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Kultur am Lech

14.11.2017

Bernsteins Kinder kommen nach Landsberg

Das neue Programm des Landsberger Stadttheaters ist veröffentlicht.
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Das neue Programm des Landsberger Stadttheaters ist veröffentlicht.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

Das neue Programm des Landsberger Stadttheaters bietet viele Highlights. Warum der bekannte Dirigent bereits 1948 im Landkreis war.

Der Winter kommt. Was liegt da näher, als wieder mal ein Besuch im Stadttheater? Unter Leiter Florian Werner hat sich das Theater neu entwickelt. Es hat nicht nur das traditionelle Sprechtheater im Visier, sondern setzt auch sehr stark auf musikalische Gastspiele. Und: Auch viele Eigenproduktionen von Landsberger Gruppen sind zu sehen.

Ein Schwerpunkt in dieser Saison ist das Thema Vergangenheitsbewältigung. So gibt es im Rahmen der Internationalen Jüdisch-Deutschen Festwoche, die von dem Verein „Die Kunstbaustelle“ initiiert wurde, zwei Welturaufführungen. Vor knapp 70 Jahren, am 10. Mai 1948, dirigierte Leonard Bernstein auf eigenen Wunsch zwei Konzerte des „Orkester fun der Szeerit Hapleitah“ für Überlebende des Holocausts – sowohl im Landsberger Lager für Displaced Persons (DP) als auch im Lager in Feldafing. An dieses in Vergessenheit geratene Ereignis wird mit zwei Jubiläumskonzerten erinnert, in deren Rahmen die Preisträgerwerke des Wolf Durmashkin Composition Award im Landsberger Stadttheater uraufgeführt werden.

„Mit dem Wolf Durmashkin Composition Award“, so Werner, „wurden gemeinsam mit der Hochschule für Musik und Theater München weltweit junge Komponisten aufgerufen, sich mit der Thematik Musik und Holocaust auseinanderzusetzen und ihre Vorstellungen kompositorisch umzusetzen. Wolf Durmashkin war ein jüdischer Pianist, Komponist, Dirigent und Chorleiter, und eines der herausragendsten Musiktalente seiner Zeit.“

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Eine Neuauflage des Konzerts findet genau 70 Jahre später statt

Und er hat eine bewegende Geschichte: 1944 wurde Durmashkin in einem estnischen Konzentrationslager ermordet. Seine beiden Schwestern – Henia, Sängerin, und Fania, Pianistin –, die die KZ-Außenlager Kaufering/Landsberg überlebt haben, waren Mitglieder des DP-Orchesters, das sich in St. Ottilien gründete. Das von Leonard Bernstein am 10. Mai 1948 – vier Tage vor Gründung des Staates Israel – in Landsberg dirigierte Konzert war Spiegelbild der Bandbreite zwischen kultureller, jüdischer Tradition und klassischer Musik.

In Anlehnung an die historischen Konzerte am 10. Mai 1948 wird es genau 70 Jahre später zur gleichen Uhrzeit zwei Konzerte im Stadttheater Landsberg geben – um 13 und um 20 Uhr. Zeitzeugen sowie die Kinder von Leonard Bernstein und Nachfahren der Musiker werden zu diesem Ereignis nach Landsberg kommen. Initiiert wurde das Jubiläumskonzert – wie auch die begleitenden Veranstaltungen, die zum Teil auch im Rahmen der internationalen jüdisch-deutschen Festwoche im Stadttheater stattfinden – von der Journalistin Karla Schönebeck und dem Künstler Wolfgang Hauck.

Das Programm hält diesmal viele musikalische Höhepunkte bereit: so die Jazzsängerin Norma Winstone, der „Grandmother of Invention“, Frank Zappas ehemalige Bandkollegen – und der Auftritt von Meret Becker, die sich hier als Sängerin zeigt. Und 2018 ist wieder Gitarrenzeit mit dem besonderen Festival von Christian Gruber. Der künstlerische Leiter hat diesmal zur Eröffnungsveranstaltung „Tatort“-Kommissar Udo Wachtveitl als Sprecher gewinnen können. Weitere Gäste sind neben anderen der ukrainische Gitarrist Marko Topchii und das Philipp Stauber Quintett.

Auch Kafka und Brecht sind vertreten

Wer Brecht liebt, kann sich ebenfalls freuen: Das Berliner Ensemble ist für Theaterfreunde sicher kein unbekannter Name und wird sicher einer der Höhepunkt im Theaterbereich sein.

Der neue Intendant am Schiffbauerdamm, Oliver Reese, hat am große Brechthaus als erstes Brechtstück, so Werner, „mit Bedacht dasselbe Stück gewählt, mit dem Bertold Brecht selbst seine Arbeit einst aufnahm. ’Der kaukasische Kreidekreis’“. Michael Thalheimer, einer der namhaftesten Theaterregisseuren in Deutschland , hat die Inszenierung übernommen. Auch das Theater an der Ruhr mit Regisseur Roberto Ciulli ist wieder zu Gast in Landsberg. Das Ensembletheater zeigt Eugene O’Neilles „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ und „Clowns im Sturm“ – eine weitere Zusammenarbeit Ciullis mit dem Theatermusiker Matthias Flake.

Auch die Landsberger haben sich in Eigenproduktionen einiges einfallen lassen: „Wenn du einmal groß bist“, ein Stück von Ioan C. Toma und Alexander Baginski über die Geschichte des Kinderbilderbuches von Bedrich Fritta, das der jüdische Maler in Theresienstadt für seinen dreijährigen Sohn Tommy gezeichnet hat. Dieses Stück ist auch für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet.

Mit Franz Kafka beschäftigen sich die Aufführung „Die Verwandlung“ des Landestheaters Tübingen (nach Kafkas gleichnamiger Erzählung) und die Produktion „K.“ des Landsberger Regisseurs Wolfgang Nägele, die extra für das Stadttheater produziert wurde. Zum Jubiläum der Ereignisse von 1918 um die Gründung des Freistaats Bayern und Kurt Eisners Republik wird Nägele auch sein Stationendrama „Komm, wir machen eine Revolution“ wieder durch die Lechstadt wandern lassen.

Für Jugendliche soll auch mehr getan werden in Sachen Kultur

Bei dieser Programmvielfalt: Was kann sich der Theaterleiter für die Zukunft noch wünschen? „Nachdem die Abozahlen und die Gesamtbesucherzahl seit nunmehr fünf Jahren immer noch ansteigen, bin ich natürlich sehr zufrieden“, so Werner. „Wir brauchen auf alle Fälle mehr Jugendarbeit im Theater. Eine eigene Jugendtheatergruppe, die an das Haus angelehnt ist und so den Jugendlichen den Einstieg auch zu Theaterbesuchen erleichtert.“ Dazu wünscht er sich auch mehr Betreuung der Schulen. „Wir hoffen, dass der Stadtrat uns die beantragte Stelle dafür genehmigt, dann hätten wir eine eigene Theaterpädagogik. Das wäre eine Investition in die Zukunft der Kinder und in die Zukunft des Theaterpublikums.“

Informationen zum Abonnement erhalten die Theaterbesucher auf der Website des Theaters und unter der Telefonnummer 08191/128333. Der allgemeine Vorverkauf beginnt am Dienstag 5. Dezember. Ebenso erhalten Sie Karten wie gewohnt in der Vorverkaufsstelle des Reisebüros Vivell.

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