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Landsberg

30.06.2020

Bauprojekt Papierbach: Der Streit um den Kulturbau geht weiter

Auf dem Gelände der früheren Pflugfabrik entstehen derzeit die ersten Gebäude des neuen Stadtviertels „Urbanes Leben am Papierbach“. Dort soll auch ein Kulturbau errichtet werden, über den derzeit intensiv diskutiert wird.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Es wird nicht mehr nur über die Höhe der geplanten Kulturhalle im neuen Baugebiet „Urbanes Leben am Papierbach“ diskutiert. Ein offener Brief sorgt für Wirbel.

Die geplante Kulturhalle im neuen Landsberger Baugebiet Urbanes Leben am Papierbach (ULP) sorgt weiterhin für Diskussionen. Dabei geht es mittlerweile nicht mehr nur allein darum, dass das Gebäude mit fast 21 Metern deutlich höher werden soll, als ursprünglich geplant. In einem offenen Brief greift Wolfgang Hauck von der ULP-Lenkungsgruppe Kulturreferent Axel Flörke (Landsberger Mitte) und einen Landsberger Blogger an, denen er vorwirft, jeden Anlass zu nutzen, um der möglichen Entwicklung eines Kulturquartiers den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Der Bedarf und das Defizit an kulturellen Räumen, insbesondere für einen multifunktionalen Veranstaltungssaal für 600 bis 700 Personen, in einer zentralen Lage der Innenstadt mit entsprechender Dimension und Ausstattung sind laut Wolfgang Hauck bereits 2015 in der Lenkungsgruppe sowie danach im Stadtrat diskutiert, geprüft und anerkannt worden. Im Februar 2016 seien diese Fakten durch ein extern beauftragtes Gutachten vollständig bestätigt worden. Wie Wolfgang Hauck in seinem Brief schreibt, sind im Bebauungsplan im Erdgeschoss 2200 Quadratmeter für kulturelle Nutzung festgelegt. Ein Teil davon, mindestens 450 Quadratmeter, sei für einen Veranstaltungsraum vorgesehen, in dem neben Konzerten und Theateraufführungen auch Tagungen, Feiern, Vorträge und Ausstellungen stattfinden sollen. Für diesen Raum habe die Stadt ein kostenfreies Nutzungsrecht von 30 Tagen im Jahr ausgehandelt.

So sah der Kulturbau in einer Planung aus.
Bild: Auer Weber Architekten BDA

Axel Flörke habe als Kulturreferent und Kulturbürgermeister fünf Jahre die Möglichkeit gehabt, den Entwicklungsprozess für das Kulturquartier voranzubringen. „Es sieht jedoch im Rückblick so aus, als würde ein qualifizierter Veranstaltungssaal seinen Plänen in die Quere kommen“, schreibt Hauck. Flörkes Antrag vom Januar 2018, die Ursulinenkirche als Konzertraum auszubauen, sei zuvor nie im Gespräch gewesen. „Es ist offensichtlich, dass er persönliche Ideen verfolgt, die den Erhalt des Status quo zum Ziel haben“, so Hauck.

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„Und die beiden Herren fahren gemeinsam ein weiteres Geschütz auf: die Kosten!“, schreibt Wolfgang Hauck und stellt die Frage, wo ihre Bedenken sind, wenn es um die Rentabilität eines Hotels geht. Wie berichtet, ist über den im Erdgeschoss befindlichen Kulturräumen mittlerweile ein Hotel vorgesehen. „Die 120 Betten des neuen Hotels in Landsberg ganzjährig ausreichend auslasten – wie soll das von allein gehen?“, fragt Hauck.

Das neue Stadtquartier mit Seele erfüllen

Dass niemand den Kulturbau will, stimmt nach Meinung von Wolfgang Hauck nicht. Hinter dem Projekt stünden rund 30 Kulturinstitutionen aller Art, einschließlich städtischer Einrichtungen, die sich beständig in die Vorbereitungen des Projekts eingebracht hätten. Es sei nicht allein die neue Höhe des aktuellen Gebäudeentwurfs, die man kritisch bewerten müsse. Die Höhe komme nicht vom Kulturbau, die Höhe sei durch das Hotel bedingt. Ein Kulturquartier sei die sinnvolle und notwendige Kombination verschiedener Räume. „Damit wird dem neuen Stadtquartier ein Herz, eine Seele gegeben und es wird mit Leben erfüllt“, schreibt Hauck.

Axel Flörke will sich zur Kritik Haucks nicht äußern. Nur so viel: „Jeder, der mich kennt, wird wissen, welches Ziel ich für die Kultur verfolge.“ Er und seine Fraktionskollegen von der Landsberger Mitte haben die Einberufung einer Sondersitzung des Stadtrats zum Thema beantragt. Flörke begründet das damit, dass die Vorstellung des Bauantrags in der jüngsten Sitzung bei vielen Stadträten für „Erstaunen“ gesorgt habe. In zahlreichen persönlichen Gesprächen sei ihm gegenüber eine kritische Einschätzung des Vorhabens zum Ausdruck gebracht worden. Nachdem viele Kollegen die genauen Hintergründe des Kulturbaus nicht kennen würden und sich auch die Presse in jüngster Zeit damit befasst habe, sei eine lebhafte und leider nicht immer sachliche Diskussion entfacht worden. Eine intensive Diskussion im Stadtrat mit der genauen Vorstellung der Planungen ist daher nach Meinung von Flörke dringend erforderlich.

Gibt es ein Verkehrs- und ein Betreiberkonzept?

Geklärt werden müsse laut Flörke: Will der Stadtrat eine solche Konzerthalle an diesem Platz? Wenn ja, gibt es vor der Genehmigung des Bebauungsplans ein überzeugendes Verkehrskonzept, um die Besucherströme zu lenken? Wenn ja, gibt es ein überzeugendes Betreiberkonzept, welches eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Ausnutzung der Halle gewährleistet, damit nicht die Stadt im Falle einer Fehlentwicklung in die (finanzielle) Haftung genommen beziehungsweise die Halle in einer für die Stadt nicht gewünschten Art und Weise umgenutzt wird.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Bauprojekt Papierbach: Teurer, höher und auch besser?

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30.06.2020

Mehrere Jahre ULP... und es soll Überraschungen geben? Was haben einge da Jahrelang gemacht?
Landsberg 2035 ist auch nicht nur mal nebenbei gelaufen... bekommen wir da auch "erstaunen" präsentiert, hinterher ?
Wenn das ganze Umwandeln von einer begrenzt aktiven Pflugfabrik hin zu einem "Quartier" mit Wohnen und weiteren Nutzungen so Zentral ist könnte man schon hinterfragen mit wie viel Interesse und auch mit wie viel Qualifikation mit dem Thema umgegangen wurde.
Gerade die Stadträte sind mit besseren Zugriff ausgestattet wie die Bürger ohne dieses Amt und ich meine die Menschen hier können erwarten das man sich rechtzeitig überlegt auf was man sich einläßt.

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