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Seenotrettung

05.09.2019

Claus-Peter Reisch erhält Ehrenmedaille der Stadt Palermo

Kapitän Claus-Peter Reisch steht auf dem Deck des Rettungsschiffs „Eleonore“.
Bild: J. Filous, dpa (Archiv)

Während im Süden Siziliens gegen Seenotretter Claus-Peter Reisch ermittelt wird, erhält er im Norden eine Auszeichnung für die Rettung von 104 Menschen aus dem Mittelmeer.

Vor wenigen Tagen hat der aus Landsberg stammende Kapitän Claus-Peter Reisch 104 Menschen von einem kaputten Schlauchboot auf dem Mittelmeer gerettet. Nach acht Tagen auf See rief Reisch den Notstand aus und lief in einen sizilianischen Hafen ein - obwohl das eigentlich verboten ist. Während die Staatsanwaltschaft in der süd-sizilianischen Stadt Ragusa nun wegen einer möglichen Begünstigung der illegalen Einwanderung ermittelt, wurde Reisch am Mittwoch im Norden der italienischen Insel ausgezeichnet. Bei einem Treffen mit Bürgermeister Leoluca Orlando erhielt der Landsberger die Ehrenmedaille der Stadt Palermo. Im Gegenzug schenkte Reisch dem Bürgermeister der sizilianischen Stadt eine Rettungsweste.

Claus-Peter Reisch: "Menschenleben zu retten, ist kein Verbrechen"

"Menschenleben zu retten, ist kein Verbrechen. Ein Verbrechen ist hingegen, Menschen acht Tage und acht Nächte lang auf dem Meer zu lassen", erklärte Reisch sichtlich bewegt, wie die Zeitung La Repubblica berichtet. "Wir sind keine Helden. Wir sind lediglich europäische Bürger, die die Arbeit machen, die eigentlich die europäischen Regierungen machen sollten."

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Das Boot "Eleonore", mit dem Reisch unterwegs war, wurde derweil von den Behörden beschlagnahmt. Sollte die "Eleonore" nicht wieder freigegeben werden, kündigte der 58-jährige Landsberger an, ein neues Schiff zu kaufen, "um weiter Menschenleben zu retten". In Palermo forderte er, dass Europa seine kolonialistische Haltung aufgeben müsse. "Alle Länder müssen zusammenarbeiten. Es existiert keine erste, zweite und dritte Welt. Es gibt nur diese eine Welt."

Palermos Bürgermeister setzt sich seit Jahren für Integration ein

Linkspolitiker Leoluca Orlando, der auch "der Löwe von Palermo" genannt wird, setzt sich seit Jahren für die Integration von Flüchtlingen ein und hat sich schon mehrfach offen gegen Noch-Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega positioniert. Beim Treffen mit Reisch forderte Orlando die neue italienische Regierung, die am Donnerstag vereidigt wird, auf, das von Salvini auf den Weg gebrachte Sicherheitsdekret wieder abzuschaffen. Demnach könnten zivile Seenotrettungsorganisationen mit bis zu einer Million Euro Geldstrafe belegt werden. „Endlich wird mit dieser neuen Regierung der faschistische Ansatz beendet, demzufolge ich dich festsetzen und auf dem Meer zurücklassen kann, sofern du nicht gerade im Sterben liegst", sagte Orlando und bezeichnete dieses Vorgehen als "inakzeptabel".

Der Bürgermeister der sizilianischen Hauptstadt Palermo, Leoluca Orlando, positioniert sich offen gegen Noch-Innenminister Matteo Salvini von der rechtsradikalen Lega.
Bild: imago (Archiv)

Beim Treffen mit Reisch wiederholte er den Ansatz, den er in Palermo seit Jahren verfolgt: "Wir in Palermo haben beschlossen, das Wort 'Migranten' abzuschaffen. Für uns gibt es nur 'Menschen'." (sli)

Lesen Sie auch: Forderung von Claus-Peter Reisch: Soll Landsberg zum „Sicheren Hafen“ werden? (Plus+)

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