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23.03.2009

Böwe Systec kämpft gegen die Finanzklemme

Augsburg Wie man Briefe schnell in einen Umschlag bekommt, weiß keiner so gut wie der Kuvertierhersteller Böwe Systec. 22 000 Briefe in einer Stunde sind kein Problem für den europäischen Marktführer. Er fuhr in Japan und Übersee Großaufträge ein und kaufte sich in den USA groß ein. 2008 fuhr man einen Rekordumsatz ein, nun droht man am eigenen Wachstum zu ersticken. Das Unternehmen ist in einer Finanzklemme. Das Management wurde ausgetauscht, die 700 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Nun haben die Banken das Sagen.

Vor allem der Erwerb der US-Tochter, die größer ist als die Mutter, macht nach Informationen unserer Zeitung Sorgen. Angeblich gibt es eine Wertberichtigung von über 33 Millionen Euro. Das bringt Unruhe in das Mutterhaus in Augsburg. "Wir machen uns große Gedanken", sagt der IG-Metall-Chef Jürgen Kerner. Von einer dramatischen Situation ist die Rede.

Der neue starke Mann im Management von Böwe Systec ist der Vorstandschef Oliver Bialowons. Er spricht klare Worte. Transparenz ist sein Lieblingsbegriff. Er scheut sich nicht vor bitteren Wahrheiten, denn das schaffe Vertrauen gegenüber den Mitarbeitern. Und seine Wahrheit lautet so: "Das Unternehmen ist stark verschuldet." Schuld sei eine ungesunde Finanzierung der starken Expansion des Unternehmens im amerikanischen Markt. Die Firma in Geldnot arbeite eng mit Banken zusammen. Die wichtigste Botschaft lautet so: "Das Unternehmen hat eine gute Zukunft."

Der 40-jährige Bialowons kam als Sanierer und ist gleichzeitig Vorstandschef im Mutterhaus der Wanderer-Werke, dem 51 Prozent von Böwe gehört. Er setzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf Klarheit und Kommunikation. Doch die damaligen Hauptakteure gibt es nicht mehr. Vorstandsvorsitzender Claus Gerckens (nach wie vor einer der großen Aktionäre) und sein Stellvertreter Michael Meyer haben das Boot verlassen. Aus persönlichen Gründen, wie es heißt. Am Freitag folgte der Aufsichtsratschef Johannes Beelen. Auch aus persönlichen Gründen und mit sofortiger Wirkung. "Das alles bedeutet eine sehr prekäre Lage", heißt es bei Insidern.

Böwe Systec kämpft gegen die Finanzklemme

Das will Bialowons nicht abstreiten, doch sei die Prognose günstig: Man habe erstklassige Produkte, große Kunden und stehe kurz vor dem Abschluss weiterer Großaufträge. 2008 hatte das Unternehmen mit 90 Millionen Umsatz das beste Ergebnis in seiner Geschichte. Die aktuelle Auftragslage sei mit der 2008 vergleichbar.

Der neue starke Mann verspricht Arbeitsplatzsicherheit

Bialowons macht nicht den Eindruck, als würde er alles den Banken überlassen. Alles kommt auf den Prüfstand - nicht jedoch die Zahl der Mitarbeiter. "Nach derzeitigem Stand kommen wir um betriebsbedingte Kündigungen herum", versichert Bialowons.

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