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Fuchstal

25.02.2018

Bei Windrad Numero sieben soll nun Schluss sein

Die bislang vier Windräder in der Gemeinde Fuchstal sollen Zuwachs bekommen. Der Gemeinderat will drei zusätzliche Einheiten errichten lassen.
Bild: Julian Leitenstorfer/Archiv

Der Windpark in Fuchstal soll um drei Einheiten vergrößert werden. Doch im Gemeinderat gibt es auch kritische Stimmen zu diesem Vorhaben. 

Erwartungsgemäß hat der Fuchstaler Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Planungsaufträge für die zusätzlichen drei Windräder und die immissionsschutzrechtliche Genehmigung in Auftrag gegeben. Ledigleich zwei Gemeinderäte stimmten dagegen. Nach der Zeitplanung könnte innerhalb eines Jahres eine Baugenehmigung vorliegen. Ob man dann tatsächlich unmittelbar das Bauen beginne, hänge von der Situation am Strommarkt ab, erläuterte Bürgermeister Erwin Karg.

Die Vergütung wird etwa zwei Cent pro Kilowattstunde niedriger sein

Denn dann könne man nicht mehr wie bisher im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes einspeisen, sondern müsse sich an einer Ausschreibung beteiligen. Hier wurden zuletzt Strompreise zwischen 3,5 und 5,2 Cent je Kilowattstunde zugeschlagen. Da es für Bayern noch einen Zuschlag gebe, rechne er mit einer Vergütung von etwa sieben Cent. Bei den bestehenden vier Anlagen würden zwar 8,9 Cent je Kilowattstunde erzielt, doch ein wirtschaftlicher Betrieb sei trotzdem möglich, so Karg. Denn zum einen seien die Anlagen um etwa 20 Prozent günstiger, zum anderen aber auch besser geworden, berief er sich auf eine Auskunft des Landsberger Büros Robert Sing.

Ausgiebig setzte sich Karg in seinem Sachvortrag mit der Kritik auseinander, die er beim Bau der ersten vier Anlagen zu hören bekommen habe. So zeigte er anhand eines aktuellen Luftbildes, das man den Wald nicht wie befürchtet „platt gemacht“ habe. Es sei zu keinem Wertverlust der Grundstücke gekommen und abgesehen von vier Fledermäusen, deren Todesursache unklar sei, habe man ihm keine von den Windrädern getötete Tiere präsentiert. Dem Argument, dass der Windstrom nur zeitweilig fließe, entgegnete er mit dem Hinweis, dass man einen Wärme- und Batteriespeicher plane.

Bürgermeister spricht von „sauberer Arbeit“

Zu Dienhausen halte man 2100 Meter Abstand ein, meinte er. Der Denklinger Teilflächennutzungsplan habe hingegen Bereiche ausgewiesen, die noch näher an diese Ortschaft heranreichten. „In meinen Augen verrichten unsere vier Windkraftanlagen eine saubere Arbeit“, zog Karg ein Fazit. Damit leiste man einen Beitrag zum Klimaschutzkonzept des Landkreises, das seinerzeit von 30 Bürgermeistern verabschiedet worden sei.

Deutliche Kritik an dem Projekt äußerte hingegen Heinz Nehrenheim. Man werde nun wortbrüchig, meinte er, da man im Ratsbegehren von 2014 nur von vier Anlagen gesprochen habe. Es komme ihm schon wie eine Blase vor, wenn man das mit dem Windstrom verdiente Geld wieder in neue Anlagen stecke. Man solle stattdessen ein Vorhaben, das den Bürgern unmittelbar zugute komme, einmal auch ohne Zuschüsse finanzieren. Zumindest hätte man die Bürgerversammlung am 15. März abwarten können, um die Stimmung der Bevölkerung zu erkunden. Warum habe man nicht gleich von Anfang an von sieben Anlagen gesprochen, bemängelte Christoph Kneißl.

Die Gemeinde profitiere durch eine auf Dauer sichere Einkommensquelle, meinte hingegen Johannes Wolffhardt, und die Bürger könnten ja auch selbst in das Projekt investieren. Viele hätten es mittlerweile bereut, nicht gleich beim ersten Mal mit eingestiegen zu sein, ergänzte Anton Weinholzner. Von den 115 Anteilseigenern der vier Windräder stammen lediglich etwa 30 aus der Gemeinde Fuchstal selbst. 40 Prozent des Stroms in Deutschland käme immer noch aus Kohlekraftwerken, gab Franz Kößl zu bedenken, die Windkraft sei hingegen eine saubere Energiequelle. Waldreferent Josef Weber stellte fest, man habe im Gemeindewald durchaus Plätze, an denen bei einem Bau kaum Bäume gefällt werden müssten.

Auf Vorschlag von Wolffhardt wurde in den Beschluss aufgenommen, es auch für die Zukunft bei den sieben Anlagen zu belassen. Es gebe im Bereich des Teilflächennutzungsplans ohnehin keine weiteren Standorte mehr, meinte Karg hierzu. Geschäftsstellenleiter Gerhard Schmid verwies darauf, dass man nach Auskunft der Behörden nur so viel Strom erzeugen dürfe, wie im Gemeindegebiet gebraucht werde. Dies habe man mit den sieben Anlagen ausgeschöpft.

Den Herd nur ausschalten, wenn die Suppe überkocht

Auf die Nachfrage von Anton Weinholzner, wie weit man auf die vorhandenen Untersuchungen zurückgreifen könne, antwortete Karg, man müsse sie noch in Bezug auf den Tier- und Baumbestand aktualisieren. Zudem benötige man eine unabhängige Ertragsberechnung. Die anfallenden Kosten hatte das beauftragte Ingenieurbüro Sing auf 150 000 Euro geschätzt. In Bezug auf die Einleitung eines Ratsbegehrens um unmittelbar die Zustimmung der Bürger einzuholen, erklärte der Bürgermeister, man solle „die Herdplatte ausschalten, wenn die Suppe überkoche“. Wenn 100 Zuhörer zur Sitzung gekommen wären, hätte er sich schon seine Gedanken gemacht, sagte er weiter. Unter den nur sechs Anwesenden aus der Gemeinde Fuchstal selbst befand sich Altbürgermeister Franz Xaver Haibl, zum ersten Mal bei einer Sitzung seit seinem Ausscheiden aus dem Amt im April 2002, wie er selbst feststellte.

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