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Dießen

14.10.2017

Aus dem Leben gegriffen

Als Schirmherr eröffnete Bürgermeister Herbert Kirsch die 20. Dießener Filmtage und präsentierte seinen Lieblingsfilm. Hier im Bild mit der früheren und jetzigen Kulturreferentin im Augustinum, Regine Habdank.

Dießens Bürgermeister Kirsch eröffnet die Filmtage mit seinem Lieblingsstreifen.

Herbert Kirsch hatte offenkundig großen Spaß. Als eine gelungene Filmszenen benannte er die, in der einer der Polizisten fragte: „Ist jemals schon etwas draus geworden, was unser Bürgermeister angefangen hat?“ Für den Dießener Bürgermeister ein Satz wie „aus dem Leben gegriffen“, wie er, nicht ganz ohne Selbstironie im Gespräch mit dem Publikum meinte.

Am Donnerstagabend hatte Kirsch die Dießener Filmtage eröffnet. Eine Woche lang werden im Augustinum wieder Filme aller Genres präsentiert. In diesem Jahr sind es anlässlich des 20. Jubiläums die Lieblingsfilme von Prominenten und Kulturschaffenden aus der Region.

Der Weg zum neuen Heimatfilm

Herbert Kirsch, der auch Schirmherr der Veranstaltungsreihe auf dem Augustinerberg ist, machte den Anfang mit seinem Favoriten. Gezeigt wurde „Die Scheinheiligen“ von Thomas Kronthaler. Ein Film, der 2001 entstand und den Weg zum neuen Heimatfilm bereitete. Dem Regisseur und Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller soll er sogar als Vorlage für seine tief bayerische Komödie „Wer früher stirbt, ist länger tot“ gedient haben. In den „Scheinheiligen“ dringt Johannes, ein kleinkrimineller Landstreicher und Holzschnitzer in die Idylle der kleinen Gemeinde Daxenbrunn ein. Er soll für den Pfarrer eine wertvolle Marienfigur kopieren. Auf der Suche nach einem Dach über den Kopf trifft er auf die alte, verbitterte Bäuerin Leni.

Sie wird im Dorf regelrecht gemoppt. Denn der Bürgermeister hat große Pläne für den verschlafenen Ort unweit der Autobahn. Er träumt von einer riesigen Grillstation mit eigenem Autobahnzubringer. Dazu benötigt er den Baugrund der Bäuerin. Kronthaler, der selbst aus Daxenbrunn stammt, erzählt in seinem Film von 2001 eine bitterböse Dorfsatire.

Inspiriert von einem umstrittenen Bau

Inspiriert hatte ihn damals der umstrittene Bau eines McDonald´s an der Autobahnausfahrt Irschenberg. „Alles in dem Film ist etwas überhöht und überspitzt. Aber wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, dann begegnen einem tatsächlich immer wieder solche Menschen und Situationen“, erläuterte Kirsch im anschließenden Filmgespräch mit den Zuschauern.

Aber auch die Schlussszene, als die Hauptakteure sich teils angeschlagen und ermattet auf der Bank vor dem Bauernhof der verstorbenen Leni wiederfinden, sei hervorragend gewesen. „Das war fast wie eine Versöhnung am Ende“, so Kirsch. Auch beim Publikum kam der Film gut an. Immer wieder wurde während der Vorführung gelacht. „Ein großer Film, der seinen ganz eigenen Rhytmus hat. Ein wahrer Genuss“, sagte Professsor Karl Friedrich Reimers.

Für den Medienhistoriker und früheren Wissenschaftsordinarius an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) sei das ein Schwank auf filmischer Ebene gewesen, vergleichbar mit den Ohnsorg Theater im Norden. Ein sehr hintergründiges Werk. Kronthaler sei damit gelungen, bayerische Landschaft und das soziale Leben auf dem Lande im Film einzufangen. Vor 20 Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, in 20 Jahren hier wieder auf der Bühne zu stehen“, sagte Regine Habdank, die frühere Kulturreferentin des Augustinums zur Eröffnung der Filmtage.

Als der Ton noch grausig war

Es freue sie sehr, dass es ihrer Nachfolgerin Sabine Cichowski gelungen sei, diese Veranstaltung so zu etablieren. Angefangen habe es schon viel früher, als 1968 eine Filmanlage angeschafft wurde. Erst später sei die Idee zu einem Festival gekommen. „Wir wollten Filme mit Qualität zu einem bestimmten Thema zeigen“, erläutert Habdank. Zu den allerersten Filmtagen seien preisgekrönte Filme präsentiert worden. „Damals war das Kino hier noch nicht so modern und der Ton grausig, aber es hat einen Riesenspaß gemacht.“

 Noch bis zum 19. Oktober sind im Dießener Augustinum Lieblingsfilme zu sehen. Auf dem Programm stehen unter anderem „Jenseits von Afrika“, „Lion – Der lange Weg nach Hause“ oder „Gravity“, um nur einige zu nennen. Außerdem kann das Publikum seinen eigenen Lieblingsfilm bestimmen.

Die Dießener Filmtage finden bis 19. Oktober statt, Karten gibt es an der Abendkasse, die jeweils um 19 Uhr geöffnet ist.

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