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Dießen

26.06.2020

Bei den Dießener Seeanlagen wird nicht mehr umgeplant

Die Dießener Seeanlagen sollen so umgestaltet werden, wie bereits 2017 im Grundsatz beschlossen. Auf Änderungsvorschläge ließ sich die Mehrheit des Gemeinderats jetzt nicht mehr ein.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Ein neues Mitglied des Dießener Gemeinderats will das grundsätzlich beschlossene Projekt auf den Prüfstand stellen. Damit stößt er auf einigen Widerstand. Denn die Mehrheit sieht die Sache anders.

Die Umgestaltung der Dießener Seeanlagen soll in den vom alten Gemeinderat vorgegebenen Bahnen weiterlaufen. Nach zwei nichtöffentlichen Informations- und Beratungsrunden kam das Thema in der jüngsten Sitzung im öffentlichen Teil auf die Tagesordnung. Ein von der bisherigen Beschlusslage abweichender Antrag der Ausschussgemeinschaft UBV/Die Partei/Bayernpartei wurde dabei mit 17:7 Stimmen abgelehnt. Die Mehrheit bekräftigte damit die Grundsätze eines bereits im Oktober 2017 gefassten Beschlusses.

Dieser sieht vor, die geschwungene sogenannte „Rialtobrücke“ über den Mühlbach durch einen vier Meter breiten Neubau zu ersetzen, der auch von größeren Bauhof- und Rettungsfahrzeugen befahren werden kann und zudem barrierefrei sein soll. Daneben soll die Ufermauer als Ganzes erneuert und umgestaltet werden, die „Bastion“ im Bereich des Baums südlich des Dampferstegs wurde umgeplant und soll nach einem neuen Entwurf mit gekürzter Betonbrüstung und Geländer ausgeführt werden.

Die Kulturreferenten wünschen sich "Fingerspitzengefühl"

Außen vor bleibt zunächst die sogenannte Überführungsbrücke, die bisher für schwerere Fahrzeuge genutzt wird, um von den Boxler-Anlagen in den nördlichen Teil der Seeanlage zu kommen. Ob diese Brücke, die direkt am Bahngleis über den Mühlbach verläuft, erhalten und als Fuß- und Radwegbrücke genutzt werden soll oder nicht, soll erst in einem zweiten Bauabschnitt untersucht werden.

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Demgegenüber hatte die Ausschussgemeinschaft im Wesentlichen zwei Änderungen beantragt: Sie wollte erreichen, dass zunächst nur die Boxler-Anlagen umgestaltet werden und weitere Bauabschnitte erst nach anschließender Evaluation und Diskussion beschlossen werden. Außerdem sprach sich die Ausschussgemeinschaft dafür aus, die Überführungsbrücke zu sanieren. In der Sitzung trug Michael Lutzeier (Die Partei) zudem ein kurzes Essay der drei Kulturreferenten vor, das die Seeanlagen als Ort der Ruhe, Harmonie und des stillen Erlebnisses charakterisierte. Bei einer Umgestaltung sei deshalb entsprechendes „Fingerspitzengefühl“ notwendig. Beschaulichkeit sowie Miteinander statt Verboten machten den „Dießener Charme“ aus.

So kontert Hannelore Baur (SPD) die Einwände

Hannelore Baur ( SPD) erwiderte diese Betrachtungen mit der Feststellung, dass man die Umgestaltung bereits 2017 beschlossen habe, und dabei seien „nicht nur Idioten“ im Gemeinderat gewesen. Außerdem habe es eine Bürgerbeteiligung mit rund 400 Personen gegeben. Darüber hinaus warnte auch die Verwaltung vor den Folgen einer Umplanung. Es entstünden weitere Planungskosten, die nicht förderfähig wären, daneben müsste die wasserrechtliche Genehmigung angepasst oder gar ganz neu beantragt werden. Außerdem müsse laut der Förderstelle der Regierung das Seeanlagen-Projekt bis Ende 2023 fertiggestellt und abgerechnet sein. Würde erst 2022 mit der Umsetzung begonnen, würde man bis Ende 2023 nicht fertig werden und die auf voraussichtlich 3,7 Millionen Euro bezifferten Zuwendungen würden verfallen. Insgesamt ist das derzeit geplante Projekt mit Kosten von rund 5,5 Millionen Euro veranschlagt, der Umfang der bereits erteilten Aufträge belaufe sich auf 735000 Euro. „Ich habe das Gefühl, dass ein gewisser Zeitdruck aufgebaut wird und eine geladene Pistole aufgegeben wird“, kommentierte Lutzeier die Anmerkungen der Verwaltung. Die Bahnüberführung und der darunter liegende Zugang zu den Seeanlagen sei doch „der Punkt in Dießen, der von den meisten Fußgängern frequentiert wird“.

Der Weg zu den Seeanlagen unter der Bahnüberführung bleibt momentan bei der Seeanlagenumgestaltung ausgespart. Das Bild entstand bei einem Hochwasser 2013.
Bild: Stephanie Millonig

Über eine Sanierung oder einen Abbruch der Überführungsbrücke müsse sich der Gemeinderat aber erst einig werden, machte Herbert Kirsch (Dießener Bürger) deutlich, darauf könne man aber jetzt nicht warten, sonst sei das in der gebotenen Zeit nicht zu schaffen. Sein Fraktionskollege Franz Sanktjohanser sah ebenfalls die Zeit für eine Entscheidung gekommen: „Seit mehr als einem Vierteljahrhundert doktern Gemeinderat und Verwaltung an der Ufermauer herum, wir hatten drei Architekturbüros, Bürgerbefragungen und Workshops. Das Ergebnis liegt auf dem Tisch und ist entscheidungsreif.“ Und Bürgermeister Sandra Perzul (Dießener Bürger) versicherte mit Blick auf Lutzeiers Hinweis auf die Überführungsbrücke: „Den zweiten Teil, die Brücke, machen wir möglichst zeitnah.“

Noch heuer oder erst im nächsten Jahr anfangen?

Im nächsten Schritt soll nun das für die Gemeinde tätige Ingenieurbüro Engelsmann Peters die Ausschreibungsunterlagen vorbereiten. Wann dann tatsächlich mit den Bauarbeiten begonnen wird, ist noch nicht ganz absehbar: Bereits vor der Sitzung hatte es aus der Verwaltung geheißen, dass zwar vorgesehen sei, über den Winter zu bauen, um bis zum nächsten Töpfermarkt im Mai 2021 fertig zu sein. Die Frage sei aber, ob dies angesichts der nach wie vor guten Baukonjunktur möglich wäre und deshalb möglicherweise erst nach dem Töpfermarkt angefangen werde.

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