Newsticker

Rekord-Neuinfektionen in den USA: Trump tritt mit Mund-Nasen-Schutz auf
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Corona-Schicksal: Das lange Warten auf ein neues Visum

Landsberg

15.05.2020

Corona-Schicksal: Das lange Warten auf ein neues Visum

Der Argentinier Gonzalo Orce an der Ufermauer am Peter-Dörfler-Weg in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Der Argentinier Gonzalo Orce hat in Landsberg seine Berufung entdeckt und möchte bleiben. Das ist aber nicht so einfach.

Wie ist es eigentlich, wenn ein Südamerikaner im Rahmen seiner „Work and Travel“-Reise in Deutschland einen Job sucht? Wenn er hier seine Leidenschaft für ein Studienfach entdeckt? Und was wenn eine Pandemie die Umwandlung seines Visums verzögert? Gonzalo Orce aus Argentinien ist genau das passiert. Dem LT verrät er, wie er die Situation meistert.

Wer die Welt sehen will, braucht zwei Dinge: Geld und eine Einreiseerlaubnis in das jeweilige Land. Wer im Besitz eines deutschen Passes ist, vergisst leicht: Nicht jeder darf jederzeit überall einreisen. Ganz schwer wird es für alle, wenn man im Ausland Geld verdienen will. Als Tourist darf man nicht arbeiten und für ein Arbeitsvisum konkurriert man mit der einheimischen Bevölkerung, das heißt, man muss in der Regel Sprachkenntnisse und dazu bereits ein gut gefülltes Bankkonto vorweisen. Deshalb bevorzugen die meisten reiselustigen jungen Menschen ein sogenanntes „Work and Travel“-Visum. Während man Jobs macht, die die Einheimischen nicht wollen, lernt man einen Teil der Welt kennen. Beliebt bei deutschen Jugendlichen ist ein Jahr Neuseeland.

Sein beruflicher Weg war eigentlich vorgezeichnet

Gonzalo Orce ist vor 31 Jahren als ältester von vier Brüdern im Norden von Argentinien zur Welt gekommen. Sein beruflicher Weg war vorgezeichnet: er sollte ins Familienbusiness einsteigen, Landverpachtung für die Zuckerrohr- und Sojaernte. Dabei interessierte sich der Junge mehr für den künstlerischen Weg. Grafikdesign, Mediadesign, Videotechnik, das waren die Fächer, die er an der Highschool studierte, „in etwa vergleichbar mit einem hiesigen Bachelor-Abschluss“. Nebenbei arbeitete er „zum Geldverdienen“ im väterlichen Geschäft, bis er feststellte, dass „doing art“ immer weniger und weniger wurde.

Corona-Schicksal: Das lange Warten auf ein neues Visum

Irgendwann erzählte ihm eine Zufallsbekanntschaft von dem Reise-Arbeitsvisum und „ich wusste, das ist meine Chance, ich will alles tun, um dieses Visum zu bekommen.“ Anfang 2018 begann Gonzalo Orces Weltreise. Über Bolivien und Chile führte ihn sein Weg für 15 Monate nach Neuseeland, wo er auf dem Bau arbeitete. Nach Fidschi und Australien wollte er nach Europa. Frankreich oder Deutschland, das war die Frage. Von Deutschland kannte er nur die Bands Rammstein und Kraftwerk, die er zwar liebte, aber generell hielt er die Deutschen für immens technisch und logisch orientiert, und da er seine kreative Seite weiter fördern wollte, entschied er sich für Frankreich.

Wolfgang Hauck von der Kunstbaustelle.
Bild: Thorsten Jordan (Archivfoto)

Jedes Land hat nun seine eigenen Visa-Regularien, und um in Frankreich einreisen zu können, hätte er zuvor nach Argentinien zurückgemusst. Also wurde es doch Deutschland. Aufgrund seiner zweiten Leidenschaft, den Bergen, entschied er sich für Bayern und entdeckte über eine „Work and Travel“-Website Wolfgang Hauck und seine Kunstbaustelle. Seit knapp einem Jahr arbeitet Gonzalo Orce nun endlich in seinem bevorzugten Feld und unterstützt die vielfältigen Projekte des Landsbergers. Über Hauck ist er auch in Berührung mit dem Thema Virtual Reality (VR) gekommen, das sich zu Orces neuester Leidenschaft entwickelt hat. Sein Ziel: An einer deutschen Uni studieren, die VR in englisch unterrichtet.

Die Behörden arbeiten in Kurzarbeit

Seine Bewerbung läuft, das Auswahlverfahren beginnt demnächst. Allerdings läuft Orces „Work and Travel“-Visum bald aus. Mit den unterschiedlichsten Visa-Regularien kennt sich Orce mittlerweile bestens aus, er braucht nun ein „Pre-Study“ Visum, das bei erfolgreicher Aufnahme in ein Studentenvisum umgewandelt wird. Aber: aufgrund der Corona-Krise arbeiten die lokalen Behörden nur noch in Kurzarbeit, alles verzögert sich. „In Berlin wurde entschieden, alle Visa einfach wegen der Pandemie um zwei Monate zu verlängern, ich verstehe nicht, warum das in Bayern nicht geht, es ist doch dasselbe Land.“

Ins Nachbarland ausreisen, um dann wieder einzureisen, eventuelle Quarantäne Regeln befolgen, alles nicht so einfach als ausländischer Reisender in diesen Zeiten. Während Deutsche weltweit auf Staatskosten zurückgeholt wurden, hat Gonzalo Orce hier seine Berufung entdeckt und möchte unbedingt bleiben. Ob er es auch darf, wird sich bald entscheiden.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren