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Landkreis Landsberg

12.06.2020

Damit die Radfahrt nicht im Krankenhaus endet

Wer sicher mit dem Rad unterwegs sein will, sollte einige Verhaltensregeln beachten. Die Polizei Landsberg gibt Tipps.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Zuletzt gab es im Landkreis Landsberg einige schwere Radunfälle. Die Polizei gibt deshalb einige Tipps und einen Überblick, was erlaubt ist und was nicht. Wer freihändig fährt, riskiert eine Strafe.

Es ist das letzte Wochenende in den Pfingstferien und bei entsprechendem Wetter steigen viele Menschen im Landkreis Landsberg wieder aufs Fahrrad. Vor allem das Fahren mit elektrischen Pedelecs liegt stark im Trend. Doch zuletzt kam es zwischen Ammersee und Lech vermehrt zu Unfällen mit Radfahrern, die zum Teil schwer verletzt wurden. Ist es für Radfahrer unsicherer auf den Landkreisstraßen geworden? Worauf sollte man achten? Welche Strafen warten auf Radfahrer, die sich im Verkehr nicht korrekt verhalten? Das Landsberger Tagblatt hat bei der Polizei nachgefragt.

„Es entsteht der subjektive Eindruck, dass es deutlich mehr Fahrradunfälle gegeben hat“, sagt Michael Strohmeier, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Landsberg, angesichts der Häufung zu Beginn der Pfingstferien. Bei der Polizei werden sämtliche Verkehrsstatistiken für den Landkreis erfasst. Doch von einem rapiden Anstieg der Radunfälle könne man nicht sprechen. Das belege ein Blick in die Statistik. Dort sind (Stand vergangenes Wochenende) 44 Fahrradunfälle im Jahr 2020 verzeichnet. Neun Fahrer wurden dabei schwer, 31 leicht verletzt. Zudem gab es elf Unfälle mit elektrisch betriebenen Pedelecs (zwei Personen wurden schwer, neun leicht verletzt). Allerdings berücksichtigt man bei der Polizei auch, dass während des Corona-Lockdowns mehr Menschen aufs Fahrrad gestiegen sind als sonst. Betrachtet man die Zeiträume von Anfang März bis Anfang Juni 2019 und 2020 sind die Unfallzahlen mit Fahrrädern im Landkreis Landsberg von 35 auf 44 im Vergleichzeitraum gestiegen, bei den Pedelecs von vier auf elf.

Michael Strohmeier, der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Landsberg.
Bild: Thorsten Jordan (Archiv)

„Bei den Pedelecs verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg“, so Michael Strohmeier. Die Leute hätten zuletzt aufgrund der Corona-Krise mehr Zeit gehabt. „Manch einer hat sich übernommen. Bei Unfällen liegt oft eine kräftemäßige Fehleinschätzung vor.“ Strohmeiers Tipp: Kondition und Fahrvermögen sollten – auch beim Fahren mit dem Pedelec – realistisch eingeschätzt werden. Gerade beim Fahren sollte man daran denken, dass ein elektrisches Pedelec anders ausgestattet sei als ein herkömmliches Fahrrad. „Die Bremse packt stärker zu und blockiert auch schneller. Zudem erreicht man auch höhere Geschwindigkeiten“, so Michael Strohmeier. Auch beim Bergfahren müsse man das berücksichtigen. Und was der Erste Polizeihauptkommissar jedem Radfahrer dringend empfiehlt – ein Helm. „Ein Helm ist sehr ans Herz zu legen. Die Teile sind nicht mehr ganz so hässlich wie früher. Und man sollte ihn auch bei kurzen Fahrten tragen und nicht aus Bequemlichkeit daheim lassen.“

Das ist aber nicht der einzige Sicherheitsfaktor, den die Polizei bei ihren Tipps für sicheres Radfahren im Blick hat. Das Stichwort lautet: gegenseitige Rücksichtnahme. Zuletzt gab es immer wieder Unfälle, weil sich Radfahrer mit den Lenker-enden berührten. „Beim Überholen sollte ein Abstand von zwei Metern eingehalten werden“, sagt Michael Strohmeier, und das sollte nicht nur aufgrund der Corona-Pandemie beachtet werden.

Bei jeder Fahrt sollte man einen Helm aufsetzen

Und auch das generelle Beachten von Verkehrsregeln sei wichtig, um Gefahrenmomente zu verhindern. Beispiel Rote Ampel. „Viele Radfahrer glauben, dass eine Rote Ampel für sie nur eine Empfehlung ist“, hat der stellvertretende Inspektionsleiter festgestellt. Doch auch für Radfahrer kann das Missachten teuer werden, wenn es die Polizei mitbekommt.

Wer als Radfahrer ein Rotlicht missachtet, muss bei einer Rotphase von bis zu einer Sekunde 60 Euro Strafe zahlen. Wer dabei andere gefährdet, zahlt 100 Euro, wenn es zum Unfall kommt, sind 120 Euro fällig. Wenn die Ampel schon länger als eine Sekunde Rot war, dann sind 100 bis 180 Euro fällig – je nach zusätzlichem Vergehen. Einen Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg gibt es übrigens immer.

Auch wer am Fahrrad zum Handy greift, sollte sich besser nicht von der Polizei erwischen lassen. Ansonsten sind 55 Euro Strafe fällig. Wer dabei andere gefährdet, muss 75 Euro blechen und im Schadensfall sogar 100 Euro. Der gefährliche Trend des Freihändigfahrens ist auch verboten, wie Michael Strohmeier sagt. Wer seine Hände nicht am Lenker hat, wird von der Polizei mit fünf Euro verwarnt.

Diese Bußgelder warten bei Verstößen

Wer darf auf Gehwegen Rad fahren? „Bis zum zehnten Lebensjahr ist es geduldet. Eine erwachsene Begleitperson darf mitfahren“, erläutert Michael Strohmeier. Häufig geraten sich Autofahrer und sportliche Radfahrer in die Haare, weil letztere anstatt auf dem Radweg auf der Fahrbahn mit Renn- oder Zeitfahrrad unterwegs sind. „Wenn ein Radweg vorhanden ist und das blaue Verkehrszeichen angebracht ist, handelt es sich um ein Gebot und somit ist es verpflichtend, dort zu fahren“, erklärt Michael Strohmeier. Beim Hinweis „Fahrradfahrer frei“ auf Gehwegen handle es sich um die Option. „Aber dann darf man dort nur Schrittgeschwindigkeit fahren“, so der stellvertretende Polizeichef aus Landsberg.

Gerade was das Fahrradfahren in der Stadt anbelangt, rät er zur Vorsicht beim Vorbeifahren an geparkten Autos. Nicht selten öffnet sich unvermittelt eine Autotür und bringt den Radfahrer so in eine brenzlige Situation.

Lesen Sie auch den Kommentar:Gute Fahrt allen Radfahrern und bitte aufpassen

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