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Landkreis Landsberg

19.02.2021

Corona: Landsberger Klinik-Direktor schlägt Alarm

Die Impfungen im Landkreis Landsberg gehen nur langsam voran.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Nach dem Corona-Ausbruch im Klinikum Landsberg warnt Dr. Alexander Schnelke, die Lage zu unterschätzen. Warum schon einige Polizisten im Landkreis geimpft sind.

Dr. Alexander Schnelke, Ärztlicher Direktor des Landsberger Klinikums, warnt vor der aktuellen Corona-Lage. Das zeigt sich auch gerade an seinem Arbeitsplatz: Auf einer Station des Klinikums ist das Coronavirus ausgebrochen (LT berichtete). Währenddessen beschweren sich viele Bürger, dass es mit dem Impfen im Landkreis nicht vorangeht und kaum Termine zu bekommen sind. Das LT hat nachgefragt.

„Große Vorsicht ist weiterhin geboten. Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagt Dr. Alexander Schnelke. Im Landkreis verbreiten sich inzwischen Virusmutationen, vor deren Gefährlichkeit er ausdrücklich warnt: Auch mit FFP2-Maske könne man sich leicht anstecken. Aktuell gibt es 34 bestätigte Infektionen mit der südafrikanischen Virusmutation und acht mit der britischen. Über Mutationen im Krankenhaus ist derzeit noch nichts bekannt.

Der Ärztliche Direktor des Klinikums Landsberg, Dr. Alexander Schnelke, warnt vor Nachlässigkeit in der Krise.
Bild: Julian Leitenstorfer

Am Donnerstag war veröffentlicht worden, dass es auf einer Station im Landsberger Klinikum einen Corona-Ausbruch gab. Schon am Freitag vergangener Woche hatte es den ersten Verdachtsfall gegeben, berichtete Schnelke am Donnerstag dieser Woche. Seitdem sei intensiv getestet worden. Inzwischen haben fünf Patienten und vier Mitarbeiter positive Testergebnisse bekommen und die Station 3B wurde geschlossen. Dort befanden sich vor allem Chirurgie-Patienten. Personen, die mit den Infizierten in Kontakt waren – darunter auch einige Mitarbeiter des Klinikums – befinden sich momentan in Quarantäne.

Corona-Ausbruch am Klinikum Landsberg

Seitdem das Klinikum am Donnerstag mit dem Ausbruch an die Öffentlichkeit ging, habe sich an der Lage nichts geändert, gibt das Landratsamt bekannt. „Am Freitag und Samstag finden nochmals Reihentestungen am Klinikum statt, die Ergebnisse erwarten wir am Samstag oder Sonntag.“ Der neue Stand soll am Montag veröffentlicht werden. Nur weil inzwischen viele Mitarbeiter der Klinik gegen das Coronavirus geimpft seien, habe sich die Krankheit nicht schneller ausbreiten können, sagt Schnelke. Über die Hälfte der 700 Mitarbeiter habe bisher mindestens die erste der beiden Impfungen erhalten, weitere würden bald geimpft. Trotz dieser schwierigen Umstände gab es am Freitagmorgen am Klinikum zur Abwechslung eine positive Überraschung: Die Gärtnerei Scherdi aus Hofstetten schenkte den Mitarbeitern über 1000 Primeln.

Am Freitag bekamen die Klinikmitarbeiter Blumen geschenkt.
Bild: Klinikum

Während viele Klinikmitarbeiter schon geimpft sind, ist die Immunisierung im Landkreis noch nicht so weit: Von 120700 Bürgern hätten 4054 die erste Impfung bekommen, 1681 seien bereits zum zweiten Mal geimpft, teilt das Landratsamt mit. Momentan können sich erst die 7200 über 80-Jährigen sowie Bewohner und Patienten in Alten- und Pflegeeinrichtungen, Pflegekräfte, medizinisches Personal und Mitarbeiter des Impfzentrums impfen lassen. Außerdem sei einigen wenigen Polizeikräften Impfstoff verabreicht worden, wenn die betreffenden Dosen sonst abgelaufen wären, berichtet Pressesprecher Wolfgang Müller.

Dass für solche Nachrücker-Situationen nicht besonders gefährdete Risikopatienten angerufen werden, kritisierten Leser gegenüber der LT-Redaktion. Impfzentrumsleiter Peter Rasch erklärt das Vorgehen damit, dass es in solchen Situationen schnell gehen müsse und keine Kapazitäten frei seien, um eine Nachrückerliste mit Risikopatienten durchzutelefonieren, bis ein Kandidat gefunden sei, der kommen könne. Viel schneller gehe eine Anfrage zum Beispiel bei der Polizeiinspektion: Nach einer Schicht würden die impfwilligen Beamten sofort ins Impfzentrum kommen.

Kaum Impfdosen unbrauchbar im Landkreis Landsberg

Seit Beginn der Impfungen im Dezember sind im Landkreis insgesamt 6200 Impfdosen von Biontech-Pfizer und kürzlich auch 600 Dosen des AstraZeneca-Wirkstoffs eingetroffen. Impfstoff von Moderna wurde laut Landratsamt bisher noch nicht geliefert. Ein einziges Fläschchen des Wirkstoffs sei bisher zerbrochen, der Rest habe wie geplant verimpft werden können. Seit der ersten Impfwoche, in der nur 100 Dosen im Landkreis eintrafen, hat sich die Impfstoffmenge erhöht:

Schon in der zweiten Woche waren es 650 Dosen. Nach der darauffolgenden Flaute – der Nachschub fiel eine Woche lang aus – gab es in der darauffolgenden ersten Januarwoche wieder 510 Dosen, die Menge steigerte sich stetig auf 1200 Dosen in der vergangenen Woche, davon 600 von AstraZeneca. Diese Woche waren es bisher 1066 Dosen, teilt das Landratsamt mit.

Beschwerden über Anmeldung zum Impftermin in Penzing

Weil sich gerade ältere Menschen bei der Anmeldung zum Impfen mit langem Ausharren in der Telefon-Warteschleife oder mit der Onlinevereinbarung schwertun, gab es viele Beschwerden: Senioren und deren Angehörige ärgerten sich über die Umstände. Offenbar nicht nur in diesem Landkreis, denn das bayerische Gesundheitsministerium verschickt seit Donnerstag Anmelde-Postkarten an die Landkreise, wo diese unter anderem in Arztpraxen und Apotheken ausgelegt werden sollen.

Anna Diem-Sickinger, Sprecherin des Landratsamts: „Wir waren ein bisschen schneller mit der Idee und der Umsetzung – und zwar gleich mit einem ordentlichen Fragebogen, mit dem sich jeder anmelden kann.“ Der Bogen stammt aus der Aktion Impfpaten, die das Landsberger Tagblatt mit dem Landratsamt ins Leben gerufen hat.

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