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Landsberg/Raisting

13.08.2018

Ausflugsserie: Von Raisting aus erfolgt der Kontakt mit dem All

Wie ein Ei sieht das Radom in Raisting aus. Es beinhaltet die älteste Antenne der Erdfunkstelle. Heute ist die Anlage ein technisches Denkmal, das man besichtigen kann.
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Wie ein Ei sieht das Radom in Raisting aus. Es beinhaltet die älteste Antenne der Erdfunkstelle. Heute ist die Anlage ein technisches Denkmal, das man besichtigen kann.
Bild: Julian Leitenstorfer

Das Radom der Erdfunkstelle in Raisting ist ein technisches Denkmal. Was Besucher dort erwartet. Das LT stellt die perfekten Ausflugsziele für die Sommerferien vor.

Ferien Sonne, Freibad – diese Kombination funktioniert immer. Zwischendurch lockt aber auch ein Besuch in ein Museum oder eine andere Lokalität, denn der Ferientag will mit spannenden Eindrücken gefüllt werden. Das Landsberger Tagblatt hat sich über die Landkreisgrenzen hinweg umgesehen und nach spannenden Ausflugszielen in der Region gesucht. Den Anfang macht das Radom in der Erdfunkstelle in Raisting (Landkreis Weilheim-Schongau).

Als einzigartige technische Monumente prägen sie seit fast 50 Jahren das Landschaftsbild am Südende des Ammersees: Das Radom und die neun großen Parabol-Antennen. Das ovale Rund der Traglufthalle sticht hervor. Es war die erste Antenne der Erdfunkstelle Raisting und ging 1965 in Betrieb. Um das Technikdenkmal vor dem Abriss zu bewahren, kaufte es der Landkreis Weilheim-Schongau für einen Euro. Eine hundertprozentige Tochterfirma des Landkreises ist für das Denkmal zuständig. Geschäftsführer ist René Jakob, der ein schier unerschöpflicher Quell von Fakten und Geschichten zu der Anlage ist: „Sie befinden sich im Zentrum des Urknalls moderner Satellitenkommunikation.“

Das Radom und die Legende um das Rote Telefon

Warum beispielsweise hat diese Antenne eine Hülle und die anderen nicht? Die Antennen wurden von der Deutschen Bundespost errichtet, um über Satellit Telefonie und Fernsehübertragungen zu ermöglichen. Das Radom wurde noch so konzipiert, dass die Antenne auf einen Satelliten ausgerichtet wird, der sich nicht auf einem Fixpunkt über der Erde bewegt. Ihm muss die Antenne einen gewissen Zeitraum folgen. Dies war alles rechnergesteuert – damals noch mit Lochkarte, wie Jakob berichtet. Diese Ausrichtung konnte aber nur funktionieren, wenn keine Windböe an der Antenne zerrt.

Also wurde eine Traglufthalle konzipiert, die mit Druckluft (400 Pascal) kontinuierlich aufgeblasen wird. Bei den weiteren Antennen der Erdfunkstelle war dies nicht mehr nötig, da es dann schon Satelliten gab, die parallel zur Erdumlaufbahn flogen, geo-stationär, wie sich dies nennt. Raisting wurde übrigens als Standort gewählt, weil es im Süden Deutschlands liegt, „aber noch nicht im Bergschatten“. So können die über der Äquatorlinie fliegenden Satelliten am besten angesteuert werden.

Über Raisting wurden die Mondladung und die Olympischen Spiele von München übertragen

Als Legende bezeichnet Jakob dagegen die Geschichte, dass während des Kalten Krieges über Raisting das sogenannte Rote Telefon lief, also eine direkte Verbindung zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Präsidenten. Mitteleuropa wäre bei einem möglichen Krieg Hauptkriegsschauplatz gewesen, sagt Jakob, also ein ungünstiger Platz, um ein System der Krisenkommunikation einzurichten. Aber die Fernsehbilder von der Mondlandung und die Olympischen Spiele 1972 in München seien über Raisting live übertragen worden.

Fernsehbilder übertragen und Ferngespräche ermöglichen, das war – und ist die Aufgabe der Erdfunkstelle. 1985 wurde das Radom außer Dienst gestellt, wie Jakob erzählt. Es war wegen seiner Hülle für neuere Übertragungstechniken nicht geeignet. Die Telekom habe sich aus dem Satellitenfunk zurückgezogen und ab 2000 die ganze Erdfunkstelle verkauft. Die Parabolanennen werden weiter genutzt. Die Firma German Eagle (früher EMC) bietet laut Jakob die Übertragung von Telefongesprächen in Gebiete, wo es keine Infrastruktur gebe, an. Dazu zähle auch Schiffsfunk.

Seit zehn Jahren steht die Anlage unter Denkmalschutz

Das Radom war dringend sanierungsbedürftig. Die Anlage steht zwar seit 2009 unter Denkmalschutz, ein Abriss hätte jedoch erteilt werden müssen, da die Sanierung für die Telekom zu unwirtschaftlich gewesen wäre, erläutert Jakob. Der Landkreis Weilheim-Schongau ließ sich dabei auch auf ein technisches Abenteuer ein. Denn die Sanierung wurde nicht nur auf die hohe Summe von 3,6 Millionen Euro geschätzt, es war auch unklar, wie der Austausch der Hülle zu bewerkstelligen war. „Beim Bau ist zuerst die Hülle errichtet worden und dann sind die Bauteile für die Antenne hereingebracht worden“, so René Jakob.

Die Antenne ist fast 40 Meter hoch

Jetzt galt es, die Hülle unten abzuschneiden und nach oben hin wegzuziehen, ohne dass das tonnenschwere Material auf die Antenne klatscht. Mit einem riesigen Kran gelang dies 2010. „Wir waren die ersten, die eine Radom-Hülle gewechselt haben.“ Die Sanierung konnte mit 2,4 Millionen Euro abgeschlossen werden. Es bleibt aber ein jährliches Defizit von 130.000 Euro, das sich unter anderem aus Heizung und Strom ergibt. In einem Film wird der Hüllentausch gezeigt, doch am beeindruckendsten ist der Schritt durch die Schleuse in den Raum: Vor einem steht die 39,5 Meter hohe und 280 Tonnen schwere Antenne. Signalumwandler und Satellitenmodelle, die ausgestellt sind, erzählen ebenso vom „Urknall der Satellitenkommunikation“.

Öffnungszeiten Von Pfingsten bis zum zweiten Sonntag im September sonntags von 14 bis 17 Uhr. Gruppenführungen nach Anmeldung, 0881/681-1172 oder -1143

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