Kreis Landsberg

01.08.2016

Baut Mischwälder an

WBV-Geschäftsführer Martin Mall (links) und Förster Erwin Schmid (rechts) begutachten die jungen Stieleichen von Dieter Kautzok.
Bild: Thorsten Jordan

Förster appellieren, standortgerecht zu wirtschaften. Höhere staatliche Zuschüsse sollen zusätzlich motivieren, Eichen statt Fichten zu pflanzen.

Hätte Dieter Kautzok wie die Schüler in diesen Tagen ein Zeugnis von den Förstern des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bekommen, dann wäre es sicher „sehr gut“ ausgefallen. Auf einer Waldparzelle östlich von Pürgen wurde jetzt gezeigt, wie klimatolerante Mischwälder gepflanzt werden können. Sie sollen Stürmen und Schädlingen trotzen können – und auch im Jahr 2100 möglichst sichere Erträge bringen.

Amtschef Hans Jürgen Gulder wies einmal mehr eindringlich auf den Klimawandel hin. Allein in den vergangenen 20 bis 30 Jahren habe sich im Landkreis die Jahresdurchschnittstemperatur um knapp ein Grad erhöht. Gerade im vergangenen Jahr sei diese „dramatische Entwicklung“ offenkundig geworden. Im Frühjahr verursachte der Sturm „Niklas“ 200000 Kubikmeter Schadholz. Dann folgte ein trockener und vor allem heißer Sommer. An 14 Tagen stieg das Quecksilber auf über 30 Grad. Bereits im August fielen an den ersten Bäumen die Blätter ab. Und das Jahr verabschiedete sich mit einer Rekordwärme im Dezember mit einer Monatsmitteltemperatur, die um fünf Grad über dem langjährigen Mittel lag. „2015 war ein Vorgeschmack“, verdeutlichte Gulder, und appellierte an die Waldbesitzer, „macht’s was dagegen, baut’s Mischwälder an.“

Dieter Kautzok hat dies auf einer typischen kleinen, knapp einen Tagwerk großen Parzelle im Pürgener Gemeindeholz getan beziehungsweise tun lassen. Nach Sturm und BorPkenkäfer entschloss er sich, den restlichen, erst gut 50 bis 60 Jahre alten Fichtenbestand einzuschlagen. Heute findet sich dort eine sauber ausgemähte und mit einem Zaun gesicherte rund 1200 Quadratmeter große Kultur von Stieleichen und Hainbuchen im Verhältnis 4:1, dazu auch als optische Bereicherung einige Vogelkirschen am Waldrand.

Baut Mischwälder an

Eine erneute Fichtenkultur hätte hier „keine große Zukunft gehabt“, erklärte AELF-Förster Erwin Schmid. Der dortige Boden mit „mäßig trockenem, mäßig-frischem kiesig-sandigem Lehm“ ist nur für tiefer wurzelnde, auch Trockenheit leichter aushaltende Arten geeignet – auch im Hinblick auf weiter steigende Temperaturen: Auf dieser im Landkreis weit verbreiteten Bodenart sollten neben Eichen und Hainbuchen auch Rotbuchen, Winterlinden, Berg- und Spitzahorne gepflanzt werden, vereinzelt auch Lärchen. Ältere Fichtenwälder mit klimageeigneteren sollten zudem mit Buchen und Tannen unterbaut und die in Fichten-Naturverjüngungen vorhandenen Laubbäume begünstigt werden.

Um mehr Waldbesitzer zu motivieren, ihre Forste klimageeignet umzubauen, wurde auch bei der staatlichen Förderung nachgebessert. Geld gibt es jetzt nicht mehr nach der Fläche, sondern nach der Zahl der Pflanzen. Das schafft einen Anreiz, Laubbäume zu pflanzen, die viel enger gesetzt werden müssen als Nadelbäume. Je nach individueller Situation und Größe eines Forstbetriebs sind bis zu 1,40 Euro pro Pflanze drin. 80 Prozent der Kosten für die Forstpflanzen und die Pflanzung seien damit abgedeckt, erklärte Martin Mall, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Landsberg. Die WBV hatte auch die Pflanzung des künftigen Eichen- und Hainbuchenwald von Dieter Kautzok organisiert.

Dass viele Waldbesitzer dennoch an ihrer Fichte hängen, weil sie einen sicheren Absatzmarkt für Papier- und Sägeholz bietet, weiß auch Gulder. Die Fichte werde aber nur noch auf guten Standorten mit viel Niederschlag mit Erfolg angebaut werden können, macht er deutlich. Wer dies auch woanders versuche, werde kein Sägeholz produzieren, „sondern einen Kurzzeitwald, der nach 30 Jahren umfällt“. Und man solle ruhig auf den Fortschritt vertrauen: „Die Industrie wird Methoden finden, mit denen man auch Eiche und Buche anspruchsvoll verarbeiten kann, um die Fichte als Sägebaum zu ersetzen“, sagte Gulder und fügt hinzu: „Die Forschung hat das Thema erkannt.“

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