Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Barocke Frömmigkeit und Sinneslust

03.06.2009

Barocke Frömmigkeit und Sinneslust

Landsberg Mit einem Strauß barocker Melodien und Texte ist am Pfingstsonntag im Neuen Stadtmuseum die Sonderausstellung "Der Himmel auf Erden" zu Ende gegangen. Das in einen geistlichen und einen profanen Teil gesplittete Programm durften die Zuhörer passenderweise zwischen den Räumen "Volksfrömmigkeit" und "Mittelalterliche (religiöse) Plastik und Malerei" im Ausstellungsbereich religiöse Kunst genießen. Vor einem Altarbild mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens, umgeben von musizierenden Engeln, und unter den Augen der frisch ins Museum eingezogenen Jesuitenheiligen: die Bühne für Susanne Storz-Frischenschlager (Sopran, Programmkonzeption, Textauswahl), Birgit Abe (Violine), Lisa Pokorny (Violoncello) und Gerhard Johannes (Klavier, Textpassagen).

Die Rolle, verbindende Worte zwischen den Musikstücken zu sprechen und sogar zu predigen, war Gerhard Johannes zugefallen. Nach der schelmischen Frage ans Publikum, "ob man da nicht den Bock zum Gärtner gemacht habe", erzählte Johannes von einem Domprediger aus seiner Jugend, der bei ruhigen Stellen fast hinter der Kanzel verschwand, bei "Todsünden und Höllenqualen" aber immer größer wurde. Beim Vortrag der Texte von Abraham a Santa Clara, einem aus dem Allgäu stammenden Prediger des 17. Jahrhunderts, eiferte Johannes seinem Vorbild im Gestus jedoch nicht nach, bestand doch auch die Kanzel lediglich aus einem schlichten Notenständer.

Mit teils harschen Worten rechnete der als Johann Ulrich Megele geborene Prediger hart mit den Frauen ab, sparte aber auch nicht mit Kritik am eigenen (geistlichen) Stand, um diesem am Ende doch eine Entschuldigung für menschliche Verfehlungen einzuräumen. Geistliche Gesänge wie marianische Antiphone und das "Ave Regina" von Benedikt Biechteler sowie eine Kantate von Joseph Lederer bildeten den ersten, "barocke Frömmigkeit" überschriebenen Teil des insgesamt wunderbar dargebotenen Programms.

Stellenweise agierten Musiker und die Solistin zu energiegeladen für religiöse Musik, ließ die sehr dominante Geige das Violoncello zu stark in den Hintergrund treten. Im zweiten Teil, der "Sinneslust", bewies Susanne Storz-Frischenschlager ihre Begabung für das Opernhafte, hatte sich aber stellenweise gegen die immer dominanter werdende Geige und den beinahe aggressiven Anschlag des Pianisten zu behaupten. Mit dem "Augsburger Tafelkonfekt" von Valentin Rathgeber, einem Lehrer, Mönch und Aussteiger, wechselte die Darbietung ins leichte Fach. "Die lustige Tirolerin", allerlei "Nasen" und auch die Liebe wurden hier besungen.

Barocke Frömmigkeit und Sinneslust

Selten gespieltes Stück

Als Abschluss hatten die Musiker ein selten gespieltes Stück gewählt. Aus der Kopie einer Handschrift hatten sie sich die Arie der Fama aus "La Baviera" von Pietro Torri (1650 - 1737) erarbeitet - ein Stück, mit dem Susanne Storz-Frischenschlager mit ihrer Interpretation die Krönung des harmonischen und vielseitigen Programms bot. Mit den Worten "Es war einfach eine Sinneslust, wie Sie unsere Ausstellung beendet haben", dankte die Museumsleiterin Dr. Margarete Meggle-Freund den Instrumentalisten und der Sängerin, die ohne feste Gage und rein mit der Zusage einer offenen Spende auftraten.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren