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Dießen

09.12.2020

Bauherren kassieren in Dießen reihenweise Ablehnungen

Eine Umnutzung der drei Stadel unterhalb der Schatzbergalm-Gaststätte sieht der Bauausschuss des Dießener Gemeinderats kritisch.
Bild: Gerald Modlinger

Plus In der letzten Bauausschusssitzung des Jahres in Dießen werden viele Vorhaben erst einmal gestoppt. Das betrifft unter anderem die Schatzbergalm und einige Wohnprojekte.

Eher in der Rolle des strengen Nikolaus als in der des Gaben bringenden Christkinds befand sich der Bauausschuss des Dießener Gemeinderats in seiner Sitzung am Montag. Gleich bei acht von elf Projekten, zu denen Voranfragen, Bauanträge und Änderungsanträge vorlagen, sagte das Gremium Nein. Das waren dabei die wichtigsten Themen:

Schatzbergalm Mit einem Vorbescheid wollten die Antragsteller geklärt haben, ob sie die drei Stadel unterhalb der Ausflugsgaststätte „Schatzbergalm“ zu Fremdenzimmer, Wohnung und Seminarraum umnutzen können. Dies lehnte das Gremium mit 7:2 Stimmen ab. Die Stadel befinden sich im eigentlich nicht bebaubaren Außenbereich. Ob es eine rechtliche Möglichkeit gebe, eine Nutzungsänderung für ein bisheriges landwirtschaftliches oder gewerblich genutztes Gebäude zu ermöglichen, ließ die Sitzungsvorlage des Bauamts offen. Der tatsächliche Genehmigungsstand könne aus den Akten derzeit nicht festgestellt werden.

Ist eine Umnutzung ein Ding der Unmöglichkeit?

Unabhängig davon gab es im Gremium aber auch ganz grundsätzliche Einwände. Jürgen Zirch ( CSU) meinte, erst einmal müsse die Sache vom Landratsamt und vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geprüft werden, und er befürchtete, mit einer Zustimmung werde „ein Fass aufgemacht“. Ähnlich äußerte sich auch Johann Vetterl ( Freie Wähler). Man habe eine Fülle an Stadeln in der Landschaft, „und wenn die alle zu Wohnungen werden, haben wir echt ein Problem“. Franz Sanktjohanser (Dießener Bürger) stellte infrage, ob sich solche hölzerne Stadel überhaupt so einfach umnutzen lassen. „Das wird ein Abbruch und ein Neubau, eine Umnutzung ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Man könne aber vielleicht an eine Erweiterung im Bereich der Gaststätte denken.

Zustimmung für die gewünschte neue Nutzung bekundete hingegen Gabriele Übler (Grüne). „Was mich überzeugt, ist, dass hier nicht weiter zersiedelt wird“, sagte sie. Ihr seien Ferienwohnungen und Gästezimmer lieber in einer solchen Lage als im normalen Wohnbereich.

Grünen-Gemeinderätin spricht von "Oversize"-Bauten

Neudießener Straße Mit 6:3 Stimmen versagte der Bauausschuss auch die beantragte Neubebauung eines rund 2500 Quadratmeter großen Grundstücks an der Südseite der Neudießener Straße. Dort war im Herbst eine Blutbuche gefällt worden (LT berichtete). Die dortige knapp 40 Jahre alte Villa mit überdachtem Schwimmbad soll abgerissen werden. Die jetzt von dem Bauträger präsentierte Planung sieht die Errichtung von drei Mehrfamilienhäusern mit insgesamt 18 Wohneinheiten vor. Außerdem sind 42 Stellplätze (davon 34 in einer Tiefgarage) geplant. Das gemeindliche Bauamt beurteilt das Vorhaben kritisch, vor allem im Hinblick auf die Kombination aus Grundfläche und Höhe der geplanten Gebäude. Die in der Umgebung vorhandenen Gewerbebauten könnten nicht als Bezug herangezogen werden und die geplanten Firsthöhen von 10,58 Meter überstiegen die bisher vorhandenen maximalen Gebäudehöhen von 9,77 bis 10,12 Meter.

Die Neubebauung dieses hinter einer hohen Hecke liegenden Grundstücks in der Neudießener Straße lehnte der Bauausschuss mehrheitlich ab.
Bild: Gerald Modlinger

„Das überschreitet deutlich das Maß“, meinte Marc Schlüpmann (Grüne). Seine Fraktionskollegin Gabriele Übler warnte vor „Oversize“-Bauten und vor einer „Versiegelung mit irrsinnigen Dimensionen ohne erkennbares Grün“. Die bisherigen Höhen in der Umgebung seien „das Ende der Fahnenstange“, betonte Franz Sanktjohanser (Dießener Bürger), andernfalls drohe ein „Klein-Neuperlach“.

Freier Wähler verweist auf den Bedarf an Wohnraum

Thomas Höring (Freie Wähler) verwies hingegen darauf, dass man in Dießen Wohnraum benötige, und die von Michael Hofmann (Bayernpartei) erneut kritisierten steigenden Wohnungspreise werde man ohnehin nicht aufhalten können. Im Übrigen entscheide das Landratsamt, ob sich das Bauvorhaben in die Umgebung einfügt.

Johannisstraße Ebenfalls nicht befürwortet wurde vom Bauausschuss eine neue Voranfrage zur Neubebauung des Geländes einer ehemaligen Schreinerei in der Johannisstraße. Hierzu lag eine Bauvoranfrage zur Errichtung von zwei Zweifamilienhäusern und einem Einfamilienhaus vor. Auch diese Bebauung würde die bisherige Größenordnung überschreiten, befand das Bauamt. Darüber hinaus müsste die Gemeinde für die Neubauten Abstandsflächen übernehmen. Auch einer Überbauung des an dieser Stelle verrohrten Tiefenbachs werde nicht zugestimmt. Die Bauvoranfrage wurde mit 8:1 Stimmen abgelehnt.

Ein neuer Bauernhof findet Zustimmung

Rieden Zu den wenigen im Bauausschuss befürworteten Bauvorhaben zählt ein neuer Bauernhof, der in Rieden entstehen soll. Geplant ist dort, 200 bis 300 Ziegen zu halten und Käse herzustellen. Dazu sind eine Käseküche, eine Maschinenhalle, ein Milchziegenstall und eine Bergehalle geplant. Dabei soll eine Fläche von rund 2800 Quadratmetern überbaut werden.

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