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20.02.2014

Aus Zahlen werden Namen

Oberstleutnant Gerhard Roletschek erläutert Sigrid Knollmüller (rechts) vom Historischen Verein und Franz Xaver Rößle (Hans-Heinrich-Martin-Stiftung) die Transportlisten der nach Landsberg verschleppten Zwangsarbeiter.
Bild: Julian Leitenstorfer

Stiftung ermöglicht Ankauf von Holocaust-Dokumenten

Landsberg Es fügen sich Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zu Bildern zusammen. Ein solches wichtiges Mosaiksteinchen sind etwa 4925 Seiten aus dem Bundesarchiv in Bad Arolsen, die Auskunft geben über Zwangsarbeiter, die in den Außenlagern des KZ Dachau in Landsberg und Kaufering während des Zweiten Weltkrieges inhaftiert waren. Diese Dokumente, oder besser Kopien davon, sind jetzt im Besitz der Gesellschaft für neueste Geschichte Landsberg. Eine Spende der Hans-Heinrich-Martin-Stiftung hat diesen Ankauf ermöglicht.

Der Präsident der Gesellschaft für neueste Geschichte, Gerhard Roletscheck, begab sich schon vor vielen Monaten ein erstes Mal auf Spurensuche nach Bad Arolsen in Nordhessen. Dort ist seit 1946 das zentrale Suchbüro, einst des Internationalen Roten Kreuzes, für Hinterbliebene und Vermisste des Zweiten Weltkriegs untergebracht. Seit Januar 2013 ist der International Tracing Service ITS (Internationaler Suchdienst) institutioneller Partner des Bundesarchivs. Was er suchte, waren Informationen zu den Personen, die von den Nationalsozialisten nach Landsberg zum Bau der Untertageanlage in der Welfenkaserne, dem damaligen „Weingut II“-Projekt verschleppt wurden.

Was er dort in Bad Arolsen fand, waren Transportlisten, KZ-Listen oder auch Aufzeichnungen über Zusammenführungen von Familien. Gerhard Roletschek: „Dort lagert der Holocaust.“ Roletschek fand vor allem Zahlen und Namen wie die von 1400 Frauen, die 1944 nach Bergen-Belsen zur sogenannten Vernichtung abtransportiert wurden. Er hatte Einblick in das Sterbebuch von Dachau, die letzten Einträge, die Landsberg betreffen, sind vom 25. April 1945, zwei Tage vor der Befreiung der hiesigen Lager. Gerhard Roletschek: „Vorher wurde viel spekuliert, vor allem über Totenzahlen, jetzt haben wir die Namen.“ 4925 Seiten hat er aufgestöbert, nun ging es um den Ankauf der pdf-Dateien, denn die Originaldokumente verbleiben in Bad Arolsen. Allerdings ist dort das Archiv mittlerweile digitalisiert, was die Suche und den Austausch erleichtere. Um nun die Dokumente ankaufen zu können, stellte der noch junge Verein einen Antrag beim Historischen Verein Landsberg. Da ein solcher Ankauf aber über die Satzung nicht abgedeckt sei, stellte der Verein den Kontakt zur Hans-Heinrich-Martin-Stiftung her. Diese Stiftung des ehemaligen Landsberger Geschichtslehrers Hans Heinrich Martin spendete der Gesellschaft für neueste Geschichte 2500 Euro und ermöglichte den Ankauf der Kopien, mit denen die bereits vorhandenen Sammlungen ergänzt und vorhandene Lücken in Lebensläufen geschlossen werden können.

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Geschichte wird dadurch noch erlebbarer

Im Umlauf befindlichen Gerüchten, das Material sei in Dachau bereits vorhanden und der Ankauf daher unnötig, widerspricht Roletschek: „Das wurde vorab mit Dachau abgeglichen.“ Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung Franz Xaver Rößle ist sicher, dass durch diese Dokumente Geschichte noch erlebbarer werde, und Sigrid Knollmüller, Vorsitzende des Historischen Vereins, dem Treuhänder der Stiftung, sieht in der Summe „gut angelegtes Geld“. (hön)

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