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Landkreis Landsberg

16.08.2020

Besuchermassen sorgen für Chaos am Westufer des Ammersees

Bei schönem Wetter staut sich der Verkehr in den Gemeinden rund um den Ammersee - so wie in Eching. Anastasia Blaszok hat in Utting noch einen Parkplatz bekommen. Josef Liebicher vom Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberland dokumentiert Verstöße.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus In der Corona-Krise haben die Kommunen am Westufer des Ammersees verstärkt mit Falschparkern zu kämpfen. Wie Bürgermeister, Parkwächter und Anwohner die Situation einschätzen.

Wenn das Wetter mitspielt, wird es an den Badeseen in der Region sehr voll. Die Corona-Pandemie – viele machen deswegen in Deutschland Urlaub – verstärkt das Problem noch. Vor allem den Gemeinden am Westufer des Ammersees macht die Situation zu schaffen. Das LT hat mit einem Parkwächter, Bürgermeistern und Anwohnern gesprochen.

Die Sonne hat am Samstag mehr zu kämpfen als in den vergangenen Tagen. Immer wieder verschwindet sie hinter den Wolken. Dennoch ist schon am frühen Mittag am Uttinger Freizeitgelände viel los. Auf der rechten Seite der Zufahrtsstraße stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange geparkt. Der Parkplatz mit gut 400 Stellplätzen ist fast voll. Die Kennzeichen der Fahrzeuge zeigen, dass auch viele Touristen darunter sind. Nummernschilder aus Baden- Württemberg und dem Saarland sind ebenso vertreten wie aus der Schweiz und Litauen.

Uttings Bürgermeister bezeichnet die Parksituation als "grenzwertig"

Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann bezeichnet die Parksituation in seiner Gemeinde als „grenzwertig“. In der Corona-Krise seien vor allem mehr Camper und Radfahrer unterwegs. Um das Verkehrsaufkommen in den Griff zu bekommen, sei „Im Gries“ eine Sperrbake errichtet worden. Außerdem habe die Gemeinde zahlreiche Hinweisschilder aufgestellt .„Wir tasten uns mit unseren Maßnahmen ran an das Problem“, sagt Hoffmann.

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Gegen 12 Uhr am Samstag beginnt Josef Liebicher von der Kommunalen Verkehrsüberwachung Oberland seine Kontrolltour am Uttinger Freizeitgelände. Zuvor hat Liebicher bereits innerorts nach dem Rechten gesehen. Bevor er von Fahrzeug zu Fahrzeug geht, um hinter den Windschutzscheiben nach Parktickets Ausschau zu halten, kontrolliert er die Halteverbotszonen. „Unsere wichtigste Aufgabe ist, für die Verkehrssicherheit zu sorgen.“ Bei seinen Rundgängen stoße er immer wieder auf Probleme in Utting. Gerade an richtig heißen Tagen würden abgestellte Autos oft die Anfahrtswege der Rettungsfahrzeuge behindern. Bei Liebicher stößt dies auf Unverständnis: „Bei einem Badeunfall sind oft schon Sekunden entscheidend.“ Für einige Besucher gelte jedoch offenbar das Motto: Je näher am See, desto besser. Weist Liebicher die Autofahrer auf deren Fehlverhalten hin, reagieren sie nicht selten mit Unverständnis. „Manche werden sogar richtig sauer.“ Seiner Meinung nach seien die Leute in den vergangenen Jahren egoistischer geworden. „Hauptsache, sie bekommen einen Parkplatz. Die Schilder sind ihnen egal.“

In Schondorf bereitet den Anwohnern eine Einbahnstraße sorgen

Badegäste, die ihre Autos auf den vorgesehenen Parkplätzen ohne Ticket abstellen, seien da schon das kleinere Übel. „Von 100 Autofahrern lassen es vielleicht zehn darauf ankommen“, sagt Liebicher. Anastasia Blaszok, die heute mit ihrer Familie an den Ammersee gekommen ist, gehört nicht zu jenen zehn Prozent. „Die Preise sind schon sportlich“, sagt sie, als sie an einem Automaten gerade ihren Parkschein zieht. „Aber Utting ist eben auch ein Urlaubsort.“ Das Tagesticket kostet fünf Euro. Dank der vielen Parkmöglichkeiten am Freizeitgelände sei die Situation zumindest besser als in ihrem gut drei Kilometer entfernten Wohnort Schondorf.

Auch dort ist in diesem Sommer besonders viel los, berichtet Anwohnerin Katharina Glatt. „Man merkt, dass die Menschen möglichst nah am Ufer parken wollen.“ Es komme sogar vor, dass Fahrzeuge in privaten Einfahrten abgestellt würden. Was Glatt aber noch mehr besorgt: Wegen einer Baustelle stehen derzeit besonders viele Fahrzeuge „An der Point“ – einer Einbahnstraße, die von der Seestraße weg in Richtung Ortsmitte führt. „Es ist dort sehr unübersichtlich und gefährlich“, klagt Glatt. Die Autos parkten auf beiden Seiten der Straße – für Busse sei dadurch kein Durchkommen mehr. Viele Radfahrer würden zudem die Einbahnstraßenregelung ignorieren. „Das ist schon sehr gefährlich. Für Autofahrer, die um die Kurve kommen, sind sie erst spät zu sehen.“ Petra Wendler, eine weitere Anwohnerin, pflichtet Glatt bei. „Die Kurve ist einfach zu eng. Der Meinung sind hier alle Leute.“ Größere Schilder, die auf die Gefahren hinweisen, könnten Abhilfe schaffen, schlägt Wendler vor.

In Eching soll eine Kommission für Lösungen sorgen

Auch nach Eching, wo die Polizei kontrolliert, sind viele Badegäste unterwegs. „Wenn es heiß ist, wird es eigentlich immer eng“, sagt Bürgermeister Siegfried Luge. „Wir haben viele Beschwerden von Bürgern.“ Luge ärgert insbesondere, dass an Wochenenden regelmäßig die Halteverbotsbuchten in der engen Kaagangerstraße zugeparkt werden. „Dadurch staut es sich weit zurück. Für Rettungsfahrzeuge gibt es dann kein Durchkommen mehr.“ Im Moment seien der Gemeinde die Hände gebunden – die Falschparker dürften nicht abgeschleppt werden. Bald solle jedoch eine Kommission, in der auch Verkehrsaufsicht, Landratsamt und Polizei vertreten sind, ausloten, was unternommen werden kann. Bis dahin appelliert Luge an die Vernunft der Badegäste. Mehr Parkmöglichkeiten zu schaffen, würde aus seiner Sicht nichts bringen: „Die Liegewiesen sind auch so schon ständig voll besetzt.“

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