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Ausgrabungen

11.02.2015

Archäologen finden Scherben aus der Bronzezeit

Auf der Baustelle für das neue Heilig-Geist-Spital in Landsberg wurden wertvolle archäologische Funde gemacht.
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Auf der Baustelle für das neue Heilig-Geist-Spital in Landsberg wurden wertvolle archäologische Funde gemacht.
Bild: Thorsten Jordan

Auf der Baustelle für das neue Heilig-Geist-Spital in Landsberg wird weiter gegraben. Die Stadt rechnet mit Verzögerung und Mehrkosten

Beim symbolischen Spatenstich Ende Oktober waren die Beteiligten noch optimistisch, dass das neue Seniorenzentrum Heilig-Geist-Spital Anfang 2016 bezugsfertig ist. Jetzt geht man bei der Stadt davon aus, dass sich der Termin um zwei bis drei Monate verschieben wird. Denn bei Grabungen im Herbst stießen Archäologen auf bronzezeitliche Funde. Möglicherweise gab es in dieser Periode der Menschheitsgeschichte nicht nur auf dem Schlossberg eine Siedlung, sondern auch auf dem Gelände des früheren Jesuitengartens.

Derzeit bedeckt Schnee die etwa einen halben Hektar große Grabungsfläche im ehemaligen Jesuitengarten. Nach ersten Vorarbeiten, bei denen Erdschichten untersucht wurden, wurde im Herbst mit den Grabungen begonnen, teilt Dorothee Ott, die Pressesprecherin des Landesamts für Denkmalpflege, auf Anfrage unserer Zeitung mit. Mit den Arbeiten betraut wurde der Archäologe Dr. Andreas Heimerl aus Augsburg. „Besondere Funde gibt es bislang nicht; die gefundenen Scherben stammen aus der Bronzezeit“, schreibt Dorothee Ott. Sobald die Witterung es zulasse, würden die Grabungen fortgesetzt.

Wie das Landesamt mitteilt, dauern die Arbeiten voraussichtlich zwölf Wochen. „Da viele archäologische Arbeitsschritte parallel zu den Bauarbeiten ausgeführt werden können, ergibt sich keine große Bauverzögerung durch die Grabung, meint Dorothee Ott. Oberbürgermeister Mathias Neuner geht jedoch davon aus, dass die Baumaßnahme zwei bis drei Monate länger dauern wird. Zudem müssten Stadt und Caritas, die als Bauherr und Betreiber des Seniorenzentrums auftritt, die Kosten für die archäologischen Arbeiten tragen. Neuner nennt eine Zahl zwischen 100000 und 120000 Euro, wovon die Hälfte von der Stadt zu leisten wäre.

Die Baukosten für das Projekt liegen bei rund 13,3 Millionen Euro. Ursprünglich veranschlagt war eine Bauzeit von eineinhalb Jahren, an deren Ende ein modernes Pflegeheim stehen soll. Auf drei Etagen werden in dem Gebäude 117 Senioren in kleinen Wohneinheiten betreut. Zur Verfügung stehen ihnen ab 2016 neben 99 Einzel- und neun Doppelzimmern auch Aufenthaltsräume mit Loggia, Bäder für Pflege und Wellness jeweils auf den Etagen sowie eine eigene Kapelle.

Neben einzelnen Scherben haben die Archäologen bei ihren Grabungen im Herbst offenbar auch Hinweise auf eine Behausung aus Holz gefunden. Darauf lassen dunkel gefärbte Erdschichten schließen und die Reste eines Lagerfeuers. Bisher sind im Landkreis an vier Stellen bronzezeitliche Siedlungen bekannt: drei Plätze im Westerholz nördlich von Kaufering und einer auf dem Schlossberg. Dort stießen Bauarbeiter im Jahr 1969 auf größere Mengen Keramik und verkohlte Balken aus der ausgehenden Frühbronzezeit. Im Neuen Stadtmuseum ist ein etwa 30 Zentimeter hoher, verzierter Krug aus dieser Zeit zu sehen, der von Archäologen ausgegraben und später restauriert wurde.

Historiker vermuten, dass sich auf dem Schlossberg ein bronzezeitlicher Herrensitz befunden haben könnte, der befestigt war. Überreste der Verteidigungsanlagen dürften aber durch Erosion und Neu- und Umbauten im Mittelalter verschwunden sein. Der Schlossberg mit seiner durch steile Hänge geschützten Lage über dem Lech , seiner etwa 200 Meter langen und rund 50 Meter breiten, ebenen Siedlungsfläche, seinen Quellen und dem Blick ins Flusstal, war seit jeher ein beliebter Siedlungsplatz. Möglicherweise gab es auf dem fruchtbaren Gelände des ehemaligen Jesuitengartens eine weitere Siedlung, vielleicht auch nur eine „Außenstelle“ des Herrschaftssitzes auf dem Schlossberg. Die weiteren Grabungen werden es zeigen.

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