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Landsberg

22.04.2019

Attentate in Sri Lanka: Die Angst um das eigene Kind

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3 Bilder
Verena Schöndorfer (im Bild mit ihrem Freund zwei Tage vor den Bombenexplosionen), Tochter von LT-Redakteur Dieter Schöndorfer, war zur Zeit der Terroranschläge auf Sri Lanka. 
Bild: Schöndorfer

Plus  Der LT-Redakteur Dieter Schöndorfer verbrachte nach den Attentaten bange Stunden in Landsberg. Er wartete auf eine Antwort seiner Tochter, die Urlaub in Sri Lanka macht. 

LT-Redakteur Dieter Schöndorfer freute sich auf ruhige Osterfeiertage. Doch am Ostersonntag wurden alle Planungen erst einmal zweitrangig. Denn seine Tochter ist derzeit in Sri Lanka in Urlaub, in unmittelbarer Nähe zur Hauptstadt Colombo, die von schweren Terroranschlägen mit mehr als 290 Toten heimgesucht wurde. Er schildert die Sorge um seine Tochter, als er in den Nachrichten von dem Attentat erfuhr.

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Noch vor dem Osterfrühstück

Die Nachrichten erreichten uns am frühen Sonntagmorgen, noch vor dem Osterfrühstück. Es war noch von unter 50 Toten die Rede, die überwiegend durch Selbstmord-attentate in Kirchen und Hotels vor allem in der Hauptstadt des Landes, Colombo, ums Leben gekommen waren. Für uns schlimm: Meine älteste Tochter Verena verbringt dort mit Freunden gerade ihren Urlaub, in Kalutara, nur 35 Kilometer südlich von Colombo. Sie wollten Sonntagmorgen gegen 4.30 Uhr Ortszeit – Sri Lanka ist uns um vier Stunden voraus – zu einer Tour nach Kandy aufbrechen, eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten im zentralen Hochland Sri Lankas.

Die Versuche meiner Frau und mir, mit der Tochter Kontakt aufzunehmen, blieben erfolglos. Keine Nachrichten aus Sri Lanka, das Handy blieb stumm. Es begannen bange Stunden voll Ungewissheit. Vor Ort hatte es am Ostersonntag mindestens acht Detonationen gegeben, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Man beruhigt sich selbst, denn diese Kategorie Hotel hatte Verena nicht gebucht – doch was bedeutet in der Landeskategorie Luxus?

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Der Kommentar zum Thema : Ein Osterwochenende der Kontraste

Stunden ohne Antwort

Es verging Stunde um Stunde ohne eine Nachricht, ohne eine Reaktion. Noch am Samstagabend hat mir meine Tochter begeistert geschrieben, wie sehr sie von der freundlichen und hilfsbereiten Art der Bevölkerung angetan ist. Stunden später reißen nach derzeitigen Erkenntnissen sieben Selbstmordattentäter beinahe 300 unschuldige Menschen mit in den Tod. Wo befinden sich also Verena und ihre Freunde? Ist ihre Reisegruppe – die Attentäter hatten es offenbar bewusst auf Touristen und Christen abgesehen – sicher unterwegs, sind sie überhaupt aus dem Hotel weggekommen? Das Dumme war, dass wir entgegen unserer Gepflogenheiten keine Hoteladresse hatten, also dort auch nicht anrufen konnten.

Für den Glauben angefeindet

Wir gingen dennoch wie geplant in den Ostergottesdienst in Landsberg – unser jüngster Sohn spielte im Orchester von Kantor Johannes Skudlik mit –, wo Pfarrer Michael Zeitler auf die aktuellen Geschehnisse des Morgens einging. Er sprach davon, dass wir oft genug erfahren, für unseren Glauben angefeindet zu werden. Grausame Wahrheit sei Sri Lanka, wo Hunderte Menschen in christlichen Kirchen ums Leben gekommen waren. Michael Zeitler: „Bei solchen Nachrichten könnten auch wir den Kopf hängen lassen.“ Doch genau das wolle die Osterbotschaft nicht. Nur wenige Minuten später kam dann in der Stadtpfarrkirche – man sollte dort eigentlich kein Handy angeschaltet haben – die erlösende Nachricht: Verena und ihren Freunden geht es gut. Sie hätten auf dem Weg nach Kandy kein Internet und nur kurz zum Frühstücken angehalten. Da sei noch alles in Ordnung gewesen.

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Während eines zweiten Stopps bei einer Teefabrik hätte ihr Führer (Guide) begonnen, ständig zu telefonieren. „Dann sind wir in den Kleinbus gestiegen und der Guide hat sofort weitertelefoniert und immer nur ’oh, oh, oh’ gesagt.“ Er meinte, er hätte schlechte Nachrichten. Es habe Explosionen in Colombo gegeben, dort, wo sie zwei Tage zuvor noch einen Stadtbummel unternommen hatten. „Er sagte, er würde gerne zurückfahren, ob das o.k. sei für uns.“ Sie hätten natürlich eingewilligt und seien umgehend nach Kalutara ins Hotel zurückgekehrt. „Die Fahrt war irgendwie komisch. Unser Guide hat pausenlos telefoniert und uns die neuesten Nachrichten nach hinten durchgerufen. Aber eigentlich hat sich immer nur die Zahl der Verletzten und Toten erhöht.“ Verena beobachtete auf der Rückfahrt auch ganz bewusst die Menschen an den Straßen, weil sie dachte, man bemerke Reaktionen. „Doch da war nichts.“ Vielleicht, so erklärte sie es sich selbst, liege das Ende des Bürgerkriegs (2009) noch nicht lange genug zurück, sei noch zu präsent.

Nicht im Hotel verkriechen

Nachdem uns Verena informieren konnte, war der Kontakt vorübergehend wieder abgerissen, da die Regierung Sri Lankas die Medienkommunikation eingeschränkt hatte. Zudem galt eine Ausgangssperre. Die Reiseveranstalter hatten am Wochenende sämtliche Touren abgesagt. Die Mehrzahl aber nimmt den Alltagsbetrieb ab heute wieder auf. Verena und ihre Freunde wollen sich ebenfalls nicht in ihrem Hotel verkriechen. Eine Tour ist noch geplant, sie haben Vertrauen in ihre Führer und in die Bevölkerung. Wir aber sind froh, wenn sie Ende der Woche wieder zu Hause sind.

Bei den angegriffenen Kirchen handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im nördlich von der Hauptstadt gelegenen Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es die meisten Opfer. Laut Polizei wurde die Attacke auf die Kirche in Negombo vermutlich von einem Selbstmordattentäter ausgeführt. "Dritte Seite, Seite 33

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