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Landkreis Landsberg

20.05.2019

Das Leben der Rehkitze ist wieder in Gefahr

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Derzeit sind die Landwirte viel mit Mäharbeiten beschäftigt. Allerdings liegen in vielen Wiesen Rehkitze, die nicht fliehen.
Bild: Stephanie Millonig (Archiv)

Plus Die Landwirte sind mit ihren Mähgeräten wieder im Dauereinsatz. Allerdings liegen im Gras oft Rehkitze und werden totgemäht - wie jetzt bei Eresing. Welche Hightech-Geräte helfen könnten und was Experten sagen.

Nur kurz währte am Wochenende das milde und sonnige Frühlingswetter. Entsprechend viel war schon in den Tagen davor auf den Wiesen los, als viele Bauern zum ersten Mal mähten. Manche Wildtiere überlebten das erste große Mähen nicht: Im Gemeindebereich Eresing kamen, wie dem LT berichtet wurde, innerhalb eines Tages gleich vier Rehkitze ums Leben. Was Experten sagen und welche moderne Technik helfen könnte.

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Getötete oder verstümmelte Rehe, aber auch junge Hasen und Vögel gehören jedes Jahr zum Wonnemonat Mai. Denn kurz vor oder während der ersten Futterernte setzen die Rehgeißen ihre Jungen – sehr häufig im hohen Gras der Wiesen. In den ersten Lebenswochen besitzen die Jungtiere noch keinen Fluchtinstinkt. Bei Gefahr ducken sie sich wie leblos in ihr Versteck. Was sie sonst in der Natur vor Feinden schützt, wird ihnen zum Verhängnis, wenn große und schnell arbeitende landwirtschaftliche Maschinen über die Wiesen fahren.

Darum flüchten Rehkitze nicht

Wie kommt es dazu? Liegt es an mangelnder Sorgfalt, Zeit- und Kostendruck? Oder sind solche Mähunfälle auch bei allen Bemühungen, sie zu verhindern, nie gänzlich zu vermeiden? Georg Duschl, der Kreisvorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins, formuliert es so: „Die Bauern sind vorsichtig, aber ganz ohne Verluste geht es nicht.“

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Dass junge Rehe unters Mähmesser kommen, könne auf vielfältige Weise vermieden werden: Gehen Jäger oder Bauern vor dem Mähen die Wiesen ab, können sie die Jungtiere aufspüren und in Sicherheit bringen. Gute Erfahrungen hat Georg Duschl auch mit Kitzrettern gemacht. Das sind blau blinkende und piepsende Lampen, die vor dem Mähen in die Wiesen gestellt werden. Das beunruhige die Rehgeiß in der Regel so sehr, dass sie sich mit ihrem Nachwuchs in Sicherheit bringt und das Wiesenversteck verlässt, erklärt Duschl. Er habe damit in einem 600 Hektar großen Revier in Ludenhausen gute Erfahrungen gemacht. „Da wurde mir seit Jahren nichts mehr von vermähten Kitzen berichtet.“ Mit einem Stückpreis von 85 Euro sei das noch eine verhältnismäßig kostengünstige Maßnahme. Mit einer solchen Blinklampe könnten zwei bis drei Hektar Fläche abgedeckt werden.

Spezialdrohnen sind auf dem Vormarsch

Immer häufiger werden auch Drohnen mit Wärmebildkameras eingesetzt, um Jungwild in den Wiesen zu finden. Eine solche Drohne hat auch Dr. Martin Israel aus Hausen entwickelt (LT berichtete). Der frühere Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt gründet gerade eine Firma, die solche Drohnen herstellt. Prototypen könne er bereits verkaufen, berichtet Israel. Die Nachfrage sei enorm, seine Zielgruppe seien Jäger, aber auch Dienstleister, die den Drohneneinsatz anbieten. „Drohnen werden bald Stand der Technik sein“, sagt der Wissenschaftler.

Lesen Sie dazu auch: Mit der Drohne den Rehkitzen auf der Spur

Auch der Jagdschutz- und Jägerverein habe sich im vergangenen Jahr ein solches Gerät gekauft. Kostenpunkt: 5000 Euro aufwärts. Ein effektives Hilfsmittel, allerdings: Mit einem Gerät komme man im Landkreis nicht weit. „Wir können nicht alles abdecken, wenn alle gleichzeitig mähen“, sagt Georg Duschl. Zumal die Wärmebildkamera nur in den Morgenstunden funktioniere. Zu späterer Stunde sei an sonnigen Tagen der Temperaturunterschied von Wiese und Wild nicht mehr feststellbar und damit seien die Tiere nicht mehr für die Kamera sichtbar.

Generell „haut das aber mit den Drohnen sehr gut hin“, sagt auch Bernhard Drexl. Der Schwiftinger Milchviehhalter ist stellvertretender Kreisobmann des Bauernverbands. Sollten daher Landwirte solche Drohnen kaufen? Für den einzelnen seien sie zu teuer, denkbar wäre jedoch eine gemeinschaftliche Nutzung, etwa über den Maschinenring.

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