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05.11.2014

Damit aus Krisen keine Katastrophen werden

Tagsüber wird die kleine Marie in der Heilpädagogischen Tagesstätte betreut. Während dieser Zeit geht Meike Wunder ihrem Beruf als Physiotherapeutin nach. Danach verlangt Marie wieder die ganze Aufmerksamkeit ihrer Mutter.
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Tagsüber wird die kleine Marie in der Heilpädagogischen Tagesstätte betreut. Während dieser Zeit geht Meike Wunder ihrem Beruf als Physiotherapeutin nach. Danach verlangt Marie wieder die ganze Aufmerksamkeit ihrer Mutter.
Bild: Julian Leitenstorfer

Notfalltelefon und Soforthilfe für Familien mit schwerbehinderten und schwerkranken Kindern

Die viereinhalbjährige Marie ist ein Sonnenschein, wenn sie so auf dem Schoß ihrer Mutter Meike Wunder sitzt und aufmerksam ihre Umgebung beobachtet. Doch urplötzlich ist ein leises Wimmern zu hören, das sich im Laufe der Zeit zu einem ausdauernden Weinen steigert. Marie leidet unter einer Fehlentwicklung des Gehirns und benötigt Betreuung rund um die Uhr. Das bedeutet für Mutter Meike aber auch: keinen Nachtschlaf und Situationen, in denen sich das Kind durch nichts beruhigen lässt. Für solche Situationen soll es im Landkreis Landsberg und darüber hinaus künftig die Hotline „SAM“ geben. Ausgebildete Helfer und Spezialisten stehen rund um die Uhr zur Verfügung, um auch lebensbedrohliche Situationen meistern zu helfen – damit aus Krisen keine Katastrophen werden.

Es ist nicht nur die Kraft, die man einsetzt und die im Laufe der Zeit immer weniger wird. Es ist auch die Hilflosigkeit, an der Situation scheinbar nichts ändern zu können, die betroffene Eltern stark belastet. Zu der körperlichen Belastung kommt dann der psychische Stress. Meike Wunder: „Marie hat noch zwei Brüder mit sieben und zehn Jahren.“ Die würden nachts ebenfalls wach, der Gedanke an die sich möglicherweise gestört fühlenden Nachbarn erhöhe den Druck. „Ich habe immer sofort alle Fenster geschlossen.“ Es sind Grenzerlebnisse, in denen sich Eltern behinderter oder schwerstkranker Kinder alleingelassen fühlen. Dazu kommt, dass sich viele Betroffene nicht zu helfen wissen oder sich nicht trauen, Hilfe zu suchen. Meike Wunder: „Viele wollen keinesfalls den Eindruck hinterlassen, die Situation nicht bewältigen zu können.“

Meike Wunder, die selbst 20 Jahre lang in der Neurologie Schädel- und Hirnverletzte betreute, war ratlos – und hatte wiederum Glück. Sie lernte im Kindergarten Charlotte Hamdorf und deren Sohn Samuel kennen. Der heute achtjährige Samuel leidet an einem Chromosomenschaden und benötigt wie Marie rund um die Uhr Betreuung. Charlotte Hamdorf, Kunsterzieherin am Gymnasium Schwabmünchen, und die selbstständige Physiotherapeutin Meike Wunder freundeten sich schnell an, auch, weil sie die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Charlotte Hamdorf: „Wir hatten zwar von der Stiftung Ambulantes Kinderhospiz (AKM) gehört, konnten aber keinen Kontakt finden.“

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Das war die Geburtsstunde von SAM, der Idee einer Krisenhotline. Meike Wunder: „Es musste einfach schneller Hilfe im Akutfall geben.“ Bei der Lebenshilfe Landsberg stießen die beiden Mütter auf offene Ohren, ebenso beim inzwischen kontaktierten AKM. Dessen Vorsitzende Christine Bronner arbeitete mit ihrem Team bereits seit Längerem mit einem Notfalldienst, wollte diesen erweitern: „Da kam uns die Anfrage sehr entgegen.“

SAM hatte das Licht der Welt erblickt. Gestützt vom multiprofessionellen Team der Münchner, bestehend aus Traumapsychologen, Krankenschwestern, Pädagogen und ehrenamtlichen, entsprechend geschulten Krisenbegleitern, bildete sich in Landsberg ein Kernteam, das SAM, die kostenfreie Krisenhotline mit professioneller Einsatzleitstelle und Ehrenamtlichen, vorbereitet. In den ersten drei Jahren wird die Aufgabe der Einsatzleitung von der Stiftung AKM übernommen (Hotline: 0157-733 111 10). Die ehrenamtlichen SAM-Mitarbeiter werden gleichzeitig geschult, geleitet und koordiniert.

Das Kernteam besteht inzwischen aus Christoph Lauer (Geschäftsführer Lebenshilfe), dem AKM, betroffenen Müttern, Barbara Juchem (Behindertenbeauftragte des Landkreises), dem Kinderbüro Landsberg, Karin Schartl (Familienentlastender Dienst Lebenshilfe) und Andrea Schöffel von der Schöffel-Stiftung. Die Schwabmünchner Unternehmerin lernte Charlotte Hamdorf kennen und ließ sich von SAM begeistern.

Mit ihrer Stiftung begleitet sie seither die Entwicklungsarbeit, stellt Kontakte her, arbeitet persönlich im Kernteam engagiert mit. Andrea Schöffel: „Mir tut es gut, zu unterstützen.“ Ihr persönliches Fernziel: SAM auch im Bereich Schwabmünchen als zweiten Schwerpunkt zu etablieren. Insgesamt umfasst das geplante Betreuungsgebiet einen 30-Kilometer-Radius um Landsberg.

Als nächsten Schritt sucht SAM für die künftige Krisenarbeit in der Region Ehrenamtliche, die im Idealfall schon einen beruflichen Hintergrund aus dem pädagogischen, sozialen oder medizinischen Bereich mitbringen. Diese Ehrenamtlichen werden ab Frühjahr 2015 vom AKM professionell zum Kriseninterventionsbegleiter geschult. Zusätzliches Ziel von Christine Bronner für Landsberg ist jeweils eine halbe Psychologenstelle und eine Einsatzleitung sowie eine Geschäftsstellenmitarbeiterin.

zu SAM und einer ehrenamtlichen Mitarbeit gibt es bei einer Veranstaltung am Dienstag, 18. November, im Haus 8 der Lebenshilfe Landsberg, Eulenweg 11. Beginn ist um 19 Uhr.

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