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Sonnenhof

26.11.2014

Bürger fordern Gemeinde zum Handeln auf

Der Sonnenhof in Holzhausen soll Gaststätte und Beherbergungsbetrieb bleiben, fordert ein Bürgerantrag, ein anderer will zumindest eine künftige Wohnnutzung begrenzen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Zwei Anträge verlangen einen Bebauungsplan für das ehemalige Hotel-Areal. Und dafür gibt es einen bekannten Unterstützer. Heute Abend soll der Gemeinderat dazu Entscheidungen treffen

Dem ehemaligen Hotel „Sonnenhof“ sind in der heutigen Sitzung des Uttinger Gemeinderats (ab 19.30 Uhr) gleich drei Tagesordnungspunkte gewidmet. Zunächst soll über zwei Anträge von Nachbarn entschieden werden, die eine Bauleitplanung für erforderlich halten. Danach steht der Antrag des Käufers auf Nutzungsänderung und Umbauten auf der Agenda.

Die nördlichen Nachbarn des Sonnenhofs wollen mit ihrem Antrag erreichen, dass für das ehemalige Hotel-Areal ein Bebauungsplan „Sondergebiet Tourismus/Fremdenverkehr“ aufgestellt wird. Sie begründen das damit, dass Utting und Holzhausen seit jeher beliebte Fremdenverkehrsorte seien. Allerdings verschwänden die Beherbergungsbetriebe Stück für Stück.

Dieser Tendenz stellen sie ein Geschäftsmodell aus „Beherbergung, Begegnungsort von Kunst und Kultur und einer gastronomisch sinnvollen Einheit, in der man sich gerne aufhält und Anwohner und Besucher anzieht, ohne den Ort zu überfordern“ gegenüber. Dies wäre machbar, dazu brauche es aber etwas Zeit, und Menschen, die bereit seien, dafür Geld anzulegen, ohne auf eine kurzfristige Gewinnorientierung abzuzielen. „Wir wollen in Gemeinschaft die baulichen Anlagen des Sonnenhofs zurückführen auf ein Maß, mit dem er sich einfügt in das Bild seiner Umgebungsbebauung im Kern Holzhausens. Mit einem Konzept, das nicht den Versuch macht, Erfolg durch Größe zu erreichen, sondern durch Qualität“, heißt es in dem Antrag weiter.

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Laut den Antragstellern haben sich inzwischen zahlreiche Unterstützer  in eine Unterschriftenliste eingetragen, darunter auch, was sie besonders freut, der ehemalige Bürgermeister Josef Klingl (CSU). „Ich habe für meine Stammtischbrüder unterschrieben, denen es am liebsten wäre, wenn der Sonnenhof als Gastwirtschaft erhalten bleiben würde“, sagt der frühere Rathauschef zu seinen Beweggründen. Er ist sich allerdings nicht sicher, ob ein Bebauungsplan für ein Sondergebiet Tourismus rechtlich haltbar wäre. Schließlich habe der Investor die Immobilie gekauft, die im künftigen Flächennutzungsplan als Dorfgebiet dargestellt ist. Das lasse eben auch die von dem Investor gewünschte Wohnnutzung grundsätzlich zu.

Klingl fragt sich, warum die Gemeinde nicht früher dem Gedanken einer Bauleitplanung näher getreten ist: „Die Gemeinde weiß doch seit neun Monaten, dass das irgendwas passieren wird, das ist ja nicht nur an den Stammtischen diskutiert worden.“

Kommunalpolitiker halten sich noch weitgehend bedeckt

Der Bauausschuss hat am Dienstagabend das Thema mit dem für die Gemeinde tätigen Verwaltungsjuristen Dr. Gerhard Spieß vorbesprochen. Zu Inhalten und Weichenstellungen in der nichtöffentlichen Sitzung machte Bürgermeister Josef Lutzenberger (GAL) keine Angaben. Zurückhaltend äußerte sich auch GAL-Fraktionschef Peter Noll. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man es probieren sollte, im Wege einer Bauleitplanung die Wirtschaft zu erhalten“, sagt das Gemeinderatsmitglied. Er schränkt aber zur Linie der GAL ein: „Sehendes Auges werden wir keine rechtswidrige Entscheidung treffen.“ Eine rechtliche Einschätzung des gemeindlichen Anwalts soll dem Gemeinderat bis zur heutigen Sitzung schriftlich vorgelegt werden, so Lutzenberger weiter. Bedeckt hielt sich der Fraktionsvorsitzende von CSU und Bürgerliste, Alexander Noll: Eine Meinung wollte man sich erst in der Fraktionssitzung am Mittwochabend bilden, sagte er auf Nachfrage.

Die Antragsteller sind sich freilich sicher, dass es rechtlich nicht zu beanstanden wäre, ein Sondergebiet Tourismus zu planen. Seinem Antrag hat er zwei Entscheidungen des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs aus den Jahren 1991 und 1992 geigefügt. Demnach sei es möglich, mit einer solchen Planung zu verhindern, dass ein Beherbergungsbetrieb abgebrochen wird. Zulässig sei auch, einen solchen Bebauungsplan aufzustellen, um strukturelle Fehlentwicklungen in einer Fremdenverkehrsgemeinde zu unterbinden.

Einen etwas anderen Akzent setzt ein zweiter Bürgerantrag. Dieser zielt darauf ab, dass die Gemeinde das einst für den Hotelbetrieb gewährten große Baurecht zurücknimmt, wenn kein Hotel mehr vorhanden ist und „die Bausünden der Vergangenheit zu korrigieren“. Mit einer dem dörflichen Charakter angepassten Bebauung wäre auch dem Investor gedient, schreiben sie: „Eine der ortskerntypischen Wohnbebauung angepasste Architektur, gegebenenfalls mit kleinem Speiselokal oder Versammlungsraum, kann ansprechend und verkaufsfördernd wirken. Auch kann durch eine gelungene Ortseinbindung eines solchen Projekts der Name und Ruf eines Investors und einer Gemeinde nur gewinnen.“

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