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Landsberg

29.10.2017

An der Frontlinie der Konfessionen

Die Jesuiten sorgten mit dafür, dass Landsberg katholisch blieb. Ihre Klosterbauten mit der Heilig-Kreuz-Kirche prägen bis heute das Bild der Stadt.

Die Landsberger wären gerne auch evangelisch geworden. Doch dann wurden die Jesuiten geholt. Und diese sorgten mit viel Beharrlichkeit dafür, dass die Stadt wieder ganz katholisch wurde.

Das gab es in Bayern noch nie: Ein Feiertag am 31. Oktober, der an den Ausgangspunkt der Reformation erinnert: Den Anschlag der 95 Thesen von Martin Luther in Wittenberg vor 500 Jahren, in deren Folge nicht nur die evangelisch-lutherische, sondern auch weitere evangelische Kirchen entstanden. Dieses Ereignis blieb auch für Landsberg nicht ohne Folgen und prägt den Charakter der Stadt bis heute – wenn auch nicht unbedingt im engeren Sinne Luthers.

Zwischen altem und neuem Glauben

Landsberg befand sich im 16. Jahrhundert an der Frontlinie zwischen altem und neuem Glauben. Das lag auch an der geografischen Lage der Stadt im äußersten Westen Bayerns unweit von Augsburg und anderer (überwiegend) protestantisch gewordener Reichsstädte wie Kaufbeuren oder Memmingen.

Am Ende konnte sich in der bayerischen Landstadt Landsberg der Protestantismus aber nicht durchsetzen. Die bayerischen Herzöge und die Jesuiten sorgten hier dafür, dass die Stadt katholisch blieb beziehungsweise wieder wurde.

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Wie die Reformation schon wenige Jahre nach dem Thesenanschlag in Landsberg ein Echo fand, beschreibt der frühere Stadtheimatpfleger Anton Lichtenstern in seinem 2012 erschienen Landsberg-Buch. Zu den ersten Anhängern Luthers zählten 1524 der Stadtprediger Georg Lorenz und der Benefiziat Pankraz Gundolt. Sie wurden des Herzogtums verwiesen.

In Landsberg bekannte man sich daraufhin zwar nicht mehr öffentlich als lutherisch, aber der Gottesdienstbesuch und der Empfang der Sakramente wie Beichte und Kommunion gingen deutlich zurück, ebenso die Spenden an Kirchen und Stiftungen. Der Stadtpfarrer Magnus Haldenberger sah sich einer evangelisch eingestellten Stadtführung und Bürgerschaft gegenüber. 1536 klagte er darüber, dass der Stadtrat die Kasse der Frauenbruderschaft an sich genommen habe, an den Kerzen für die Stadtpfarrkirche spare und das Geld für gestiftete Messen verwende, um das Lechwehr zu reparieren.

Die Landsberger möchten ihre eigenen Herren sein

Die Landsberger, so hieß es 1546 an einen Bericht an Herzog Wilhelm IV., „möchten ihre eigenen Herren sein und sich selbst regieren, sie trachteten reichsstädtisch zu werden und hätten gern keine Obrigkeit“. So mischten sich religiöse Haltungen mit politischen Absichten. Der Augsburger Religionsfriede gab den Fürsten dann 1555 das Recht, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen. Denen, die damit nicht einverstanden waren, wurde es freigestellt, auszuwandern. Viele Landsberger, vor allem viele Weberfamilien, ließen sich in den benachbarten Reichsstädten, besonders in Augsburg, nieder.

Dass viele Menschen reformatorischen Ideen zuneigten, lag an den offenkundigen kirchlichen Missständen, die auch in Landsberg herrschten. 1589 wurde ein Stadtpfarrer abgesetzt, der trunksüchtig war und mit einer Frau zusammenlebte. In dieser Zeit war aber die Erneuerung der katholischen Kirche bereits im Gange – das machte sich vor allem ab 1574 mit dem neuen Pfleger Schwickart von Helfenstein bemerkbar: Unterstützt von Herzog Albrecht V. und mit Geld der Fugger kamen 1575 die ersten drei Jesuiten nach Landsberg.

Der Berg des heiligen Kreuzes

Auf der Anhöhe gegenüber dem Schloss legten sie 1576 den Grundstein für ein jesuitisches Noviziat: Ihre Kirche auf dem von den Jesuiten sogenannten „Berg des heiligen Kreuzes“ prägt bis heute das Stadtbild. Beharrlich trugen die Jesuiten dazu bei, die Landsberger im katholischen Sinn wieder in die Spur zu bringen.

Dazu war ein langer Atem nötig. Der französische Philosoph Montaigne merkte 1580, wie Anton Lichtenstern zitiert, in einer Reisebeschreibung an: „Wer [in Landsberg] einen anderen Glauben als den römischen im Herzen hat, muss es verschweigen.“

Auch eine Generation später ergab eine herzogliche Untersuchung 1613, dass manche Landsberger protestantische Gottesdienste im schwäbischen Emmenhausen besuchen.

1615 berichtete ein Landsberger Weber, dass es in der Stadt heimliche Protestanten gebe. Die Mitglieder der 1604 von den Jesuiten gegründeten Bürgerkongregation wurden als Betbrüder und Heuchler verhöhnt.

1616 übernahmen die Jesuiten die städtische Lateinschule. Sie waren als Stadtprediger tätig und gründeten Bruderschaften, um den Katholizismus wieder im Alltagsleben zu verankern. „Es dauerte viele Jahrzehnte, bis es dem Herzog mit Zwang und den Jesuiten und den Pfarrgeistlichen durch ihre vielfältigen Bemühungen gelungen war, Landsberg wieder zu einer völlig katholischen Stadt zu machen“, fasst Anton Lichtenstern zusammen.

Erst im 19. Jahrhundert kamen sie wieder

Evangelisch-lutherische Christen kamen erst im 19. Jahrhundert wieder in die Stadt. Sie wurden zunächst vom Pfarramt Langerringen betreut (in dem Dorf hatten sich Pfälzer angesiedelt, sodass dort bereits 1823 eine protestantische Kirchengemeinde gebildet worden war). 1899 wurde ein evangelisches Vikariat eingerichtet und 1914 die Christuskirche eingeweiht.

Heute zählt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in Landsberg, die auch etliche Nachbarorte einschließt, rund 7000 Angehörige. Eine echte evangelische Tradition, das fällt etwa Pfarrer Siegfried Martin, der aus der evangelischen Stadt Memmingen stammt, hat sich aber nach wie vor nicht etabliert. Das sei aber kein Nachteil: „Das hat auch etwas Positives, wenn man von allzu großen traditionellen Prägungen frei ist.“

Das Reformationsjubiläum wird in Landsberg am Dienstag, 31. Oktober, ab 20 Uhr mit einem Christusfest in Gestalt einer Nacht der Lichter in der Heilig-Engel-Kirche gefeiert.

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