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Säulenhalle

01.03.2018

China in zehn Tagen

Joachim Maria Hoppes Skulptur „Das wenige Essen der Vielen“ besteht aus vielen Essstäbchen und wenig Reiskörnern.
Bild: Birgit Kremer

18 Künstler sind auf Studienreise im Reich der Mitte. Ihre Eindrücke sind noch bis 4. März zu sehen

2013 unternahmen 18 Künstler des Berufsverbands Bildender Künstler eine zehntägige Studienreise nach China. Dort blätterte sich ein so irritierendes wie faszinierendes Panoptikum vor den Gästen aus dem Abendland auf. Die Vielzahl ihrer Eindrücke verarbeiteten die Maler, Fotografen und Bildhauer in den Monaten nach ihrer Rückkehr nach Europa. Als Folge daraus entstand die Ausstellung „Spots – China in 10 Tagen“, die schon in München und Bayreuth zu sehen war und jetzt in der Säulenhalle in Landsberg präsentiert wird.

Zwölf Künstler setzen sich in Bildern, Plastiken, Fotografien und Installationen mit einem ihnen sehr fremden Land auseinander, und unschwer sieht man den Arbeiten das atemlose Staunen über das moderne China an. Lin Becker präsentiert in ihren Objektkästen „chinese daily humdrum“ den chinesischen Alltag, eingefangen in Assemblagen aus Gegenständen des täglichen Gebrauchs. Da finden sich Geldscheine neben Nudelnestern, rot eingefärbte Teebeutel neben Majong-Steinen, Essstäbchen und Seidenstoffe.

Ähnlich, aber mit einem ganz anderen künstlerischen Ergebnis hat Barbara Kussinger versucht, das Geschehen um sich herum festzuhalten. So entstanden unzählige Skizzen, die, mit Klammern an einer Leine aufgehängt, ein lebhaftes Zeugnis von ständig neuen Eindrücken ablegen. Darstellungen von Pagoden, dem lachenden Buddha, aber auch Landschaften sind in schnellen Strichen auf das Papier geworfen und spiegeln so die Flüchtigkeit des Augenblicks. Shanshui, Berg und Wasser, lautet das chinesische Wort für Landschaft, und so nennt Margarethe Fritz-Herrmann ihre Arbeit in Tusche auf China-Papier, in der sie die Fremdheit der chinesischen Kultur und ihrer für den Europäer kryptischen Schriftzeichen künstlerisch verarbeitet.

Aber auch kritische Stimmen fehlen nicht. Joachim Maria Hoppe setzt sich in einer Skulptur aus Metall und Holz mit dem Gegensatz von Armut auf der einen und Reichtum auf der anderen Seite auseinander, und hier macht es keinen Unterschied, ob man das historische oder das gegenwärtige China in den Mittelpunkt der Überlegungen stellt. Ebenso nimmt sich die Skulptur „Das wenige Essen der Vielen“, in der wesentlich mehr Essstäbchen als Reiskörner den ungleichen Verteilungskampf symbolisieren, der großen Unterschiede innerhalb der chinesischen Gesellschaft an.

Und auch Petra Blume regt mit ihrer Rauminstallation „Nihao – reflexions“ durch die Gegenüberstellung der traditionellen chinesischen Teezeremonie mit dem militärischen Drill auf assoziative Weise zum Nachdenken an. Wie rasant sich die chinesische Gesellschaft wandelt, macht Marijanca Ambos mit ihrer Serie Fotografien und Malerei sehr direkt und beinahe schmerzhaft deutlich. Als Gegenpol dazu kann die Installation von Brigitte Böhler gelesen werden, die mit Betonstahlmatten und gebrauchten Teefiltern die Fragilität von Leben und Glück eindrucksvoll vor Augen führt und dabei gleichzeitig auf die Beständigkeit von Tradition verweist. Ines Schwerd wiederum löst ihre „Beijing people“ mit Farbsprengseln aus der grauen Masse und verleiht ihnen mit sparsamen Mitteln individuellen Charakter. Arbeiten von Irmgard Kempf, Rosa Quint, Stefanie von Quast und Ragna Zeit-Wolfrum vervollständigen den Blick auf China.

In der Geschichte der Kunst unterschied sich die chinesische Auffassung dessen, was Kunst sei, jahrhundertelang diametral von der europäischen Sichtweise. Während im Westen das Individuum einen großen Stellenwert besitzt, sodass die Arbeiten eines Künstlers ihren Wert aus dessen Interpretation eines Motivs bezogen, kopierte ein chinesischer Künstler einen großen Meister wieder und wieder. Erst wenn sich seine Arbeiten von denen seines Vorbildes nicht mehr unterscheiden ließen, hatte er wahre Meisterschaft erreicht und konnte beginnen, einen eigenen Stil zu formulieren.

Alle Werke sind bis Sonntag, 4. März, in der Säulenhalle täglich von 15 bis 20 Uhr zu sehen.

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