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28.08.2018

Das Ehrenamt macht Spaß

Bea von Liel übt im Garten für das nächste Singen mit den Senioren.
Bild: Julian Leitenstorfer

Beatrice von Liel ist die Stille Heldin im August. Sie hat zahlreiche Aufgaben übernommen und viele Projekte verwirklicht. Seit 2015 arbeitet sie mit im Helferkreis, der Asylbewerber in Riederau unterstützt

Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne großes Aufhebens davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die ehrenamtlichen Bürger, ohne die das Gemeinwohl nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt, sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Heute: Beatrice von Liel aus Riederau.

Eigentlich möchte Beatrice von Liel gar keinen Termin, um übers Ehrenamt zu sprechen. Sie will, wie viele, die im Hintergrund helfen und arbeiten, nicht in den Vordergrund, nicht im Rampenlicht stehen. Doch nach einigem Zögern gibt sie nach. Schließlich sitzen wir auf der Terrasse ihres Hauses in Riederau. Seit 25 Jahren bewohnt sie es mit ihrem Mann. Vier Söhne hat das Paar großgezogen. Johannes von Liel arbeitet in München. Bei einer Bank. Eine Stunde und vierzig Minuten Fahrzeit einfach. Das ist anstrengend, jeden Tag hin und her zu fahren. Heute wird Johannes von Liel, das erfahre ich, erst gegen 19 Uhr zu Hause sein. Das Gespräch ist locker.

Bea von Liel, wie sie viele nennen, hat gute Laune. „Das Ehrenamt ist unglaublich spannend“, erklärt sie, „Ich habe in all den Jahren, seit ich in den verschiedensten Gremien tätig war, wichtige Kompetenzen erworben.“ Es ist ihr fast ein bisschen peinlich, wenn man alle Ämter und Posten aufzählt, die ein anonymer Einreicher für die Reihe „Stille Helden“ handschriftlich aufgelistet hat.

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„Ich bin ja nicht die Einzige in den Vereinen, die aktiv ist. Da gibt es genügend andere“. Seit 1994 steht auf dem Zettel, ist die Hausfrau mit dem markant blonden und kurz geschnittenen Haar vom Ammersee Westufer hoch engagiert. Seit 2015 ist sie bemüht, gemeinsam mit dem Helferkreis, die Asylbewerber in Riederau bei der Job- und Wohnungssuche zu unterstützen. „Auch gesundheitliche Belange, Operationen und Behandlung der syrischen Freunde müssen von den Helfern organisiert und betreut werden, dabei ist es einfach wichtig, dass die Gespräche von deutsch-sprechenden Helfern geführt werden“, sagt sie. „Mich freut, dass meine Söhne, die erlebt haben, welche positiven Auswirkungen Ehrenämter auf eine vielfältig beschäftigte Mutter haben, sich heute selbstverständlich auch in sozialen oder sportlichen freiwilligen Aufgaben engagieren und dadurch Anerkennung und Respekt erhalten.

Außerdem ist Liel noch in der Nachbarschaftshilfe Dießen tätig ist. „Ehrenamt macht Spaß und es ist eine Möglichkeit, selbstbestimmt Dinge auf den Weg zu bringen“, erklärt die 59-Jährige. „Oft lohnt sich hartnäckiger Einsatz, um zum Beispiel, die Bahn dazu zu bringen, dass behindertenfreundliche Rampen mitgeführt werden oder sogar ein weiterer Zug eingesetzt wird, der dem Schulschluss der Ammersee-Gymnasium-Kinder angepasst ist. Das freut nicht nur, sondern man merkt, dass man auch als „Nur“-Ehrenamtler ernst genommen wird. „Es macht mir Spaß, mit anderen Menschen Probleme zu lösen, dabei lernt man eine Menge: fie Emotionen weglassen und sachlich zu bleiben, frei reden, um zu überzeugen und zu motivieren.“

Oftmals fehle nur der Motor, um eine Sache anzupacken, meist gibt es dann viel mehr Menschen als man glaubt, die gerne mitarbeiten. „Gerade in der Nachbarschaftshilfe machen wir die schöne Erfahrung, dass viele unserer Mitmenschen große Bereitschaft zum Helfen zeigen, solange es nicht verpflichtend oder gar ein festes Amt ist.“

Das Ehrenamt biete so viele Möglichkeiten. Als sie Jugendleiterin im SC Riederau war, habe man begonnen, mit Eigenarbeit und Elan einen Volleyballplatz im Strandbad zu realisieren, ebenso den schlummernden Eisplatz im Schilf wieder zum Leben zu erwecken. Man müsse es nur anpacken, dann komme meist von allen Seiten Unterstützung. „ Klar“, sagt sie, „war ich auch dort aktiv, wo meine Söhne ihrer Entwicklung entsprechend aktiv waren. Im Kindergarten, in der Schule, im Sportverein.“

Für Kinderturnen und Leichtathlethik hatte sie extra den Übungsleiterschein absolviert. Seit dem Jahr 1998 hatte sie für mehrere Jahre das Amt des Jugendleiters vom SC Riederau inne.

Von 1996 bis 1998 saß sie im Vorstand des Sportvereins, interessante und spannende Jahre, als der Riederauer Triathlon noch Hochkonjunktur hatte. Bea von Liel erinnert sich auch gerne an wertvolle zehn Jahre im Ammersee-Gymnasium, erst beim Aufbau der Hausaufgabenbetreuung, dann als Elternbeiratsvorsitzende, später, als ihr Sohn die Schule verlassen hat, als Leitung des Fördervereins und, der Zeit geschuldet, beim Aufbau der Ganztagsbetreuung.

Als gläubige Katholikin ist sie seit 2008 im Pfarrgemeinderat von Riederau und war dessen Vorsitzende von 2012 bis 2018. Sie findet es schade, dass dem Ehrenamt so ein schlechter Ruf vorauseilt. Man lernt Leute kennen und baut Netzwerke auf, ist ihre Ansicht. Wer in einem Ort neu zugezogen ist, kann sich über das ehrenamtliche Engagement schnell einen Freundes- und Bekanntenkreis aufbauen. Das hilft der Integration und tut dem Dorfleben gut, so ihre Überzeugung. Die Motivation „Helfen“ steht für das Bedürfnis, Nützliches zu tun und aktiv zu bleiben.

In den sozial engagierten Vereinen trifft man gesellige Leute. „Das hat gar nichts mit Egoismus zu tun, sondern ist tatsächlich ein Nebenaspekt des Engagements“, stellt die gebürtige Ohlstädterin fest, „warum sollen wir das nicht auch nutzen. Das Gute, das du anderen tust, tust du immer auch dir selbst.“ Das ist der Riederauerin alles nicht genug, könnte man meinen, denn sie vertritt den Dießener Ortsteil Riederau im Marktgemeinderat als Mitglied der Dießener Bürger.

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