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Landkreis Landsberg

20.04.2020

Corona sorgt für Einlasskontrollen vor dem Baumarkt

Kein Eintritt ohne Maske: Nicht nur beim Sailer Baumarkt in Landsberg steht Sicherheitspersonal vor der Türe.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Seit Montag dürfen die Baumärkte und Gärtnereien wieder öffnen. Die Betreiber aus Landsberg und Umgebung sind erleichtert und greifen zu Sondermaßnahmen, manche Kunden sind gereizt.

„Eigentlich wäre ich momentan im Urlaub in Thailand, stattdessen kaufe ich jetzt Blumen fürs Beet.“ Bianca Seifert aus Geltendorf ist nicht die Einzige, der es so geht. Doch genauso froh wie die Kunden waren auch die Geschäftsführer von Baumärkten und Gärtnereien, dass sie am Montag wieder eröffnen durften. Und diese hatten vor den Türen zum Teil Sicherheitspersonal postiert, um alle Vorschriften einzuhalten. Denn eine erneute Schließung könnte nach den vier Wochen Zwangspause wegen der Corona-Pandemie fatale Folgen haben.

Mit Bauzäunen ist vor dem Bauhaus Sailer in Landsberg eine Gasse abgesperrt. Nur durch diese kommt man in den Laden – und wird vorher mit einer Gesichtsmaske ausgestattet. 5000 Masken hat Geschäftsführer Christian Sailer besorgt, ein Mitarbeiter am Eingang sorgt dafür, dass niemand ohne Maske das Geschäft betritt. Ein nicht immer einfacher Job für Mitarbeiter Benjamin Heer: „Viele sind gereizt wegen der Maskenpflicht, aber viele haben schon eine dabei, die verstehen die Maßnahme.“ Und ohne geht es nicht in den Laden, denn es hänge viel davon ab, dass man nicht erneut schließen muss.

Der Wert der Zeit wird wieder erkannt

„Wir sind heilfroh, dass wir wieder öffnen können“, sagt Sailer. Deshalb werde auch alles getan, um nicht noch einmal schließen zu müssen. „Bis jetzt ist es für uns nicht existenzbedrohend“, sagt Christian Sailer, eine erneute Schließung wäre aber problematisch.

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Gerade im Frühjahr sei das Geschäft sehr wichtig. „Aber man muss auch die Regierung verstehen“, sagt der Chef des Baumarkts. Auch wenn zu spüren war, wie froh die Kunden waren, „den ganz großen Ansturm hatte es nicht gegeben. Wenn es an dieser Krise auch etwas Gutes gibt, dann vielleicht, dass man wieder verstanden hat, welch ein wertvolles Gut die Zeit ist. Vieles hat sich etwas entschleunigt“, sagt Christian Sailer am ersten Verkaufstag, nachdem sein Markt vier Wochen Pause einlegen musste. Das zeige sich auch bei den Einkäufen: „Besonders Farbe ist stark gefragt, aber auch die WC-Bürste, die kaputt gegangen ist. Und natürlich Blumen, Erde, Grassamen, alle Gartenartikel.“

Bei Obi im Landsberger Fachmarktzentrum hat man sich auch auf viele Kunden eingerichtet. „Zu Beginn war es der erwartete Ansturm“, sagt Marktleiter Bernd Kemmann. Auch dort steht vor dem Eingang ein Mitarbeiter, der keinen Kunden ohne Maske in den Markt lässt. „Außerdem haben wir noch eine zusätzliche Kasse nur für den Gartenbedarf eingerichtet, damit man nicht mehr an den anderen Kassen anstehen muss.“ Interessant für ihn: Gleich die ersten Kunden interessierten sich für die großen, fertigen Pools. „Man merkt, dass die Leute jetzt wieder mehr zu Hause wohnen und leben.“

Beim Obi-Baumarkt in Landsberg nutzen die Kunden die Möglichkeit, wieder einkaufen zu können - aber nur mit Maske. 
Bild: Julian Leitenstorfer

Und so hat eben auch Bianca Seifert viele Blumen und Erde in ihrem Wagen. „Ich habe sehr darauf gewartet, das alles einkaufen zu können“, sagt die Geltendorferin. Eigentlich hatte sie mit einem großen Ansturm gerechnet. „Aber es geht. Die Masken finde ich sehr sinnvoll. Man schützt sich und andere.“

Der Blumentisch trennt Mitarbeiter und Kunden

Deshalb werden sie auch bei der Gärtnerei Scherdi in Hofstetten angeboten. „Wir haben hier alles so hergerichtet, dass man überall den Abstand halten kann“, sagt Inhaber Kurt Scherdi. Die Tische mit den Blumen sind zwischen 1,5 und zwei Metern breit: „Bei der Beratung kann unser Mitarbeiter auf der einen und der Kunde auf der anderen Seite stehen.“ Alle Wägen werden desinfiziert, ehe sie der Kunde bekommt. „Uns fällt ein Stein vom Herzen, dass wir wieder öffnen dürfen.“ Zwar war der Ansturm nicht ganz so groß wie vermutet, „aber es ist kontrolliert viel los. Und die Leute verlaufen sich zudem in den Gewächshäusern“. Auch wenn ein Gutteil des Geschäfts verloren gegangen ist: „Wenn wir nicht noch mal schließen müssen, kommen wir mit zwei dicken blauen Augen davon“, sagt Scherdi.

Kurt Scherdi ist erleichtert, dass auch seine Gärtnerei in Hofstetten wieder öffnen durfte. Die Blumentische sind so breit, dass der Mindestabstand auch bei Beratungsgesprächen eingehalten wird.
Bild: Julian Leitenstorfer

Doch es ist nicht nur der finanzielle Druck: „Mein Bruder Walter ist der Chef-Produzent“, erzählt Scherdi. Fünf Monate lang hat er sich darum gekümmert, die ersten Frühjahrsblumen heranzuzüchten, „und dann muss man sie wegwerfen, weil man den Platz für die nächsten Kulturen braucht“. So traurig diese Maßnahme war, umso mehr freuen sich nun alle, dass die Blumen jetzt der große Renner sind. „Die Leute kaufen eigentlich alles, was blüht“, sagt Kurt Scherdi.

Im Geschäft gibt es jetzt „Einbahnstraßen“

Auch bei der Gärtnerei Geier in Weil war es nicht zu dem ganz großen Ansturm gekommen. „Wir haben viel ältere Kundschaft“, sagt Chefin Gabriele Geier. „Es kann schon sein, dass sich diese noch nicht recht traut. Und jemanden zum Einkaufen schicken, geht auch nicht, man will sich die Pflanzen ja selbst anschauen.“ Dabei hat auch sie sich penibel auf die Wiedereröffnung vorbereitet. „Wir haben vom Verband eine 15-seitige Vorlage bekommen, die wir umgesetzt haben.“ Zahlreiche Spender mit Desinfektionsmittel wurden besorgt, Masken gekauft und um die Abstandsregeln einzuhalten, gibt es im Geschäft nun auch „Einbahnstraßen“.

„Aber wir erfüllen gerne alle Vorgaben, wir sind so froh, dass wir öffnen dürfen.“ Hätte die Schließung noch zwei, drei Wochen länger gedauert, hätte der Gärtnerei die Insolvenz gedroht, jetzt aber sehe es gut aus. Auch weil die Kunden zurückkommen: „Man merkt den Kunden an, dass sie total glücklich sind, wieder Blumen kaufen zu können.“ Ein Kunde hatte ihr mitgeteilt, dass er jetzt eigentlich in Urlaub nach Costa Rica fahren würde. „Stattdessen richtet er jetzt seinen Garten her und macht zu Hause Urlaub.“

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