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29.10.2007

Das Orchester war sein Lehrmeister

Als Fabian Schmidt mit 19 Jahren bei der Stadtkapelle Landsberg die Stabführung übernahm, war er der jüngste Dirigent, der die Kapelle jemals leitete. Nach neun Jahren verabschiedet er sich nun von ihr, um sich seinem Studium in Basel widmen zu können.

Eine "Kleine Abendmusik" in der Heilig-Kreuz-Kirche mit einem "noch einmal wirklich außergewöhnlichen Programm", wie Fabian Schmidt im Flyer ankündigte, war der festliche Rahmen für die Stabniederlegung. Die ausgesuchten Musikstücke waren passend für Anlass und Konzertraum ausgesucht. Und sie verdeutlichten erneut Fabian Schmidts Liebe zu originaler Blasmusik. Es waren ausschließlich Werke zeitgenössischer, US-amerikanischer Komponisten, wie gemacht für die Heilig-Kreuz-Kirche mit ihrer schwimmenden Akustik.

Mit Ron Nelsons "Courtly Airs and Dances" schienen die Musiker in feiner Intonation den Raum auszuloten. Klassische Blasmusik war mit der "Yorkshire Ballade" von James Barnes zu hören. Mit David Maslanka, dem Komponisten der romantischen "Heart Songs", hatte Fabian Schmidt im Vorfeld sogar Kontakt aufgenommen, wie er berichtete. Das gefühlvolle, melancholische "Shenandoah" von Frank Ticheli setzte den Schlusspunkt unter das von Rührung und Tränen des Abschieds begleitete Konzert.

Stadtpfarrer Thomas Rauch sprach von einem ambivalenten Anlass, einem schönen Konzert, aber auch Wehmut über den Weggang des Dirigenten. Viele Male sei Fabian Schmidt zur Ehre Gottes im Einsatz gewesen, von der Sebastians-prozession bis zum festlichen Silvestergottesdienst. "Viele Experimente, neue Musik, Ungewohntes und Ungewöhnliches" habe Fabian Schmidt mit der Kapelle gewagt, sagte Julia Baron, die im Namen der Musiker dankte. 400 Proben hat sie gezählt, "das sind 65 Tage und Nächte ununterbrochen gespielt".

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Dissonanzen führten fast zur Auflösung der Stadtkapelle

"Ich nehme schweren Herzens Abschied", betonte Fabian Schmidt in einer bewegenden Ansprache, die kaum einen der Zuschauer unberührt ließ. Nicht nur habe er die Stadtkapelle geleitet, vielmehr sei das Orchester auch sein Lehrmeister gewesen. "Ich habe gelernt, Menschen zu motivieren, Probleme zu lösen, mich und die Musiker zu verkaufen."

An die Spitze der Erfolge setzte Fabian Schmidt das eingeschworene Team mit Musikern, die zuverlässig da waren, "auch bei Schneegestöber oder minus 13 Grad". Der scheidende Dirigent erinnerte aber auch an Dissonanzen und die "kontraproduktive Haltung Außenstehender" vor ein paar Jahren, die fast zur Auflösung der Stadtkapelle mit ihrer über 300-jährigen Tradition geführt hätten.

Stete Unterstützung habe er seitens der Stadt von OB Ingo Lehmann und Ulla Kurz erfahren, lobte Fabian Schmidt, Dank ging unter anderem auch an Alexander Wolf von der Stadtjugendkapelle, vor allem aber an die Mitglieder der Stadtkapelle. "Ich verabschiede mich heute von Musikern, die mir in den vergangenen Jahren zu engsten Vertrauten und allerbesten Freunden wurden."

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