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28.07.2010

Avantgarde in Text und Bild

Schwifting Zur Finissage der Ausstellung "Meditationen" mit Werken von Barbara Strack hat Eric Gand im Kunstraum einen Beckett-Abend veranstaltet. "Barbara Strack hat als Schauspielerin selbst schon Beckett gespielt", erklärte er zum thematischen Zusammenhang. Claudie Lambin und Ralf Weikinger lasen die französischen Gedichte Samuel Becketts sowie die deutschen Übersetzungen, die in dem Suhrkamp-Band "Flötentöne" erschienen sind. Anschließend zeigte Gand den Beckett-Film "Schatten".

Die unter dem Titel "Mirlitonnades" erschienenen Vier- bis Zehnzeiler verfasste der 1989 verstorbene Literat in einer depressiven Lebensphase. Die Textchen sind teilweise ironisch, verzweifelt und ähneln zusammengetragenen Gedanken-Schnipseln.

Die Übersetzung (hier von Elmar Tophoven und Karl Krolow), so wurde in der Diskussion deutlich, könne allenfalls als Zugang für nicht der Sprache des Dichters Mächtige dienen. Der deutsche, nah am Original angesiedelte Rohtext sowie die gereimte Übersetzung, die beide Ralf Weikinger beeindruckend las, sollten als Verständnishilfe betrachtet werden.

Die Zuhörer ließen sich von Ton und Klang der Originaltexte berühren. Ralf Weikinger sagte aus seiner Erfahrung als Schauspieler: "Man erzählt immer seine eigene Geschichte, kann als Schauspieler Texte nur interpretieren."

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Schon der Titel, so die Französin Claudie Lambin, sei mit "Flötentöne" zu harmonisch wiedergegeben. Der Originaltitel "Mirlitonnades" nach einem Musikinstrument knirsche hingegen so wie von Beckett mit seinen Texten beabsichtigt.

Maximale Herausforderungen

Der Übersetzer Krolow schreibt in einem der Übersetzung angefügten Werkstattbericht: "Die Mini-Zeilen sind maximale Herausforderungen, etwas pathetisch ausgedrückt."

"Schatten" ist ein minimalistisch angelegter Film: in der Ausstattung, im Text sowie in der Dramaturgie. Auch hier stammte die deutsche Fassung von Elmar Tophoven. Ein in eine lange Kutte gehüllter Mensch mit einer grauen, langhaarigen Perücke ist eingesperrt in einen karg eingerichteten Raum. Er wartet - auf "sie", die schließlich durch einen langen, schummerigen Gang kommt und wieder verschwindet. Erst in den letzten Filmminuten wird deutlich: Die Sprecherin ist nicht identisch mit der Filmfigur, diese ist wider Erwarten keine Frau, sondern ein verkleideter Mann. Raum und Handlung werden von der Stimme aus dem Off kommentiert, klassische Musik spielt eine wichtige Rolle. (res)

Die Diskussion ist geschlossen.

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