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Ausstellung

16.05.2015

Das Spiel mit dem Ernst

Links im Bild: Tangram (Öl auf Leinwand 100/100 von 2014).
3 Bilder
Links im Bild: Tangram (Öl auf Leinwand 100/100 von 2014).

Karl Heinz Kappl zeigt im Kunstsaal der VR-Bank Landsberg-Ammersee Werke mit formaler Strenge und meint manchmal das Gegenteil damit

Als im VR-Bank-Haus in der Ludwigstraße der Tag der offenen Tür groß gefeiert wurde, stand neben all den Programmpunkten mit Event-Charakter ein Ereignis etwas abseits der allgemeinen Wahrnehmung: Die Eröffnung einer großen Werkschau des Hechenwanger Malers Karl Heinz Kappl, der damit, als Erster in einer Reihe wohl noch vieler nachfolgender Künstler, den Veranstaltungs- und Kunstsaal des Bankhauses seiner Bestimmung zuführte. Dass gerade er den Anfang macht, sei eine glückliche Fügung, sagt Manfred Doll, Leiter Marketing und Kommunikation der VR-Bank.

Zwei Ansprüche waren bei der Planung der ersten Ausstellung nämlich unter einen Hut zu bringen: Gesucht war zum einen ein Künstler der Region mit Renommee, der zum anderen terminlich nicht allzu festgelegt war. „Er ist allen Kunstinteressierten hier ein Begriff und er war flexibel in der Zeit“, erklärt Doll, weshalb die Wahl schließlich auf Karl Heinz Kappl gefallen war. „Genau das brauchten wir bei all den Unwägbarkeiten, die die Sanierungsarbeiten an unseren ,alten Gemäuern’ bis zum Schluss für alle Beteiligten mit sich brachten und die es fast unmöglich machten, einen festen Zeitplan verbindlich einzuhalten.“

Karl Heinz Kappl, der auch fotografisch und in der Objektkunst arbeitet, zeigt in der VR-Bank ausschließlich Malerisches. „Bilder konkret+“ hat er seine Werkauswahl, 70 Gemälde insgesamt, alle Öl auf Leinwand, betitelt.

Augenfälligstes Merkmal seiner Kunst: In Kappls Bildern herrscht Ordnung. Sein bevorzugtes Format ist das Quadrat und Geometrie prägt seine Bildsprache.

Auch in weiteren Bedingungen unterwirft der Künstler seine abstrakten Arbeiten strengen formalen Vorgaben, sei es in der Reduzierung auf nur eine Farbe, ein dunkles Rot beispielsweise mit eingekerbtem Ritzmuster, das bei genauem Hinsehen aus nur einer einzigen, die gesamte Bildfläche überziehenden Linie besteht. Oder sei es im Entwurf eines Rapports, der – und dies zeigt sich wiederum nur bei genauem Hinsehen – so gleichförmig gar nicht ist.

Die kleinen orangegemusterten Quadrate auf blauem Grund folgen ebenso wenig einem strikt horizontalen und vertikalen Verlauf wie die Anordnung der leicht unterschiedlich großen sonnengelben Farbkreise darin. Eine strenge Hell-Dunkel-Abfolge gleichmäßig verkürzter beziehungsweiser verlängerter senkrechter und waagrechter Farbbahnen wiederum führt zu deren Aufeinandertreffen im rechten Winkel und lässt entlang der Stoßkanten diagonale Linienverläufe erkennen, wo malerisch ausgeführte Linien tatsächlich gar nicht existieren.

Es ist ein feinsinniges Verwirrspiel, das Karl Heinz Kappl mit dem Betrachter seiner Bilder betreibt, und eine Schule des Sehens, in der Erkenntnisse nur wachsen, wo man sich aktiv ums Erkennen bemüht.

Vieles des scheinbar Offensichtlichen in der Malerei Kappls verliert bei genauerem Hinsehen seine Eindeutigkeit. Ein Gittermuster etwa im konsequent durchgehaltenen Rhythmus des abwechselnden Über- und Untereinanders von Schuss und Kette – nichts weiter als eine Sinnestäuschung. Die Überlagerungen an den Kreuzungspunkten, die wir malerisch festgemacht glauben in den Abschattierungen der jeweils unten liegenden Farbbahnen erweisen sich – wen wundert es jetzt noch – bei genauerem Hinsehen tatsächlich als ganz zuletzt im Schaffensprozess oben aufgetupfte, dunkle Farbflecke.

„Der Schein trügt“, so die oft augenzwinkernd vermittelte Botschaft hinter Karl Heinz Kappls Bildern. Es ist akribisch betriebenes Spiel und zugleich ernsthafte Auseinandersetzung mit dem eigenen Metier, das der Künstler betreibt, das umso raffinierter ist, je weniger man es hinter den nüchtern und schnörkellos anmutenden Arbeiten vermutet.

Besonders gut gelingt dies in der ausschließlich malerischen Arbeit, wenn etwa räumliche Wirkung allein durch Linienführung sowie Licht- und Schatteneffekte erzeugt wird. Dem Malgrund aufmontierte Bildelemente, wie vereinzelt zu sehen, verlassen hingegen die gestalterische Logik, sind daher weniger überzeugend und wirken, was sie letztendlich auch sind: aufgesetzt.

Zu sehen ist „Bilder konkret+“ zu den Öffnungszeiten der VR-Bank und, als Besonderheit des Veranstaltungsortes, darüber hinaus immer solange das s’Ludwig seine Gäste bewirtet, da vom Lokal aus direkter Zugang zum Ausstellungsraum besteht.

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