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Dießen

21.03.2020

Coronavirus: Der Dießener Maestro del Gelato ist tot

Der frühere Dießener Eisdielenbetreiber Patrizio Visentin starb in seiner Wahlheimat Bergamo am Coronavirus.
Bild: Gianandrea Uggetti

Plus Patrizio Visentin starb mit 67 Jahren in seiner Wahlheimat Bergamo. Bis 2017 betrieb er mit seiner Frau die Eisdiele in der Prinz-Ludwig-Straße in Dießen.

Jahrelang war er eine Dießener Institution, bekannt und beliebt bei jung und alt: Patrizio Visentin betrieb von Februar 2011 bis Herbst 2017 mit seiner Frau Giuditta das „Casa Del Gelato“ an der Prinz-Ludwig-Straße. Praktisch jeder in der Marktgemeinde kannte den freundlichen Mann mit dem stets leicht schelmischen Lächeln, der seine Gäste mit immer neuen Eiskreationen verwöhnte. Um seinen Lebensabend zu genießen, zog das Ehepaar Visentin vor zwei Jahren zurück nach Italien. Doch nun erreichte uns die erschütternde Nachricht: Vergangenen Montag ist Patrizio Visentin im Alter von 67 Jahren an einer Infektion mit dem Corona-Virus verstorben.

Täglich erreichen uns neue Horrornachrichten über die Todesraten in Italien und insbesondere aus dem Epizentrum der Corona-Pandemie, der Stadt Bergamo nordöstlich von Mailand. Dort musste vergangene Woche das Militär den Transport von Toten zu Krematorien außerhalb der Stadt übernehmen, weil die Kapazitäten in Bergamo für die große Zahl der Verstorbenen nicht mehr ausreichten. Noch bedrückender wird dieses Szenario, wenn man sich klar macht, dass hinter jedem Toten ein Einzelschicksal, trauernde Familien und Freunde stehen – und wenn man einen der Toten selbst gekannt und geschätzt hat. So wie eben Patrizio Visentin.

Helge Schneider war einst ein Stammgast

Giuditta und Patrizo Visentin stammen aus der Region Venetien. Doch schon vor Jahrzehnten verschlug es sie nach Deutschland, zunächst nach Nordrhein-Westfalen. In Mülheim an der Ruhr betrieben sie lange Zeit ein legendäres Eiscafé, Stammlokal von Schauspielern und Künstlern, darunter etwa der bekannte Musiker und Komödiant Helge Schneider. 2011 nutzten sie die Gelegenheit, ihrer Heimat wieder ein Stück näher zu rücken und eröffneten in Dießen ein kleines Eiscafé: Das Casa Del Gelato direkt an Dießens wichtigster Verkehrsader, der Prinz-Ludwig-Straße.

Coronavirus: Der Dießener Maestro del Gelato ist tot

Laut und lebendig: Typisch italienisch

Dementsprechend laut und lebendig ging es hier meist zu, typisch italienisch eben. Und während Giuditta vorne an der Theke die Gäste mit Eis und Kaffee versorgte (manchmal auch mit einem Glas Grappa di Prosecco) und dabei immer für einen Ratsch über Gott und die Welt zu haben war, werkelte der eher wortkarge Patrizio buchstäblich im Hintergrund und mischte an der Eismaschine seine Kreationen: Basilikum-Limone, Cheesecake-Erdbeer, Holunder-Joghurt – vor allem aber sein unerreichtes Schokoladeneis, für das er grundsätzlich nur aus Italien mitgebrachte Schokolade verwendete.

Während Giuditta gerne noch ein bisschen in Dießen geblieben wäre, wollte Parizio vor etwas mehr als zwei Jahren unbedingt zurück nach Italien. Und weil sie nach all den Jahrzehnten in Deutschland in ihrer Heimatregion Venetien kaum noch alte Bekannte und Verwandte hatten, zog es die Visentins nach Bergamo, in die Nähe ihrer Tochter Lisa, die inzwischen in Mailand in einer Patentanwaltskanzlei arbeitete.

Eine Bitte aus Bergamo

Kaum eine Region ist so betroffen von Corona wie die Lombardei und besonders schlimm ist es in Bergamo, so schlimm, dass das Gesundheitssystem dort längst kollabiert. Laut Bürgermeister gibt es in Bergamo praktisch keine Familie mehr, die nicht von Corona betroffen wäre. Patrizio Visentin infizierte sich mit dem heimtückischen Virus. Am Montag vergangener Woche erlag er der Krankheit, nur sechs Tage nach seinem 67. Geburtstag.

Sein Körper habe den Kampf gegen den Corona-Virus verloren, schreibt seine Frau Giuditta aus Bergamo und bedankt sich für die Anteilnahme von Freunden am Ammersee. Sie ist inzwischen bei ihrer Tochter und deren Ehemann untergekommen – in Quarantäne, wie die ganze Region. „Wir sind alle gesund und wir dürfen, wie alle anderen, nicht raus gehen“, schreibt Giuditta. „Hier ist es wirklich eine Katastrophe.“ Und sie hat noch einen Rat für ihre Freunde in Bayern, wo das Corona-Virus längst ebenfalls angekommen ist und wo inzwischen auch eine Ausgangsbeschränkung gilt: „Bleibt zu Hause.“

Mehr über die Situation in Italien und Bergamo lesen Sie hier:

Zahl der Corona-Toten steigt auf mehr als 10.000

Warum trifft das Coronavirus Italien so hart?

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