04.05.2008

Darf man so malen?

"Darf man so malen?", lautete das provokante Motto von "Goys letzten Montagen". Doch wurde am letzten Aprilmontag keineswegs nur über Martin Gensbaur "zu Gericht gesessen", der Künstler war auch selber zum Talk gekommen.

Zur Überraschung der Veranstalter war das Interesse so groß, dass die Plätze im kult.café nicht ausreichten. Der größere Rahmen im Kulturforum bot den Vorteil des direkten Blicks auf das Corpus delicti: Die "Piazze d'Italia"-Serie mit ihrer Abbildung von Industrie- und Betonmonumenten.

Der Leiter des Neuen Landsberger Stadtmuseums eröffnete mit einem deutlichen Statement: "Ich sag's ganz unverblümt: Ich fahr' in Europa rum, brems' und sage: das ist ein Gensbaur!" Damit hatte Hartfrid Neunzert einen wichtigen Pflock für die Gesprächsrunde eingeschlagen: So abseitig die Portraitierung eines Silos oder eines italienischen Plattenbaus auch scheinen mag, Gensbaur hat mit seinem Blick eine eigene Handschrift definiert.

Emilia Scharfe, Meisterschülerin an der Münchner Kunstakademie, sah die Gensbaur-Bilder im Einklang mit aktuellen Strömungen in der Kunst: "Es ist geradezu zeitgenössisch, Unorte zu malen." Sie zeigte beeindruckt durch die eigenständige Perspektive des Künstlers auf die Gegenstände, die dadurch einen eigenen Charakter bekämen.

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Nach der anfänglichen Lobesrunde war es an Moderator Thomas Raff, die Diskussion zu befeuern. Spritzig wie stets verwies der temperamentvolle Kunsthistoriker auf die Menschenleere der Bilder und auf ihre ausladenden Vordergründe. "Beim Fotografieren wären das Motive, die man gerne vermeiden würde." Damit war das Eis gebrochen und das Gespräch zwischen den Diskutanten nahm Fahrt auf. Der Dießener Künstler Janos Fischer meldete sich und kritisierte, die Bilder lösten nicht das ein, was sie versprächen: Der distanzierende Blick auf die Motivik stehe im Widerspruch zur verklärenden Malerei.

Souverän wendete Thomas Raff den potenziellen Sprengstoff ins Konstruktive. "Es ist vielleicht auch eine größere Leistung, hässliche Gegenstände ästhetisch zu malen als schöne." Denn zöge man die Bildinhalte ab, bliebe bei Gensbaur die reine Ästhetik als Aussage.

Da brachte der Künstler mit ruhiger Stimme ein wenig Licht ins Dunkel. Gensbaur erklärte, dass er tatsächlich auf bestimmte klassische Geometrien in seinen Objekten achte. "Deshalb ist die Allianz-Arena kein Gensbaur." Auch sei er gewiss kein Menschenverächter, schließlich habe er als Kunsterzieher regelmäßig mit vielen jungen Personen zu tun.

Nach der bereichernden und anregenden Diskussion herrschte zwar immer noch keine eindeutige Gewissheit über Gensbaur, aber viel Sympathie für ihn. "Ich kann mir bei den Bildern Geräusche und Gerüche vorstellen", sagte Hoegerl, "und ich Filmszenen!", ergänzte Raff. Eine Zuhörerin fand eine der interessantesten Erklärungen: "Die Diskrepanz in den Bildern find' ich gerade das Spannende!"

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