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Landsberg

20.04.2019

Bernhard Weißhaar und die Landsberger Osterkerze

Professor Bernhard Weißhaar bemalt und gestaltet für die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Landsberg die Osterkerze in seinem Atelier.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Osterkerze vermittelt die Botschaft des Festes mit einigen wenigen Zeichen. In Landsberg fügt Professor Bernhard Weißhaar jedes Jahr aber noch ein zusätzliches Symbol hinzu.

„Der Mensch trifft sich am Feuer“, sagt Landsbergs Stadtpfarrer Michael Zeitler, „zum Essen und in Gemeinschaft, weil er Wärme braucht und Angst vor der Nacht hat.“ Und so spielt auch an Ostern, dem höchsten christlichen Fest, das Feuer eine zentrale Rolle – und die Osterkerze: Sie bringt das österliche Licht unter die Menschen und verkündet nicht nur in der Osternacht den christlichen Glauben an das ewige Leben.

Wie viele hohe religiöse Feste beginnt Ostern – wie Weihnachten oder ursprünglich Allerheiligen – in der Nacht. In der Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt brennt im Pfarrhof das Osterfeuer. Dort entzündet Michael Zeitler die Kerze und zieht mit ihr über die Ludwigstraße in die nachtdunkle Stadtpfarrkirche. Zwei Botschaften vermittle die brennende Kerze dabei, erklärt Zeitler: Zum einen erinnere sie an den Zug der Israeliten durch die nächtliche Wüste, bei dem eine Leuchtsäule den Weg wies, zum anderen symbolisiere das das Dunkel der Nacht erhellende Kerzenlicht, dass die Dunkelheit des Todes vom Licht des Lebens zerrissen werde.

Alpha und Omega

Die Gestaltung der Osterkerze folgt einem einheitlichen Muster und ist eigentlich recht schlicht. Oben und unten stehen die griechischen Buchstaben Alpha und Omega (Anfang und Ende), darunter befindet sich ein Kreuz mit der Jahreszahl und dann trägt die Kerze noch fünf Wachsnägel. Sie stellen die fünf Wundmale Jesu Christi dar. Für eine individuelle Note sorgt in Landsberg Bernhard Weißhaar. Der emeritierte Kunstprofessor gestaltet seit inzwischen 36 Jahren die Osterkerzen von Mariä Himmelfahrt.

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Was die Osterkerze über ihre religiöse Aussage hinaus besonders macht, ist ihr kostbares Material. „Sie besteht auch reinem gebleichten Bienenwachs“, sagt Stadtpfarrer Zeitler. Und deshalb werden die Bienen – nicht erst seit der momentanen Aufmerksamkeit für Bienen und Insekten – gleich zweifach erwähnt, wenn der Priester in der Osternacht die Osterkerze im Altarraum aufstellt und den Lobpreis auf die Kerze singt. Darin heißt es unter anderem: „Aus dem köstlichen Wachs der Bienen bereitet, wird sie dargebracht von deiner heiligen Kirche durch die Hand ihrer Diener. (...) Wenn auch ihr Licht sich in der Runde verteilt hat, so verlor es doch nichts von der Kraft seines Glanzes. Denn die Flamme wird genährt vom schmelzenden Wachs, das der Fleiß der Bienen für diese Kerze bereitet hat.“

An Pfingsten am Taufbecken

Wenngleich die Osterkerze das Symbol des ewigen Lebens ist, ist sie selbst nur für kurze Zeit im Blickfeld der Kirchenbesucher. Nach Pfingsten findet sie in den katholischen Kirchen am Taufbecken einen neuen Platz. Brennt sie in der Osterzeit noch während der Gottesdienste, leuchtet sie danach nur noch, wenn Sakramente gespendet werden: Tauf- und Erstkommunionkerzen werden an der Osterkerze entzündet. Bei einem Requiem wandert die Osterkerze wieder nach vorne, um dem Verstorbenen „das Licht der Auferstehung“ zuteilwerden zu lassen. Da werde die Bedeutung der Osterkerze als „das Siegeszeichen über den Tod“ besonders erkennbar, sagt Zeitler.

Und dann gibt es in der Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt noch einen speziellen Anlass, bei dem die Osterkerze entzündet wird: bei einem Gottesdienst auf dem alten Friedhof an der Augsburger Straße am Vorabend von Allerheiligen. Damit will Michael Zeitler einen „Gegenpol zu Halloween“ setzen und daran erinnern, dass „Halloween“ nichts anderes heißt als „Abend vor Allerheiligen“.

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Ab ins Osterfeuer?

Nach einem Jahr, wenn es eine neue Osterkerze gibt, ist die Zeit einer Osterkerze endgültig abgelaufen. Was passiert dann mit ihr? Einfach entsorgt werden dürfen geweihte Dinge wie eine Osterkerze nicht. Im Osterfeuer dürfte man den Rest der Kerze zwar verbrennen, erklärt Stadtpfarrer Zeitler. Doch seit vielen Jahren werden die Kerzen in Mariä Himmelfahrt aufbewahrt. Außerdem sagt Bernhard Weißhaar, der Schöpfer dieser kleinen Kunstwerke, dass man manchmal auch ganz froh um eine alte Osterkerze sei, zum Beispiel, wenn man in einer Filialkirche wie in Sandau selbige benötige. Und wenn man die Jahreszahl verändere, könne man auch ganz einfach aus einer alten eine neue Osterkerze machen, verrät der 85-Jährige eine so einfache wie naheliegende Möglichkeit.

Die Osterkerze des Jahres 2019 hatte Weißhaar bereits vor dem Palmsonntag gefertigt. Seit einigen Jahren bemalt er die Landsberger Osterkerzen mit Motiven von Pflanzen, die in den biblischen Texten erwähnt werden. Heuer entschied sich Bernhard Weißhaar für einen Ölzweig, ein traditionelles Friedenszeichen der Antike. Mit einem Ölzweig, den sie im Schnabel trug, berichtete eine Taube Noah auf der Arche auch den Rückgang der Sintflut und damit vom Friedensschluss Gottes mit den Menschen.

Im vergangenen Jahr hatte die Narde die Osterkerze geziert. Diese Pflanze wird im Markus-Evangelium als Bestandteil eines kostbaren Öls erwähnt. Im Hause des Aussätzigen Simon in Bethanien salbte eine Frau Jesus mit Nardenöl. „Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt“, wies dabei Jesus auf seinen bevorstehenden Tod hin.

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