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Landsberg

09.03.2018

Ausflug ins Darknet: So viel kostet ein Auftragsmord

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Um das Darknet und Cyberkriminalität ging es bei einem Vortrag des IHK-Regionalausschusses in Landsberg.
Bild: Ralf Hirschberger/dpa (Symbolbild)

Beim Wirtschaftsempfang der IHK in Landsberg geht es um ein heikles Thema: Wie groß sind die Sicherheitslücken in Firmen, Behörden und bei jedem Einzelnen?

Die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran – und mit ihr auch die Cyberkriminalität. Eine größere Öffentlichkeit schreckte zuletzt das Hacking eines Regierungsnetzwerks auf. Ohne von den Veranstaltern beabsichtigt, bekam der Vortrag von Leon Klein beim Wirtschaftsempfang des Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer im Historischen Rathausfestsaal in Landsberg dadurch noch mehr Brisanz. Die Digitalisierung stehe ganz vorne auf der Agenda des Regionalausschusses der IHK, erläuterte dessen Vorsitzender Reinhard Häckl.

Der Hacker wird für Unternehmen aktiv

„Wer hackt uns schon, haben wohl die Mitarbeiter im Außenministerium gedacht“, stieg Klein in das Problemfeld ein. Mancher Teilnehmer des Abends ging unbedarft in die Veranstaltung, kam aber als ein anderer heraus. Sensibilisiert, risikogeeicht und ausgestattet mit dem nötigen Wissen des eigenen Schutzes.

Der IT-Mann aus Neustadt an der Weinstraße ist professioneller Hacker. Er spürt mit seinen Kollegen der Firma „8com“ für deutsche Unternehmen Sicherheitslücken in ihrer Informationstechnologie auf. Wie einfach es geht, sich in fremde Smartphones zu hacken, zeigte er live bei seinem Auftritt vor zahlreichen Unternehmern.

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Der Experte verschickt Nachrichten ans Publikum

Eines der Grundprobleme digitaler Aktionen, so Klein, sei der Unterschied zwischen analoger und digitaler Identität. Wer jemanden persönlich kennengelernt hat, kann ihn auch durch Augenschein identifizieren. In dieser Situation sind die Kommunikationspartner klar. Anders im Netz. Dort wird Identität durch die E-Mail-Adresse und das Passwort hergestellt. Mit welchem Kommunikationspartner man zu tun habe, sei in der digitalen Welt nicht immer klar. Das seien auch die Angriffspunkte der Hacker.

„Hallo Markus, wir müssen vorsichtig sein, mein Mann wird langsam misstrauisch“, schickte er auf das Mobiltelefon eines Zuhörers im Saal. Das sei eine Sache, die er in wenigen Minuten erledigen könne. Was auf diese Weise Ehen zerstören kann, ermöglicht es Cyberkriminellen, Firmen um Millionen von Euro zu erleichtern oder ganze Produktionsstraßen zu blockieren. So standen die Maschinen einer großen Schokoladenfirma tatsächlich eine ganze Woche lang still. Bei einer Großreederei konnten die Containerschiffe tagelang nicht fahren, weil die Rechner blockiert waren.

Der Deal mit den fiktiven Smartphones

Anschaulich demonstrierte der Computerspezialist, wie man mit fingiertem WLAN die Bewegungsprofile von Telefonnutzern hacken kann. Plötzlich wurden auf einer der beiden Leinwände im Festsaal Dutzende von Mobiladressen sichtbar.

Einen kurzen Einblick in das sogenannte „Darknet“, den anonymen Teil des Internets, ließ die Zuhörer staunen. Klein zeigte, wie einfach es ist, an funktionierende Kreditkarten zu kommen, die für 70 Euro erhältlich sind. Dafür kann der Erwerber dann bis zu 1000 Euro von der Bank abheben. Das Darknet biete Drogen, Waffen und sei ein Ort des modernen Sklavenhandels. Selbst Auftragsmorde seien in einer Preisskala aufgelistet: 45.000 Euro für einen „regulären“ Mord, 180.000 Euro koste der Mord an einer öffentlichen Person.

Anschaulich demonstrierte Klein einen authentischen Fall, bei dem 500 i-Phones zu Billigpreisen über eBay verkauft wurden. Das dauerte gerade mal 20 bis 30 Minuten. Die Geräte wurden natürlich nie ausgeliefert, das Geld verschwand auf dem angegebenen Konto. Der Inhaber der Adresse wurde wenige Tage später von der Polizei abgeführt. Der Verhaftete konnte seine Unschuld beweisen.

Das können wir alle tun

„Unsere Gesetzgebung ist nicht für diese Art von Kriminalität ausgelegt“, erklärte Leon Klein. „Der Schutz beginnt bei Ihnen im Kopf“, formulierte Klein seinen ersten Grundsatz. Man müsse die aktuellste Software installieren, brauche die aktuelleste Firmware, eine Firewall und professionelle Antivirenprogramme. Nur so könne der Benutzer Risiken minimieren. Die Welt werde immer digitaler, sagte Klein. Die größte Gefahr bestehe aber darin, die Digitalisierung zu verschlafen.

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