus dem Vortrag. Werden die Teilchen noch kleiner, sogenanntes Nanoplastik, dann werde es gefährlich. „Dann stellt sich die Frage, ob es sich im Körper anreichern könnte.“ Auch wenn es aktuell noch keine Anhaltspunkte für eine Gefahr gibt: „Als Fischer ist man aber immer beunruhigt, wenn was im Wasser ist, das nicht reingehört.“

Ob und welche Gefahren für Mensch und Tier von Mikroplastik ausgehen, dazu gibt es offensichtlich noch Forschungsbedarf: „Nach dem derzeitigen Stand des Wissens ist nicht davon auszugehen, dass von Mikroplastik in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen“, heißt es beispielsweise beim Bundesinstitut für Risikobewertung. Das Landesamt für Umwelt erklärt, dass, im Vergleich zur Mikroplastikbelastung des Menschen im Alltag, die Mengen in den Seen zu vernachlässigen seien. Es gelte mittlerweile als erwiesen, dass Plastikpartikel von verschiedensten Tierarten, wie beispielsweise Fischen, aufgenommen würden. Man führe umfangreiche Studien zu möglichen Auswirkungen von Mikroplastik auf Fische und Muscheln durch, die Untersuchungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen.

Für die Abwasserentsorger ist Mikroplastik noch kein Thema

Das Thema Mikroplastik, aber auch Rückstände von Medikamenten beschäftigt auch einen Landsberger Bürger, der sich mit dieser Sorge an die Stadt und die Stadtwerke gewandt hat. Das LT sprach mit dem Vorstand der Ammerseewerke, Manfred Schmid. Laut Schmid gibt es für die Abwasserentsorger noch keine Vorgaben zu Mikroplastik. Für die Kläranlage in Eching wird es zum 31. Dezember 2021 einen neuen Wasserrechtsbescheid geben, Schmid weiß aber nicht, ob sich die Gesetzeslage bis dahin geändert haben wird. Das heißt, die winzigen Plastikteile, die aus den Haushalten oder von den Straßen in der Kläranlage landen, gelangen später auch wieder in den Vorfluter, im Fall der Kläranlage Eching in die Windach. Ein Teil des Reifenabriebs wird über die Oberflächenentwässerung in den Sedimentationsbecken neben den Straßen abgelagert, sagt Schmid. Die Ablagerungen aus den Becken würden deponiert.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Weg mit dem Plastik!

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