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Landkreis Landsberg

09.03.2017

Bundeswehr gibt Fliegerhorst Penzing nicht ab

Aufgrund der neuen sicherheitspolitischen Lage gibt die Bundeswehr derzeit nicht wie vorgesehen den Fliegerhorst in Penzing ab.
Bild: Ulrich Wagner

Die Bundeswehr wird den Fliegerhorst Penzing nicht abgeben. Ein Verkauf an die Gemeinde Penzing oder die Stadt Landsberg ist damit erstmal vom Tisch. Was die Gründe dafür sind.

Der Fliegerhorst in Penzing, Heimat des Lufttransportgeschwaders 61, wird von der Bundeswehr vorerst nicht abgegeben. Eine entsprechende Information bestätigte der Kommodore des LTG, Oberst Daniel Draken, auf Anfrage des Landsberger Tagblatts. Die neue sicherheitspolitische Lage hat das Verteidigungsministerium bewogen, vorerst alle Konversionsverhandlungen anzuhalten.

Eigentlich war alles geregelt, aus und vorbei. Die Angehörigen des Lufttransportgeschwaders hatten sich mit dem Zeitplan abgefunden, der eine Auflösung der Traditionseinheit, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiert, zum 31. Dezember 2017 vorsieht. Bereits am 28. September wird die letzte Transall mit dem Geißbockwappen den Fliegerhorst verlassen, am 14. Dezember ist der militärische Auflösungsappell terminiert. 2018 wird sich dann ein etwa 170 Köpfe zählendes Nachkommando, technisches und logistisches Personal, um „die Restabwicklung“ kümmern. Daran werde sich auch nichts ändern, zumindest hat Daniel Draken keine anderslautenden Informationen. Die neue Order, sämtliche Konversionsverhandlungen anzuhalten, betreffe auch nur die Infrastruktur vor Ort, also den Fliegerhorst samt die dazugehörigen Gebäude, nicht das Geschwader. „Das habe ich den Soldatinnen und Soldaten so auch bereits kommuniziert.“

Fliegerhorst wird 2018 geschlossen

So bleibe es auch dabei, dass der Fliegerhorst Mitte 2018 geschlossen werde. Bislang galt der Beschluss des Haushaltsausschusses des Bundestags vom 21. März 2012, demzufolge die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) „entbehrliche Konversionsgrundstücke“ zum gutachterlich ermittelten Verkehrswert und ohne Bieterverfahren verkaufen könne, und zwar in erster Rangfolge an die Gebietskörperschaften, also in der Regel Kommunen, in deren Gebiet die militärischen Grundstücke liegen.

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Im Fall des Fliegerhorstes wäre dies die Gemeinde Penzing und zu einem geringeren Teil die Stadt Landsberg. Auf Penzinger Flur befinden sich rund 250 Hektar des Fliegerhorstes, auf Landsberger Flur rund 20 Hektar. Penzings Bürgermeister Johannes Erhard bestätigt dem LT Gespräche mit der BImA. „Wir prüfen und brüten seit Langem schon darüber, ob sich die Gemeinde das leisten kann und will“, gibt sich der Bürgermeister zurückhaltend. Er bestätigt ebenso wie Landsbergs Oberbürgermeister Mathias Neuner, dass es bereits seit einiger Zeit regelmäßige Gespräche zur Zukunft des dann frei werdenden Militärareals gäbe. Auch über die Gründung eines Zweckverbands wurde nachgedacht, doch seien diese Bestrebungen zuletzt zurückgestellt worden.

Neue sicherheitspolitische Lage

Was unter Umständen auch an den Nachrichten aus dem Verteidigungsministerium liegen könnte. Oberst Daniel Draken, der Bürgermeister und Oberbürgermeister in diesen Tagen informierte: „Den Automatismus, dass nach dem Abzug der Soldaten Gebäude an den Standorten abgegeben werden, den gibt es derzeit nicht mehr.“ Vielmehr werde derzeit unter Hochdruck geprüft, wie mit den jeweiligen Liegenschaften im Einzelfall umzugehen ist – jetzt immer unter dem Eindruck einer neuen sicherheitspolitischen Lage.

Mitte des Jahres, so vermutet der Oberst, werde wohl eine Neukonzeption der Bundeswehr an die Öffentlichkeit gegeben, an der momentan unter Hochdruck gearbeitet werde. Eine große Wahrscheinlichkeit könnte folgendes Szenario haben: Das Geschwader wird Ende 2017 aufgelöst. Darauf hat die neue Entwicklung laut Daniel Draken keine Auswirkung. Der Fliegerhorst werde aber von der Bundeswehr vorerst nicht abgegeben, sondern in den Status einer Stillstandswartung versetzt. Das bedeutet, die Funktionen der Liegenschaft werden zurückgefahren, aber nur so weit, dass eine schnelle Reaktivierung und Belebung jederzeit möglich bleibt.

Ein Wechselbad der Gefühle erleben derzeit auch die Bewohner der Kauferinger Straße 96 A bis F, einer Wohnanlage, die sich im Besitz der Bundeswehr befindet und direkt neben der Hauptwache des Fliegerhorsts liegt. Da die drei Mehrfamilienhäuser mit ihrer technischen Infrastruktur direkt mit dem Fliegerhorst verbunden sind und von dort versorgt werden, bangten sie um ihre Zukunft nach dessen Schließung. Zwar hat die BImA auf LT-Anfrage bestätigt, dass auch „weiterhin eine Wohnnutzung möglich sein wird“, zur neuen Entwicklung äußert sie sich aber nicht. Wenn der 74-jährige Heinz Mückl, der in einer der Wohnungen als Witwer lebt, klagt, dass die Mieter keinerlei Nachrichten erhalten, deutet die BImA allerdings an: „Für eine Information der Mieter besteht aktuell noch kein ausreichend konkreter Sachstand.“ Oberst Draken ist sich aber sicher, dass sich seine „Nachbarn“ zumindest so schnell nicht mit einem drohenden Auszug beschäftigen müssen.

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