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Kaufering

29.01.2020

Coronavirus: Viele Eltern in Kaufering sind verunsichert

Die Kindertagesstätte Don Bosco ist derzeit ausgelagert in die Mittelschule Kaufering.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Nachdem bekannt wurde, dass ein Kauferinger sich mit dem Coronavirus infiziert hat, ist die Verunsicherung groß. Kritik gibt es an der Informationspolitik der Behörden.

Die integrative Kindertagesstätte Don Bosco in Kaufering besuchten am Mittwoch nur noch ein Drittel der 74 Kinder. Auslöser dafür war die Erkrankung eines Vaters mit dem Coronavirus, dessen Kind die dortige Krippe besucht. Viele Eltern entschieden sich laut Gaby Balke, Leiterin von Don Bosco, „vorsichtshalber“ dafür, ihren Nachwuchs nicht in die Einrichtung zu bringen. Im Zusammenhang mit diesem Fall gab es auch zahlreiche Kritik an der Informationspolitik des Landratsamtes und der Tatsache, dass die Einrichtung nicht geschlossen wurde.

In den sozialen Medien im Internet gab es am Dienstagabend und Mittwochvormittag zahlreiche Forderungen, den Namen des Kindergartens öffentlich zu machen. Zur Verunsicherung beigetragen hatte auch das zunächst kursierende Gerücht, es sei eine Einrichtung in Landsberg betroffen. Kritik kommt auch vom früheren Landsberger Stadtrat Konrad Schmid, der sich an unsere Zeitung und das Landratsamt gewandt hat. „Meine Tochter hat heute ihr Kind nicht in den Kindergarten in Landsberg geschickt, weil sie nicht weiß, in welchem Kindergarten das Kind von dem mit dem Coronavirus infizierten Mann ist. Dieser Kindergarten müsste unbedingt sofort geschlossen, und alle Kinder untersucht werden, die mit dem Kind in Berührung gekommen sind.“ Dafür spricht sich auch der frühere Tierarzt Gerd Hoffmann aus Schondorf aus. „Es ist nicht zu verstehen, warum diese Einrichtung nicht sofort für 14 Tage, die Inkubationszeit des Coronavirus, geschlossen wird. Bei allen Seuchenbekämpfungsmaßnahmen steht eine Quarantäne als Prophylaxe im Vordergrund.“

Auch bei einer Grippewelle werden Kindergärten nicht geschlossen

Wolfgang Müller, Pressesprecher des Landratsamtes, verweist darauf, dass Kindergärten in der Regel bei einer Grippewelle auch nicht geschlossen würden. Neue Erkenntnisse könnten aber zu diesem Schritt führen, schränkt er ein. Das weitere Vorgehen erfolge in Absprache mit Gesundheitsamt und der Task Force Infektiologie am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. „Eine Schließung der Einrichtung könnte das Gesundheitsamt veranlassen. Um eine mögliche alternative Betreuung der Kinder müssten sich dann der Träger, die Gemeinde und federführend der Landkreis kümmern. Der Anspruch auf einen Betreuungsplatz besteht gegenüber dem Landkreis.“

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Die betroffene Familie bleibe derzeit daheim, berichtet der Pressesprecher. Kontrolliert werde dies aber nicht. „So viel Vernunft besteht allein aus Eigeninteresse schon.“ Wie Müller berichtet, seien bei Mutter und Kind sowie einem Freund der Familie, der Kontakt hatte, Abstriche gemacht und zu einem Labor geschickt worden. Ein Nachweis des Erregers ist aber nach Müllers Kenntnisstand in einem frühen Stadium schwierig.

"Wir werden die Situation weiter beobachten"

Die Kindertagesstätte gehört zur Pfarreiengemeinschaft Maria Himmelfahrt, Träger ist aber das Kita-Zentrum St. Simpert in Augsburg. Pfarrer Helmut Friedl sagt am Mittwochvormittag auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Informationen „noch ganz frisch“ seien. „Wir werden die Situation weiter beobachten. Ich verstehe die Besorgnis, kann aber versichern, dass wir neue Informationen immer sofort weitergeben.“

Der Kindergarten Don Bosco ist derzeit in Räumlichkeiten der Mittelschule Kaufering untergebracht, da das eigentliche Gebäude heuer für knapp drei Millionen Euro saniert wird. Angrenzend gibt es zudem einen Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt. Die Leiterin des Schulamts in Landsberg, Monika Zintel, berichtet, dass 125 Kinder und Jugendliche die Mittelschule und 314 die Grundschule besuchten. „Wir sind im engen Kontakt mit dem Gesundheitsamt“, erläutert die Schulamtsdirektorin.

Im Klinikum ist es noch ruhig

Sowohl Pfarrer Helmut Friedl von Maria Himmelfahrt als auch das Klinikum Landsberg warnen davor, jetzt in Panik zu verfallen, dazu gebe es keinen Grund. „Das Influenzavirus (Grippevirus) ist viel gefährlicher als das Coronavirus“, betont Ingo Mecklenburg, Chefarzt der Inneren Medizin am Klinikum. Er rät zu mehr Hygiene, um sich zu schützen. Empfehlenswert sei häufiges Händewaschen, sagt er. Das Klinikum hat derweil vorsorglich eine Isolationsstation mit acht Betten eingerichtet, um schnell reagieren zu können, sollte das nötig sein. Laut Pressesprecherin Regina Miller ist es bislang aber ruhig am Klinikum Landsberg.

Beim Roten Kreuz in Landsberg steht man laut Geschäftsführer Andreas Lehner in engem Kontakt mit den Behörden. Sowohl in den Kinderbetreuungseinrichtungen als auch in den Pflegestationen und im Rettungsdienst würden grundsätzlich besondere Hygienemaßnahmen im Alltag angewendet. „Infektschutz gehört zum normalen Rettungsdienstalltag, beispielsweise wenn ein Patient mit Tuberkuloseverdacht transportiert wird.“

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