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Landsberg

19.07.2018

Das Landsberger Geschäfte-Karussell dreht sich weiter

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Nach 15 Jahren in der Lechstadt ist das Lederwarengeschäft von Christine und Heinrich Mack in wenigen Wochen Geschichte.
Bild: Thorsten Jordan

Der Asia Markt zieht innerhalb des Vorderangers ins ehemalige Blumengeschäft Strasser um. Lederwaren Mack, Weinhaus Weinwabe und Calzature sind jedoch in der Innenstadt bald Geschichte. Warum die Inhaber aufgeben.

Das Geschäftskarussell in der Landsberger Innenstadt dreht sich weiter. Hier ist ein Laden bereits geschlossen, dort steht die Schließung bevor und da wird umgezogen.

Das Tamarillo ist Geschichte, und auch im Blumenladen Strasser sind vor Kurzem die Lichter ausgegangen (LT berichtete), allerdings nur für kurze Zeit. Anfang bis Mitte September will Mujibullah Beena seinen Asia-Markt dort wieder eröffnen. Der Umzug aus dem Vorderen Anger 262 in den Vorderen Anger 226 steht kurz bevor. „Das Haus, in dem wir jetzt noch sind, wird verkauft“, erläutert Beena.

Obst, Gemüse und mehr im ehemaligen Blumenladen

Vier Jahre betrieb er mit seiner Frau Rabia den Asia-Markt an der bisherigen Adresse, der vor allem durch seine großen Obst- und Gemüseauslagen auffiel. „Die Fläche draußen haben wir jetzt natürlich nicht mehr, dafür aber ist der Laden etwa doppelt so groß wie jetzt.“ Bis 4. August steht die Tür im Vorderen Anger 262 noch offen, dann ist erst einmal eine Pause. Im September soll es dann mit einem noch größeren Angebot ein paar Häuser weiter vorne wieder losgehen.

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Auch für Christine Mack geht es weiter, wenn vermutlich Ende August die Türen ihres Lederwaren-Geschäftes im Vorderen Anger 231 endgültig schließen. Nach 15 Jahren in der Lechstadt, zunächst am Hauptplatz, dann im Vorderen Anger, heißt es dann Abschied nehmen. „Wir haben einfach zu wenig Umsatz machen können. Die Leute, die vorbei schauen, werden immer weniger“, erläutert Mack den Entschluss aufzuhören. „Die paar, die noch gekommen sind, haben nur geschaut und dann im Internet gekauft.“ Die Kundschaft aus Landsberg alleine reiche eben nicht, und aus dem Umland komme kaum noch jemand in die Altstadt. Die Entscheidung aufzuhören sei nicht leicht gefallen. Vor allem die Tatsache, dass sie und ihr Mann Heinrich ihren beiden langjährigen Mitarbeiterinnen Angelika Fuchshuber und Gisela Barth kündigen mussten, sei schwer gewesen.

„Die Leute kommen, schauen und kaufen dann im Internet“

Das Ehepaar Mack will sich aber trotz des Alters nicht ganz zur Ruhe setzen. „Wir werden in Geretshausen in der Schwabhauser Straße 2 einen Reisegepäck-Lagerverkauf weiter führen“, sagt die 65-Jährige. Und auch auf dem Landsberger Christkindlmarkt werden sie und ihr Mann (70 Jahre) auch weiterhin vertreten sein.

Aus und vorbei ist es auch bald für das Weinhaus Wabe im Hinteren Anger 339, das Ingo Rummert erst vor zwei Jahren eröffnet hat. „Die Schließung der Schlossberg-Garage habe ich ganz deutlich am Umsatz gemerkt“, gibt Rummert als einen der Gründe an, das Handtuch zu werfen. Aber auch die in seinen Augen fehlende Unterstützung der Einzelhändler durch die Stadt Landsberg sei für ihn ein Grund zum Aufhören. „Ich habe den Unterschied, der zwischen Vorderem und Hinterem Anger gemacht wird, nie verstanden“, resümiert Rummert. „Ein Beispiel ist die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt. Im Vorderen Anger erstrahlen die Lichter– und im Hinteren Anger?“

Nach nur zwei Jahren wirft er das Handtuch

Die Summe verschiedener Faktoren hätten ihn dazu gebracht, sein Weinhaus nach nur zwei Jahren ad acta zu legen. „Ich hatte mir vorgenommen, nach zwei Jahren eine schwarze Null zu schreiben. Bis November war ich auch auf einem guten Weg“, erläutert Rummert. Gereicht hat es letztlich aber dann doch nicht, „auch, weil ich heftige Konkurrenz bekommen habe“, merkt er noch an. Anders als so mancher Einzelhändler in der Innenstadt, kann er sich über eine zu hohe Miete für sein Geschäft überhaupt nicht beklagen. „Das war absolut fair und okay“, betont Rummert. Ihm habe es sehr viel Spaß gemacht in seiner Weinwabe. „Aber da ist ja auch noch die Konkurrenz im Internet, mit der wir nicht mithalten können.“

Dass das ein Problem vieler Geschäftsleute in der Stadt sei, wisse er aus etlichen Gesprächen. „Viele stehen am Rande ihrer Existenz, da wird in Landsberg noch so einiges passieren“, glaubt Rummert. Ende Juli etwa wird das Weinhaus Weinwabe dann Geschichte sein. Rummert aber hat schon was Neues im Kopf, wie er sagt. „Aber keinen stationären Einzelhandel mehr, kein Geschäft in Landsberg.“

Einheimische verirren sich nicht in den Hinteranger

Dass der Hintere Anger nicht unbedingt die beste Adresse Landsbergs sei, um ein Geschäft anzusiedeln, habe auch Fabrizio Hinrichs in den vergangenen zwei Jahren feststellen müssen. 2016 eröffnete er im Hinteren Anger 330 sein Schuhgeschäft, in dem er ausgefallenes italienisches Schuhwerk und Accessoires anbot. Ende September ist Schluss. „Ich habe eigentlich nur von Touristen gelebt“, sagt Hinrichs. „Die gehen nämlich überall durch die Stadt. Einheimische verirren sich nicht in den Hinteren Anger.“ Es seien auch nicht die Parkgebühren, die so viele als Grund für schlechte Geschäfte anführen, die ihn zum Aufgeben zwingen.

„Wenn ich am Samstag zum Metzger gelaufen bin, um mir schnell eine Leberkäs-Semmel zu holen, war die Stadt voll. Nur in unserer Straße nicht.“ Seiner Ansicht nach diene der Hintere Anger als Durchfahrtsstraße, aber nicht als Einkaufsstraße.

Ein für Hinrichs aber weitaus wichtigerer Grund, sich einer Arbeitsstelle mit Planungssicherheit zu widmen, ist ein ganz anderer. „Ich bin vor Kurzem Vater geworden, da verschieben sich die Prioritäten.“

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