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Greifenberg

17.12.2018

Dank Schulbegleiter: Johannes Gall ist jetzt viel motivierter

Die Familie Gall mit Hund Lotta auf dem Sofa (von links): Iris, Johannes, Leo, Bernhard und Tobias.
Bild: Thorsten Jordan

Der neunjährige Bub aus Greifenberg hat das Down-Syndrom. Seine Eltern erzählen, wie er von der Unterstützung durch einen Integrationshelfer profitiert.

Schulbegleiter, auch Integrationshelfer genannt, unterstützen Kinder mit psychischen Störungen oder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen, die die Regelschulen besuchen. Finanziert wird dieses Angebot bei Kindern mit seelischen Behinderungen vom Jugendamt, bei Kindern mit geistigen und körperlichen Defiziten wie beispielsweise Down-Syndrom, zahlt der Bezirk. Das LT hat sich mit Iris und Bernhard Gall aus Greifenberg unterhalten: Sie haben einen neunjährigen Sohn mit Down-Syndrom. Er besucht seit eineinhalb Jahren die Grundschule mit einem Schulbegleiter.

Den Kommentar von Stephanie Millonig zum Thema Schulbegleiter lesen Sie hier: Ja zu Schulbegleitern: Für Kinder, die Hilfe brauchen

Ihr Sohn Johannes besuchte anfangs eine Förderschule. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

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Iris Gall: Dort waren nur sieben Kinder in einer Klasse und die Lehrer bemühten sich sehr. Es herrschte aber viel Unruhe in der Klasse. Wir haben gemerkt, dass Johannes dort nicht viel lernt. Er konnte nach einem Jahr nur sechs Buchstaben und sechs Zahlen. Vom Therapeuten kam die Rückmeldung, dass Johannes wesentlich mehr kann.

So entschlossen Sie sich, ihn mit Schulbegleitung an der Regelschule anzumelden?

Bernhard Gall: Als klar war, dass Johannes eine Schulbegleitung über die Regens-Wagner-Stiftung bekommt, war die Schule in Windach sehr offen.

Wie sieht die Schulbegleitung im Alltag aus?

Iris Gall: Johannes fährt alleine mit dem Bus nach Windach und dort in der Schule begleitet in die Integrationshelferin. Es gibt so viel Hilfe für ihn wie nötig, und so wenig wie möglich. Sie lässt ihn so lange alleine arbeiten wie möglich und unterstützt ihn, wenn er nicht weiterkommt. Er braucht länger, kommt aber bisher beim Unterrichtsstoff mit.

Wie erleben Sie ihren Sohn nach dem Schulwechsel?

Iris Gall: Johannes hat noch einmal in der ersten Klasse begonnen und er ist insgesamt motivierter. Es ging sehr schnell, dass man Fortschritte bemerkte.

Bernhard Gall: Der Bub soll nicht überfordert werden, aber er soll sich auch anstrengen können.

Gab es für Johannes negative Erlebnisse an der neuen Schule?

Iris Gall: Es gab nur ganz wenige negative Erlebnisse, beispielsweise wollte sich einmal ein Junge nicht neben ihn setzen, aber das kommt auch bei anderen Kindern vor. Mitschülerinnen sagen, dass er beliebt ist.

Bernhard Gall: Die Kinder passen auf ihn auf, vor allem die Mädchen. Und die Schulbegleitung ist auch ein Schutz.

Johannes lernt jetzt mehr, welche weiteren Vorteile sehen Sie für Ihren Sohn?

Iris Gall: Er geht jetzt mit Greifenberger Kindern in die Schule. Zwei Häuser weiter hat er eine Schulkameradin, die er auch schon öfters besucht hat. Er wird auf dem Christkindlmarkt begrüßt.

Wie wird es weitergehen?

Iris Gall: Die Carl-Orff-Schule in Dießen hat das Schulprofil Inklusion ab der fünften Klasse. Wir könnten uns auch den Besuch einer Montessorischule vorstellen. Wichtig ist, dass es Johannes dabei gut geht und er mit seiner Rolle klar kommt.

Bernhard Gall: Wir wissen nicht, was in zwei oder drei Jahren ist. Man kann es nicht planen. Die Schulbegleitung ist jetzt für die ersten drei Klassen genehmigt. Dann muss sie neu beantragt werden.

Wie sehen Sie die Chancen, dass Johannes auch weiter einen Schulbegleiter bekommt?

Iris Gall: Beim Johannes wird relativ klar sein, dass er die Schulbegleitung weiter bewilligt bekommt. Down-Syndrom ist eine klar definierte Behinderung und nach der UN-Behindertenrechtskonvention gibt es das Recht auf Inklusion.

Bernard Gall: Wir sind dankbar, dass es dieses Hilfesystem gibt und es finanziert wird. Wir finden es aber schade, dass in den jüngsten Diskussionen in Landsberg, die Schulbegleitung so negativ dargestellt wurde. Uns ist wichtig zu zeigen, dass es funktionieren kann, wobei uns klar ist, dass es Kinder mit andersgearteten Behinderungen gibt, die wahrscheinlich schwieriger in den Schulalltag zu integrieren sind, als ein Kind mit Down-Syndrom. Zu der UN-Behindertenkonvention gibt es Meinungsextreme: Auf der einen Seite sind die, die sagen, mit dem bestehenden Förderschulsystem erfülle Deutschland schon die Konvention und andere wollen die Förderschule ganz abschaffen und ausnahmslos alle Kinder in die Regelschule schicken.

Wie ist Ihre Meinung?

Berhard Gall: Man muss individuelle schauen, wie es für das Kind passt. Es gibt sicherlich auch Kinder, für die die Förderschule der richtige Weg ist.

Wie viele Schulbegleiter derzeit im Landkreis beschäftigt sind, lesen Sie hier.

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