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Dießen

19.11.2019

Das Craft-Bier soll in Dießen weiterhin fließen

Martin Hug (links) und Claus Bakenecker schließen zum Jahresende den Schankbetrieb im Craft-Bräu. Ihren Gerstensaft werden die beiden Nebenerwerbs-Brauer aber weiter brauen.
Foto: Ulrich Wagner (Archiv)

Plus Ende des Jahres ist Schluss: Claus Bakenecker und Martin Hug schließen die Dießener Kneipe Craft-Bräu. Wo sie Probleme sehen und wie Stammgäste den Schankbetrieb retten wollen.

Nach dem angekündigten Aus des „Fuchs und Has“ (FuHa) in Dettenhofen steht jetzt auch das Ende des Craft-Bräu in der Dießener Mühlstraße fest. Am 12. Dezember heißt es ein letztes Mal „Zwonnerstag“. Claus Bakenecker und Martin Hug schließen die kleine Kneipe in der Mühlstraße nach vier Jahren. Damit reihen sich die beiden Kneipen in die Liste der Lokale ein, die in Dießen schon Geschichte sind: das „1516“ in der Fritz-Winter-Straße, die „Fischerei 15“, „Franco’s Bar“ und die Bar im Maurerhansl. Doch einige Stammgäste wollen dafür sorgen, dass das Craft-Bier weiter fließt.

20 Stunden pro Woche haben Bakenecker und Hug in ihrem Lokal gearbeitet. Jetzt wurde den beiden Brauern im Nebenerwerb, die im Herbst 2014 ihre Mikrobrauerei in der Mühlstraße eröffneten, die Belastung zu groß. Mit nur zwei Öffnungsabenden rechne sich die Kneipe mit Stehausschank nicht. Und eine Ausweitung der Schankerlaubnis mit über zwölf Konzerten pro Jahr hinaus erlaubt die Marktgemeinde Dießen nicht. Einen entsprechenden Antrag lehnte der Bauausschuss im November 2017 ab. Grund: Nachbarn fühlen sich gestört – trotz Schallschutzmaßnahmen und einem Ende der Konzerte um 22 Uhr.

Die Bands traten im Craft-Bräu nicht gegen Gage auf

Um das musikalische Programm habe man sich nicht groß bemühen müssen. Bakenecker: „Die Musiker haben sich selbst bei uns gemeldet.“ Gespielt wurde nicht gegen Eintritt, sondern auf „Hut-Gage“, so der 56-jährige Spieleentwickler weiter. „Es hat relativ gut angefangen, wir hatten fast jedes Wochenende ein Konzert“, erinnert sich Martin Hug (53), im Hauptberuf Unternehmensberater an die Anfänge. „Bei den Konzerten war die Bude voll, dass ist ohne halt nicht so.“ Sollte es eine Lösung geben, wie der Schankbetrieb von anderen weitergeführt werden kann, wolle man das natürlich unterstützen „und das Bier liefern“. Denn die Mikrobrauerei werden Hug und Bakenecker weiter betreiben.

Micha Acher, der selbst von Anfang an als Musiker im Craft-Bräu dabei war, findet es „eine absolute Katastrophe“, dass die Lokalität jetzt schließt. Zusammen mit Evi Keglmaier, Bernd Hess und Karsten Gnettner formierte er die „Original Craft-Bräu-Combo“. Es gebe immer weniger Bühnen, auf denen Bands mehr oder weniger regelmäßig spielen können, bedauert er. „Ich habe schon überall auf der Welt gespielt, aber außer in Bayern gibt es nirgendwo solche Probleme mit Nachbarn“, weiß Acher aus eigener Erfahrung. Die Probleme mit vermeintlicher Lärmbelästigung träten immer öfter zutage. „Das bricht jeder Kneipe irgendwann das Genick.“ Am Anfang sei es im Craft-Bräu und seiner Umgebung sehr entspannt zugegangen, erinnert er sich. Im Laufe der Zeit sei es aber immer öfter zu Spannungen gekommen.

Das Thema Lärmschutz spielt auch eine Rolle

Schade findet es auch Michael Lutzeier aus Dießen, dass mit dem Craft-Bräu eine Dießener Kneipe schließt. Tatenlos zusehen will er aber nicht. Es seien Überlegungen angestoßen worden, eine „Genießerschaft in Anlehnung an eine Genossenschaft zu gründen“, sagt Lutzeier, der selbst im Unterbräu mit seiner Jazzreihe in der Dießener Musikszene unterwegs ist. Bei einem ersten Treffen waren rund 20 Leute mit jeder Menge Ideen da, wie es in der Mühlstraße 12 weitergehen könnte. „Verschiedene Parteien könnten an bestimmten Tagen öffnen“, erklärt Lutzeier.

Gestern Abend fand bereits ein zweites Treffen statt. „Die Spielstätte muss erhalten bleiben“, ist Lutzeier überzeugt. Auch wenn er wohl wisse, dass Szenekneipen wesentlich mehr mit „Schmalhans zu kämpfen hätten“ als professionelle Kneipen, die auf eine Mischkalkulation aus Kneipe und Gaststätte setzen könnten. „Von denen gibt es in Dießen übrigens noch einige“, so Lutzeier. Es sei nämlich keineswegs so, dass Kneipengänger jetzt nicht mehr wüssten, wo sie am Abend hingehen können. Dennoch fände er es schade, wenn es für das Craft-Bräu oder auch das „Fuchs und Has“ keine Zukunft gebe.

Die beiden wollen weiter ihr Bier brauen

Im Herbst 2014 hatten Martin Hug und Claus Backenecker das Craft-Bräu ins Leben gerufen und damit in Dießen eine alte Tradition wieder aufleben lassen. Nach 99 Jahren wurde in der Marktgemeinde wieder Bier gebraut und das soll auch in Zukunft der Fall sein, da sind sich die beiden einig.

Julia Steinel (42) ist Wirtin des Schützengartens in Dießen. Sie kennt die Problematik in Sachen Lärmbelästigung der Nachbarn gut. „Es war schon mutig, mitten im Ort jedes Wochenende Party machen zu wollen.“ Auch sie habe in den vergangenen achteinhalb Jahre einiges lernen müssen. Wobei sie Verständnis für beide Seiten habe. „Beats sind eben nicht so leicht zu ignorieren“, so Steinel. Dennoch wünscht auch sie sich mehr Toleranz – auch vonseiten der Gemeinde.

Lesen Sie dazu auch einen Kommentar:Das Dießener Nachtleben - ein Trauerspiel

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