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Landsberg

30.07.2019

Asyl: Die Soccerhalle schließt, die Container in Landsberg sollen bleiben

Hinter den Blechwänden ist in der ehemaligen Kauferinger Soccerhallenicht mehr viel los, die Flüchtlingsunterkunft wird aufgelöst.
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Hinter den Blechwänden ist in der ehemaligen Kauferinger Soccerhallenicht mehr viel los, die Flüchtlingsunterkunft wird aufgelöst.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Momentan kommen wieder mehr Flüchtlinge in den Landkreis Landsberg. Warum die große Kauferinger Flüchtlingsunterkunft fast leer ist und wie viele Asylbewerber derzeit in der Region leben.

Einsam steht ein schwarz gekleideter Wachmann zwischen der blechernen Sichtschutzwand vor der Tür der ehemaligen Soccerhalle in Kaufering: In der einst größten Asylunterkunft im Landkreis Landsberg ist es sehr ruhig geworden. Lebten dort zeitweilig bis zu 200 Personen, ist die Zahl der Bewohner derzeit an zwei Händen abzuzählen. In den nächsten Wochen wird die Unterkunft ganz leer sein, kündigt der Sprecher des Landratsamts, Wolfgang Müller, an. Der Mietvertrag läuft planmäßig zum Ende des Jahres aus. Wo werden die im Landkreis Landsberg lebenden Flüchtlinge untergebracht?

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Die Bewohner in Kaufering wurden in den vergangenen Wochen auf mehrere dezentrale Unterkünfte verteilt, berichtet Müller. Gleichzeitig treffen seit einiger Zeit auch wieder mehr Flüchtlinge im Landkreis ein, nachdem monatelang praktisch keine neuen Flüchtlinge gekommen waren. „Wir bekommen zurzeit pro Woche bis zu zehn Personen, überwiegend Familien und Alleinerziehende aus Schwarzafrika, die aus Ankerzentren zugewiesen werden.“ Frühere Herkunftsländer wie Eritrea spielten dagegen keine Rolle mehr.

Die Ankerzentren fingen die Zuwanderung bislang auf

Die Ankerzentren hätten ein paar Monate lang die Zuwanderung aufgefangen. Bis Ende des Jahres könnten 300 bis 400 Zuwanderer in den Landkreis kommen, so die Prognose aus dem Sachgebiet Integration, Ausländerbehörde und Asylangelegenheiten im Landratsamt. Demgegenüber seien in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 60 Personen ausgezogen, die eigene Wohnmöglichkeiten gefunden haben. Freiwillige Ausreisen und Abschiebungen spielen mit fünf und vier Fällen eine untergeordnete Rolle.

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Diese veränderte „Zuweisungssituation“ ist auch Grund dafür, dass der Freistaat Bayern die seit dem Brand im Dezember 2018 geräumten Wohncontainer an der Iglinger Straße 71 in Landsberg erhalten will. Denn gerade Familien könnten nicht in jeder Unterkunft aufgenommen werden, erläutert Müller.

Die Baugenehmigung läuft am Jahresende aus

Die Baugenehmigung für die Anlage für rund 60 Personen ist bis Ende Dezember 2019 befristet. Jetzt stellte der Landkreis bei der Stadt einen Bauantrag, um die zweigeschossige Containeranlage für weitere drei Jahre bis Ende 2022 betreiben zu können.

Rund 600 Personen leben derzeit in angemieteten staatlichen Unterkünften im Landkreis, so die Auskunft von Wolfgang Müller. 222 davon seien „Fehlbeleger“. Bei ihnen handelt es sich um Personen, die als Flüchtlinge anerkannt sind. Sie müssten sich eigentlich auf dem regulären Wohnungsmarkt nach Wohnraum umsehen. Gerade alleinstehende männliche Zuwanderer hätten aber schlechte Chancen, eine Wohnung zu finden, erklärte kürzlich auch die für die Stadt Landsberg tätige Integrationsberaterin Sabine Hey im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss des Stadtrats. Im ersten Halbjahr sei die Nachfrage nach Wohnungen „extrem gestiegen“, so Hey weiter: „Im Landratsamt sind 600 Leute gemeldet, die eine Sozialwohnung suchen.“ Zwar würden gerade Migranten aus Afrika keine Asylanerkennung finden, erklärte Hey, aber sie blieben erst einmal hier, bis über ihre Klagen gegen die negativen Asylbescheide entschieden sei. So werde sich die Situation zuspitzen, warnte Hey.

Fast zwei Drittel der Bewohner haben eine Ablehnung

363 – also knapp zwei Drittel der in den Unterkünften lebenden Menschen – haben einen negativen Asylbescheid erhalten, so die aktuelle Zahl aus dem Landratsamt. Davon müssten eigentlich 170 ausreisen, der Rest warte noch darauf, wie das Verwaltungsgericht über ihre Klagen gegen den Bescheid des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entscheidet. Etwa 50 der 170 ausreisepflichtigen Personen habe wiederum ein sogenanntes „alternatives Bleiberecht“. Gründe dafür seien eine Ausbildung, eine unmögliche Abschiebung, gute Integration oder Familienbindung.

Auch wenn die Verlängerung des Baurechts für den Asylcontainer in der Iglinger Straße in Landsberg bislang nicht vorliegt, wird dort seit einigen Tagen gearbeitet. Die durch den Brand beschädigten oberen Container werden abgebaut und durch neue Räumlichkeiten ersetzt. Das sei, sagt der Sprecher des Landratsamts, Wolfgang Müller, zwischen der Versicherung und dem Eigentümer der Container so vereinbart worden und geschehe auch mit dem Risiko, dass ohne eine von der Stadt gegebene Verlängerung die gesamte Anlage bis Jahresende abgebaut werden müsste. „Diese Sanierung läuft unabhängig vom Ausgang des Genehmigungsverfahrens“, betont Müller.

Die wichtigsten Unterkünfte im Landkreis

Wichtige Unterkünfte für Flüchtlinge bestehen unter anderem noch in Geltendorf, Riederau, Utting, Greifenberg, im ehemaligen Rasthof an der alten B17 in Hurlach sowie im Hochbauamt und im früheren Spielwarengeschäft Tauscher in Landsberg, zählt Müller auf. Ebenfalls geschlossen werden soll der Standort Bischofsried bei Dießen. Die Liegenschaft ist zum Verkauf ausgeschrieben.

Lesen Sie dazu auch, wie LT-Redakteur Gerald Modlinger das Thema sieht. Flucht bleibt ein großes Thema

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