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Trinkwasser

16.07.2016

Anwohner wollen entschädigt werden

Das Schutzgebiet für Landsberger und Pöringer Brunnen und Quellfassungen ist künftig viel größer und reicht auch in bebautes Gebiet

Die geplante Neuausweisung eines Schutzgebietes der Stadt Landsberg und der Gemeinden Pürgen und Vilgertshofen für die öffentliche Wasserversorgung sorgt für Aufruhr unter den betroffenen privaten Grundstücksbesitzern in der Gemeinde Pürgen. Das neue Schutzgebiet würde nämlich auch die Ortschaft Ummendorf und Teile von Lengenfeld berühren.

Zumindest bis Ende des Jahres wird das Verfahren allerdings ausgesetzt. „Vor dem 1. Januar 2017 wird die neue Verordnung nicht erlassen“, verkündete Gemeinderat Wilfried Lechler, Vorsitzender der Pöringer Wassergruppe, die neben der Stadt Landsberg Wasser aus diesem Gebiet fördert, in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Pürgen.

Anders als in der Landwirtschaft gebe es keine gesetzliche Regelung, ob und wie private Grundstücksbesitzer für zu erwartende Mehrkosten aufgrund der Einschränkungen und Auflagen entschädigt werden, erläuterte Lechler. Spürbar werden die Auflagen für Schutzzonen zum Beispiel bei der Grundstücksentwässerung. Grundstückseigentümer in einer Schutzzone müssen in deutlich kürzeren Abständen nachweisen, dass ihre Abwasserleitungen noch dicht sind.

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Zudem befürchten Betroffene, dass der Wert ihrer im Wasserschutzgebiet liegenden Grundstücke gemindert wird. Das gelte grundsätzlich auch für Landwirte, wie Lechler erklärt. Ihnen aber müsse der Wasserversorger eine Entschädigung für Mehraufwendungen auf betroffenen Feldern leisten oder wenn es um bauliche Maßnahmen für landwirtschaftlich genutzte Gebäude gehe. Als Beispiel führte er den Bau eines Stalls in der Schutzzone an, für den zusätzliche Dichtigkeitsmaßnahmen ergriffen werden müssten. Solche Mehrkosten würden entschädigt.

Im Rahmen eines Erörterungstermins im Landratsamt haben die betroffenen Hausbesitzer eine Unterschriftenliste übergeben, mit der sie fordern, das Verfahren auszusetzen und eine Informationsveranstaltung abzuhalten. Gleichzeitig weisen die Betroffenen aber auch darauf hin, dass ihnen klar sei, dass Wasserschutzgebiete sinnvoll und notwendig sind.

„Die Pöringer Gruppe wäre durchaus bereit, eine Entschädigung an private Grundeigentümer zu zahlen“, sagt Lechler im Gespräch mit dem Landsberger Tagblatt. Der Betrag, der dabei vermutlich auflaufen würde, habe kaum Auswirkungen auf den derzeitigen Wasserpreis, prognostiziert er, aber: „Hier ist die große Politik gefragt, uns sind die Hände gebunden.“

Seit 2001 gelte der Umgriff des derzeit bestehenden Wasserschutzgebietes südwestlich von Pürgen mit einer Größe von etwa 900 Hektar. Das neu auszuweisende Wasserschutzgebiet sei deutlich größer, nämlich 1400 Hektar, und weist eine Besonderheit auf, es teilt sich quasi in zwei Hälften.

Der Ortsteil Stoffen, der noch komplett im „alten“ Wasserschutzgebiet liegt, wird künftig teilweise zwischen zwei Teilgebieten liegen. „Hier befindet sich wohl eine unterirdische Moräne, die sich aufgeschoben hat und somit eine Wasserscheide bildet“, erläutert Bürgermeister Klaus Flüß die ungewöhnliche Form des neuen Wasserschutzgebietes. Betroffen von den Änderungen sind Grundstücke in den Ortsteilen Ummendorf, Stoffen und Lengenfeld. Und zwar insgesamt 353 bebaute und 299 land- und forstwirtschaftliche Flächen. „An der Ausweitung werden wir wohl nichts ändern können“, sagt Flüß. Ob in Sachen Entschädigung etwas erreicht werden kann, vermag er nicht vorher zu sagen.

Auch die Gemeinde selbst habe Einsprüche gegen die Planungen erhoben, unter anderem, weil die Entwicklung der ins Wasserschutzgebiet fallenden Ortsteile davon betroffen sei oder auch Mehrkosten beim Straßen- und Wegebau auf die Gemeinde zukämen.

Wasserversorger sind ohne Einflussmöglichkeit

Warum soll das bestehende Wasserschutzgebiet überhaupt erweitert werden? Wilfried Lechler erläuterte in der jüngsten Gemeinderatssitzung: „2008 wurde das Wasserschutzgebiet vom Wasserwirtschaftsamt beanstandet, ein neues Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Das lag schlussendlich im April 2013 im Landratsamt vor. „Weder die Pöringer Wassergruppe noch die Stadt Landsberg haben oder hatten je Einflussmöglichkeit“, betonte Lechler.

Im Wasserschutzgebiet fördern der Zweckverband zur Wasserversorgung der Pöringer Gruppe und die Stadt Landsberg gemeinsam. Fördergelder wie auch eventuell zu leistende Entschädigungen teilen sich zu 40 Prozent auf die Pöringer Gruppe und zu 60 Prozent auf die Stadt Landsberg auf, so Lechler.

Im Rahmen der Sitzung kürten die betroffenen Grundbesitzer auf Vorschlag von Bürgermeister Klaus Flüß den Architekten Robert Schenk zu ihrem Sprecher in dieser Angelegenheit.

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