Newsticker

Biontech und Pfizer beantragen EU-Zulassung für Corona-Impfstoff
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Das Geheimnis ist die Vielfalt

12.10.2009

Das Geheimnis ist die Vielfalt

Landsberg (tau) - Robert Gongoll trägt lange hellblonde Haare, die zu einem Zopf gebunden sind. Er sitzt auf einem Barhocker an der Lechmauer und schaut auf den Fluss. "Wenn ich etwas sehe, dann denke ich mir immer, wie es wohl andere Menschen wahrnehmen würden", sagt er. Der Lech lässt ihn an seine Eltern denken. "Meine Familie würde staunen, wenn sie sehen würde, dass das Wasser hier so wegfließt. Für sie wäre das Verschwendung." Der Fotograf lebt seit zehn Jahren in Deutschland, ursprünglich kommt er aus Namibia.

Der Nachfahre deutscher Auswanderer hat seine Kindheit und Jugend in Afrika verbracht und ist in einer anderen Kultur aufgewachsen. Deswegen behauptet er von sich, die Welt anders zu sehen. "In Namibia habe ich eine ganz andere Freiheit erlebt, und die möchte ich in meine Bilder einbringen. Ich will Grenzen überwinden."

Grenzen überwinden

Seit seiner Schulzeit beschäftigt sich Gongoll mit der Fotografie, zuerst in einer Arbeitsgemeinschaft an der Schule, später vermehrt im Freundeskreis. Er dokumentierte Reisen machte Bilder von den ersten Sandboardingversuchen auf den Dünen an der namibischen Küste des atlantischen Ozeans. Für die ersten Bilder erhielt er Auszeichnungen und Preise. Sie verhalfen ihm zu einem Stipendium für ein Multimediastudium in Südafrika.

Grenzen überwinden heißt für den Fotografen immer wieder etwas Neues auszuprobieren, vielseitig zu sein. Während des Studiums setzte er sich mit der gerade erst aufkommenden Digitalfotografie auseinander. Außerdem lernte er den Umgang mit der Filmkamera. Nach seinem Diplom entschied sich Gongoll, in eine andere Welt zu gehen. "In Namibia habe ich gemerkt, dass dort werbetechnisch und industriell nicht viel passiert." Er wollte in einer Großstadt leben, Wolkenkratzer sehen. Wegen der Nähe zu den Alpen, deren Schnee und Gletscher ihn faszinierten, zog er nach München und kehrte in das Land zurück, aus dem seine Urgroßeltern vor fast 100 Jahren auswanderten. Seine Ausreise plante Gongoll zwar, dennoch hatte er Angst, ein Aussteiger zu werden. Jede Menge Glück und ein namibischer Freund in München verhalfen ihm zu einen Job für eine Multivisionsshow über Namibia bei BMW. Es kamen weitere Projekte hinzu, er konnte schnell Fuß fassen. Deswegen erschien ihm diese neue Welt anfangs wie ein Paradies, in dem man nirgendwo Armut sah und alles sicher wirkte.

Nach zwei Jahren entdeckte der Fotograf die Schattenseiten des Systems. "Eifersucht und Neid sind hier viel stärker ausgeprägt. Die Menschen haben weniger Zeit, kaum jemand hilft dem anderen einfach so." Gongoll konnte sich dennoch gut eingewöhnen. Inzwischen wohnt er mit seiner Familie in Lengenfeld, hat sein eigenes Fotostudio und jede Menge Aufträge für Firmen und Fernsehsender, was vor allem an seiner Vielseitigkeit liegt, die er sowohl als Kameramann als auch besonders als Fotograf unter Beweis stellt. Er hat keine Lieblingsmotive und ist auf kein Gebiet spezialisiert. Gongoll macht alles gerne - egal ob es sich um Sportfotografie, Porträtaufnahmen oder Landschafts- und Tierbilder handelt. Wichtig ist ihm aber, die Natürlichkeit einzufangen, besonders bei Tieraufnahmen unterscheidet sich seine Wahrnehmung von der europäischer Fotografen gewaltig. "Wenn das Tier für ein Foto in die Kamera guckt, gilt es in Namibia als schlechtes Bild, denn das Tier hat dich entdeckt und verhält sich nicht mehr natürlich." Er will aber die Natürlichkeit einfangen: eine Katze, die sich putzt, oder ein Leopard, der sich an seine Beute anschleicht. Zurzeit sind in Landsberger Bars und Cafés Bilder von Robert Gongoll ausgestellt. Bis Mitte November können im Lavazza Sportlerbilder, im Sapori Porträtbilder und mystische Bilder und im Maxximilian Landschaften und Tieraufnahmen betrachtet werden.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren