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Flüchtlingssituation

04.01.2014

Asylbewerber zeigt Film in Kaufering

Arash Sadeghian lebt seit Kurzem hier

Kaufering „Seit zwei Wochen ist er wie ausgewechselt.“ Das sagt Dr. Patrick Heißler über den iranischen Filmemacher Arash Sadeghian, der seit rund eineinhalb Jahren als Asylbewerber in Kaufering lebt und vor zwei Wochen als politischer Flüchtling anerkannt wurde.

Die Tatsache, jetzt einen Pass zu bekommen und reisen zu können, ohne auf Grenzen achten zu müssen, ließ den Iraner offenbar sichtlich aufblühen. Bisher war für ihn ja schon der Wechsel vom Regierungsbezirk Oberbayern in den Nachbarbezirk Schwaben mit allergrößten Schwierigkeiten verbunden, wie er erzählt. So hatte er Arbeit bei einem nur ein paar Kilometer von Kaufering entfernten, großen Onlinehändler in Schwaben gefunden, musste sich aber den „Grenzübertritt“ genehmigen lassen.

Das ist jetzt vorbei, umso freier fühlte er sich bei der Präsentation einer von ihm gedrehten, filmischen Dokumentation über einen Nomadenstamm im Iran. Die Filmvorführung im Filmpalast Kaufering bot die Möglichkeit, mit dem Iraner ins Gespräch zu kommen. Arash Sadeghian hat in Dubai Film, Kameratechnik und Fotografie studiert und 13 Jahre dort gelebt. „Meine Familie ist in den Iran zurück“, erzählt der Filmemacher, „ich blieb in Dubai.“ Dort habe er Filme gemacht und Musikvideos für die Untergrundbewegung im Iran.

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In seinem Heimatland seien zwei Filme entstanden, „der zweite wurde als politisch eingestuft“. Sadeghian flüchtete und landete schließlich in Deutschland. In Kaufering lebte er bis vor Kurzem in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Schlesierstraße. „Jetzt wohne ich in einem Einzimmer-Apartment“, berichtet er und ist sichtlich froh darüber. Auch die Tatsache, dass er wieder an die Öffentlichkeit gehen kann, macht ihn freier und lockerer. Die Angst um die Familie im Iran schwingt allerdings immer mit.

Jetzt werden Pläne geschmiedet

Pläne allerdings schmiedet Arash Sadeghian bereits einige. Nächstes Ziel ist, in Deutschland im angestammten Beruf Fuß zu fassen. „Das ist sehr schwer“, hat Sadeghian schon herausgefunden. „Es gibt viele Kameraleute hier und nicht so viele Jobs.“ Zugute kommt dem Iraner, dass er sehr gut Englisch spricht und sich auch in Deutsch immer besser verständlich machen kann. Derzeit ist er dabei, sich um Equipment zu bemühen. Seine ganze Ausrüstung musste ich im Iran lassen.“ Es gibt auch bereits Ideen für nächste Dokumentationen. „Mein Plan ist, einen Film zu machen über die Leute (Asylbewerber), die hier leben und keine Zukunft sehen. Sie dürfen nichts tun, nichts arbeiten.“ Das übe einen unvorstellbaren Druck aus, den auch er verspürt habe, als er anfangs zur Untätigkeit verdammt war. „Der Druck bringt Krankheiten in den Körper“, weiß Sadeghian aus eigener Erfahrung. Die Gedanken, die ständig um die eigene und die Zukunft der Angehörigen kreisen, seien manchmal unerträglich.

Der in Kaufering gezeigte Film „Hezarsi/1030“ ermöglichte einen Einblick in die Qualitäten des Kameramanns Arash Sadeghian. Eindrucksvoll ist vor allem, wie er mit langen, ruhigen Kameraeinstellungen das langsame, ganz auf die Natur abgestimmte Leben des eine Zeit lang begleiteten Hirtenvolks der Bakhtiari einfängt. Dieser Film soll hier noch bekannter gemacht werden oder auch Abnehmer in der Medienlandschaft finden, ist Sadeghians Wunsch. „Wir haben ihn bereits bei Filmfestivals gezeigt“, erzählt der Fotograf, und nennt ein Filmfestival in San Francisco und das Black International Cinema Berlin.

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