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Landsberg

13.09.2015

Anton Posset stirbt in Bergen - er war ein unbequemer Demokrat

Anton Posset bei einer Gedenkfeier auf der Europäische Holocaust Gedenkstätte zwischen Landsberg und Erpfting.
Bild: Thorsten Jordan

Anton Posset aus Landsberg hatte den Schrecken des Holocaust sichtbar gemacht. Der ehemalige Lehrer verunglückte tödlich in den Ammergauer Bergen.

Eigentlich wollte Anton Posset am heutigen Tag des offenen Denkmals eine geführte Radtour zu einigen Standorten ehemaliger Außenlager des Konzentrationslagers Dachau im Landkreis unternehmen. Doch der 73-Jährige, der sich über 30 Jahre dafür eingesetzt hat, den Schrecken des Holocausts in Landsberg sichtbar zu machen, ist am Donnerstag bei einer Bergwanderung nahe Halblech im Ostallgäu tödlich verunglückt.

Nach Angaben der Polizei hatte sich Anton Posset am Donnerstagvormittag auf den Weg nach Halblech gemacht hat, um über die Kenzenhütte in Richtung Hochplatte zu wandern. Von dieser Tour kam er nicht nach Hause zurück, weswegen er am Freitagvormittag als vermisst gemeldet wurde. Sein geparkter Wagen wurde in Halblech entdeckt. Alpinbeamte des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West suchten zusammen mit den Bergwachten Füssen, Steingaden und Peiting nach ihm. Dabei wurden sie vom Rettungshubschrauber SAR und einem Polizeihubschrauber unterstützt.

Ein Wanderer entdeckte den verunglückten Anton Posset

Am Freitag entdeckte ein Wanderer im Bereich des „Fensterls“ der Hochplatte den Verunglückten und informierte die Einsatzkräfte. Der 73-Jährige war dort offensichtlich abgestürzt und hatte sich dabei tödlichen Verletzungen zugezogen. Bei der Absturzstelle handelt es sich laut Polizei um etwa 35 Grad steiles felsiges Gelände. Etwa 150 Höhenmeter oberhalb der Fundstelle befindet sich der Normalweg auf etwa 1900 Meter Höhe mit einer stahlseilgesicherter Stelle auf eine Länge von gut 50 Metern. Diese Stelle sei derzeit nass und schlammig und somit schwer zu gehen.

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Anton Posset hat es sich nicht leicht gemacht im Leben. Und er hat sich nicht von seinem Weg abbringen lassen, den er vor 40 Jahren in Gunzenhausen einschlug. Damals engagierte er sich für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden und spürte teils heftigen Gegenwind. Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre betreute Anton Posset als Gymnasiallehrer Landsberger Schüler bei Geschichtswettbewerben. Eines der Themen war die Vergangenheit der Stadt während der Nazidiktatur. Doch seine Nachforschungen waren in der Lechstadt nicht erwünscht, was er auch zu spüren bekam. Anton Posset sprach von „Mobbing“ an der Schule und „Diffamierungen“ im Alltag.

Posset setzte sich gegen Totalitarismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus ein

Mit einigen Gleichgesinnten gründete er im November 1983 die Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert. In den folgenden Jahren war er maßgeblich an deren Entwicklung beteiligt. Die Vereinigung erwarb die Flächen des ehemaligen Konzentrationslagers Kaufering VII zwischen Landsberg und Erpfting, errichtete darauf die Europäische Holocaustgedenkstätte mit Gedenksteinen aus elf europäischen Staaten und gestaltete den „Weg der Menschenrechte und der Menschenwürde“. Dabei war Anton Posset nicht nur mit Worten und Ideen beteiligt, er legte auch selbst Hand an, wenn harte körperliche Arbeit gefragt war.

Für seine langjährige Arbeit wurde der Jubilar unter anderem im September 1990 mit dem sechsarmigen Yad-Vashem-Leuchter geehrt, der höchsten Auszeichnung, die die Gedenkstätte an einen Nachgeborenen verleihen kann. Anton Posset setzte sich bis zuletzt gegen Totalitarismus, Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus ein und wehrte sich gegen die Verharmlosung der Ereignisse während des „Dritten Reichs“. Anton Posset, der seine Frau und zwei erwachsene Söhne hinterlässt, galt als unbequem und geradeheraus. Das hatte viele seiner Weggefährten vor den Kopf gestoßen. Andere, die ihn über viele Jahre begleitet haben, schätzten ihn als mutigen Demokraten, der sich nicht davor scheute, Zivilcourage zu zeigen.

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