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Landsberg

25.03.2020

Coronavirus: So kann man Schutzmasken selbst herstellen

Ruth Hecking in ihrer Werkstatt in Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Die Landsberger Schneiderin Ruth Hecking fertigt einen Mund-Nasen-Schutz für einen guten Zweck. Dazu sucht sie Freiwillige, die ihr beim Nähen helfen. Sie erklärt auch, wie es geht.

„Momentan ist es nicht möglich, Maß zu nehmen oder eine Anprobe durchzuführen“, sagt Schneiderin Ruth Hecking. Sie ist normalerweise in ihrem Landsberger Atelier damit beschäftigt, Brautkleider, Dirndl und Anzüge nach Maß zu fertigen. Daher hat sie sich dazu entschlossen, ihre Zeit und vor allem ihre Fähigkeiten anders einzusetzen: Seit dem Wochenende näht sie eine Mund-Nasen-Schutz, den sie beispielsweise an Altenheime und Hilfsinitiativen abgibt. Auch eine Apotheke hat schon Interesse gezeigt. Verdienen will die Schneiderin an ihrer Arbeit nichts, nur für den Privatgebrauch denkt sie über einen Unkostenbeitrag nach, denn „es geht darum, anderen zu helfen“, so Hecking.

Ruth Hecking ist keine medizinische Fachfrau, wie sie betont, und übernimmt keine Gewähr für den hergestellten Schutz, aber sie hat recherchiert und ist seither sicher, „dass es die Viren dann schon mal schwerer haben, durch den Stoff zu kommen“. Außerdem spiele ein psychologisches Sicherheitsbedürfnis mit hinein. Auch Marc Schmid von der Lech Apotheke in Landsberg, in der herkömmliche Schutzmasken gerade Mangelware sind, hält selbst genähten Masken für sinnvoll, um Tröpfchen abzufangen und Infektionen zu verhindern, die dadurch entstehen, dass man sich mit den Händen ins Gesicht fasst, auch wenn sich damit natürlich kein vollständiger Virenschutz ergebe.

Die Schutzmasken, die Ruth Hecking näht, bestehen aus drei Lagen Stoff, wobei sie versucht, „positive Muster“ und nicht zu dicke Materialien zu verwenden. Marc Schmid empfiehlt zudem, die Mittellage wenn möglich aus Vlies zu fertigen, da dieses Material, aus dem auch die industriell gefertigten Masken bestehen, besonders dicht sei. In jedem Fall sei aber darauf achten, dass der Stoff hitzebeständig ist, um zu gewährleisten, dass die Masken regelmäßig heiß gewaschen und werden können. Laut Schmid reichen dabei 60 Grad Celsius aus, um die Viren abzutöten. Auch Ruth Hecking bügelt die Masken vor der Abgabe bei 60 Grad Celsius und empfiehlt, dies vor dem Aufsetzten nochmals zu tun. Beim Absetzten sollte im Übrigen darauf geachtet werden, die Außenseite nicht zu berühren, um sich nicht daran zu infizieren. Außerdem sei es für einen guten Schutz wichtig, dass die Schutzmaske Mund und Nase vollständig bedeckt und eng anliegt. Um sie an die Gesichtsform anzupassen, wird im Nasenbereich ein biegsamer Draht eingenäht.

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Eine entsprechende Nähanleitung dazu hat Ruth Hecking selbst erstellt und per E-Mail und Chat bereits an Freunde und Bekannte weiterverteilt. Dabei ist sie große Resonanz gestoßen: Viele seien hilfsbereit, auch Personen, die sonst nicht wirklich nähen würden. Hier sieht die Schneiderin auch eine zweite Chance ihres Projekts: Sie hofft, dass Menschen wieder „mehr zu schätzen wissen, was Nähen und Handwerk bedeutet.“ Der Einstieg mit den Schutzmasken sei aber relativ einfach und wer Lust hat, mitzunähen, weitere Fragen zum Projekt hat oder dringend benötigte schmale Gummibänder zur Verfügung stellen möchte, kann sich per E-Mail an hecking.ruth@gmail.de wenden.


Für alle, die zu Hause selbst einen Mund-Nasen-Schutz fertigen wollen, hier die Anleitung von Ruth Hecking:

  • Drei Stoffquadrate von 20 Zentimetern Kantenlänge aufeinander legen und die Kanten in einem versäubern.
  • Als Nasenbügel einen Draht oder ein biegsames Metallteil von circa fünf Zentimetern unterhalb der oberen Kante mittig auf der linken Stoffseite platzieren, die Kante umklappen, den Bügel links und rechts fest nähen, dann den Umbruch niedersteppen.
  • Für die Faltung fünf Zentimeter unterhalb der Oberkante und nochmals vier Zentimeter darunter Markierungen anbringen, an diesen Stellen einen Bruch auf die rechte Seite bügeln und schließlich zwei Falten nach oben bügeln, die am Rand festgenäht werden. Um den Halt am Kinn zu verbessern, vier Zentimeter von der Unterkante noch eine Falte von 0,5 Zentimetern Faltentiefe nach unten anbringen.
  • Als Halterung hinter den Ohren je ein Gummiband von 18,5 Zentimetern Länge an die obere und untere Ecke der rechten und linken Kante legen und dieses beim Umnähen der Kante festnähen.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier: Corona: Die Lehren aus der Krise

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