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Finning

03.01.2017

Das Glück ist wieder auf Lauras Seite

"Damit auch andere Kinder diese Pflege und Zuwendung erfahren“, sagt Sabine Hermann (links), die mit ihrer Tochter Laura (vorn) an Sigrid Ludwig von der Stiftung „Bunter Kreis“ einen Spendenscheck übergab.
Bild: Birgit Albus

Die Familie Hermann hat viel um ihre kranke Tochter bangen müssen. Der Bunte Kreis stand ihr zur Seite und bekam jetzt wieder etwas zurück.

Glück kann so verschieden sein. Für den einen ist es ein neues Auto, für den anderen ein Urlaub oder einfach nur Gesundheit. Für Sabine Hermann aus Finning ist es das wiedergewonnene Lachen ihrer Tochter Laura (21). Schon seit ihrer Geburt kämpft Laura mit lebensbedrohlichen Krankheiten und musste schon viele Operationen überstehen. Laura kam mit einer offenen Bauchdecke zur Welt. Mit sieben Wochen wurde sie am Herzen operiert. Als sie neun Jahre alt war, stellten die Ärzte einen Tumor im Bauchraum fest, der sich zum Glück operativ entfernen ließ.

Vier Jahre später dann eine weitere Diagnose: Laura leidet unter der Autoimmunerkrankung „Thrombozytopenie“. Dabei werden die Blutplättchen (Thrombozyten) zerstört, die für die Blutgerinnung wichtig sind. Infolge dieser Erkrankung litt Laura immer wieder unter starken Blutungen, lag nach einer Lungenentzündung 14 Tage im Koma und hatte innerhalb kurzer Zeit zwei Hirnblutungen. Jedes Mal musste eine Operation am Kopf erfolgen, das Mädchen musste beatmet werden, es war ein dramatischer Kampf auf Leben und Tod. Die Ärzte am Klinikum Augsburg rechneten mit einer weiteren Hirnblutung. Lauras Überlebenschance wurde immer kleiner, ihr ging es richtig schlecht, sie wog nur noch 25 Kilogramm, hatte starke Schmerzen. Ihre Familie musste mit dem Gedanken leben, Laura zu verlieren.

Das war vor zwei Jahren. Hilfe kam vom Palliativteam des „Bunten Kreises“ in Augsburg. Das Team kam nach Finning, um gemeinsam mit der Familie einen Notfallplan zu erarbeiten. Das Wohl der jungen Patientin stand dabei im Mittelpunkt. Laura sollte bei einer neuerlichen Hirnblutung keine weitere Operation und Reanimation über sich ergehen lassen müssen. Laura sollte zu Hause und ohne Schmerzen Abschied nehmen können. Sigrid Ludwig vom Bunten Kreis besuchte die Familie regelmäßig. Sie ist Kinderkrankenschwester mit Erfahrung in Intensivpflege und hat eine Zusatzausbildung Palliativcare. In einer so dramatischen Situation geht es nicht nur um medizinische Hilfe, sondern auch um psychologischen Beistand, um das Dasein für die Betroffenen.

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„Die Gespräche haben uns sehr geholfen“, sagt Sabine Hermann: „Wir haben gespürt, dass wir nicht allein waren und das hat sehr gutgetan. Wir konnten alle unsere Sorgen besprechen, es gab keine Tabus.“ So traten Angst und Ungewissheit in den Hintergrund, die Familie fühlte sich trotz der schlimmen Situation aufgehoben, konnte sogar etwas Kraft schöpfen. Und wie durch ein Wunder erholte sich Laura nach und nach. Die befürchtete Hirnblutung trat nicht ein und die Ärzte konnten ihr einen Schlauch (Shunt) legen, der den Druck aus dem Kopf in den Bauch ableitet. Die Kopfschmerzen verschwanden und auch die Blutwerte wurden immer besser. Mittlerweile wiegt Laura 37 Kilogramm, sie ist immer noch eine zarte Person, aber sie ist wieder fröhlich geworden und sehr lebensfroh. „Wir haben Laura in sehr schlechtem Zustand übernommen. Dass das Schicksal auch positive Wendungen nehmen kann, das ist auch das Schöne an unserer Arbeit“, sagt Sigrid Ludwig vom Bunten Kreis.

Sabine Hermann ist dem Palliativteam sehr dankbar. „Ich bin so froh, dass es den Bunten Kreis gibt“, sagt sie. Zum Dank hatte sie sich vorgenommen, für die Stiftung „Bunter Kreis“ zu sammeln. Im vergangenen Jahr war sie in jeder freien Minute in Finning unterwegs. Sabine Hermann hat kein Problem, über die Krankheiten ihrer Tochter zu sprechen und um Spenden zu bitten: „Damit auch andere Kinder diese Pflege und Zuwendung erfahren können.“ Fast überall wurde sie herzlich aufgenommen. „Manchmal habe ich eine Stunde in der Stube gesessen und erzählt“, sagt die Finningerin, die für jeden Spender sogar ein Geschenk dabei hatte: Marmelade oder gebrannte Mandeln, selbst gemacht von ihr und Laura. Die Spender durften sich was aussuchen.

2100 Euro hat Sabine Hermann zusammenbekommen. Kurz vor Weihnachten fuhr sie mit Laura nach Augsburg, um den Spendenscheck zu überreichen. „Dass wir 2100 Euro aus meinem Heimatort an den Bunten Kreis geben konnten, war für uns eine vorgezogene Weihnachtsfreude“, sagt sie.

Glück hat verschiedene Dimensionen und im vergangenen Jahr war es endlich auf Lauras Seite, sie konnte mit ihrer Familie wieder ein schönes Weihnachtsfest feiern.

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