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Pastoralvisitation

04.10.2016

Begegnung, nicht Kontrolle

Bischof Dr. Konrad Zdarsa während seiner Predigt in der Eglinger Pfarrkirche St. Vitus.
Bild: Hertha Grabmaier

Bischof Dr. Konrad Zdarsa besuchte an zwei Tagen die Pfarreiengemeinschaft Egling

Viele waren gekommen, Bürgermeister, Vereinsvorstände, Fahnenabordnungen, Musiker und zahlreiche Gläubige aus Dünzelbach, Prittriching, Scheuring und Winkl, die zusammen mit Egling eine Pfarreiengemeinschaft bilden. Beim großen Kirchenzug, angeführt von Musikern der Blaskapellen Scheuring, Prittriching und Egling-Heinrichshofen, unter der Leitung von Bettina Peschanel, muss auch Petrus mitgespielt und den Regen ein wenig aufgehalten haben. So sah es sehr festlich aus, als die fast zwanzig reich bestickten Fahnen ohne Schutzhüllen zur Pfarrkirche St. Vitus getragen werden konnten, in der Bischof Dr. Konrad Zdarsa und Pfarrer Fritz Kahnert anschließend zusammen mit Pfarrer Alfons Klotz, Diakon Hubert Dobner und Pater Cyrill Schäfer das feierliche Pontifikalamt zelebrierten.

Die wunderbare musikalische Umrahmung des großen Chores der Pfarreiengemeinschaft mit seinen fantastischen Stimmen sowie die einzigartigen Soli des Chorleiters Christian Schumertl beim „Kyrie Eleison“ und „Gloria in excelsis“ begeisterten und berührten die Besucher, die in das gewaltige Halleluja zu perfekter Orgelbegleitung von Martin Hiller mit einstimmten.

In seiner Predigt ging es Bischof Zdarsa um die Bestärkung des Glaubens, die zu allen Zeiten notwendig sei, er zeigte auch Verständnis für Martin Luther, der sich zu Recht gegen die Ablassgeschäfte gewehrt hatte. Nur im Miteinander und Füreinander liege die göttliche Kraft. Er verwies auf Vincenz von Paul, der die Not seiner Mitmenschen wahrnahm und sein Leben dem Dienen widmete. Zum Dienen gehöre Mut, dazu leiste das Ehrenamt einen riesigen Beitrag, obwohl es immer schwieriger werde, ausreichend Ehrenamtliche zu finden. Die Fürbitten schlossen alle ein, „die auf der Flucht sind, mögen sie einen Platz finden, wo sie in Frieden leben können“.

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Zum Abschluss bedankte sich Pfarrer Kahnert beim Bischof, bei allen Mitwirkenden, besonders bei seinem Vorgänger Pfarrer Alfons Klotz und Pater Cyrill Schäfer aus St. Ottilien, die sonntags immer noch ehrenamtlich einen Teil der Messen übernehmen, und bei Diakon Hubert Dobner „für die großartige Unterstützung, auch am heutigen Festtag.“ Als er sich erinnerte, „genau heute vor 22 Jahren“ hier die erste Messe gelesen zu haben, gab es spontan dankbaren Beifall.

Bei der anschließenden Begegnung mit den Gläubigen in der Schulaula herrschte frohe Stimmung, es schien keine Probleme zu geben und alle Befragten empfanden es als große Bereicherung, sich ungezwungen mit ihrem Bischof unterhalten zu können, wie es hieß. Dessen heitere, lockere Art, sich peu à peu allen Anwesenden zuzuwenden, sorgte für entspannte Kommunikation bei Brot und Getränken.

Auf Fragen zur Visitation äußerte sich Bischof Zdarsa sehr offen: Sein Anliegen sei nicht die Visitation als Kontrollbesuch, sondern als Begegnung mit den Menschen. Es gehöre jedoch zu einem seiner wichtigen Aufgabengebiete, die Pfarreien seiner Diözese zu visitieren. Seit den Tagen von Bischof Ulrich, der ein unermüdlicher Visitator war, habe sich vieles geändert. In früheren Zeiten gab es, so Zdarsa schmunzelnd, durchaus einige „Pfarrherren“, denen auf die Finger geschaut werden musste.

Heute gehe es eher darum, das gewaltige Engagement der Priester und Diakone, der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter zu loben und sie weiterhin zu ermutigen. So schrieb Generalvikar Harald Heinrich in einem Brief des Bistums: „Im Licht des Evangeliums und wertschätzendem Miteinander soll die seelsorgliche wie auch die gesellschaftlich-soziale Situation vor Ort in den Blick genommen und nach guten Schritten in die Zukunft ausgeschaut werden“.

Dieses Wochenende sei ein guter Schritt gewesen, da waren sich die Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Gremien, die tags zuvor in lockerer Atmosphäre Gespräche mit Bischof Zdarsa geführt hatten, einig. Auch die, die sich über die Vorfälle im Rahmen der Pfarreienreform von 2012 geärgert hatten, äußerten sich nach der offensichtlich gelungenen Visitation durchaus zufrieden über die Begegnung mit ihrem Bischof.

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