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Ausstellung

19.10.2019

Das Spiel mit der Wahrnehmung

Zwei Arbeiten aus der Werkserie „Transformation“ von Christiane Grimm werden im Kunstraum gezeigt, hier, „Transformation zu Blau“, Mischtechnik, Acrylglas, 2019.
Bild: Minka Ruile

Die Op-Art ist in der Ausstellung lebendig und frisch

Nichts ist so leicht zu täuschen wie unsere Sinne. Und nirgendwo dürfen wir uns mit dieser Schwäche entspannter und offener auseinandersetzen als in der Kunst. Denn was den Urzeitmenschen in uns aus gutem Grund beunruhigt, dem begegnen Künstler mit besonderem Interesse und ziehen dem „Urtier Angst“ vor unserer aller Augen – und nicht ohne unser Zutun – spielerisch den Zahn.

Dass der Weg zur Wirklichkeit zwar über das Auge, dann aber direkt hinein in die Schaltzentrale Gehirn führt, macht die Op-Art – eine nicht zufällig in den experimentierfreudigen Sechzigerjahren entstandene Kunstbewegung – zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit. Sie siedelt sich exakt entlang dieser Bruchkante an. Denn hier, an der Übergabestelle, befindet sich zugleich auch die Schwachstelle des Systems Wahr-Nehmung: Bei der Verarbeitung eingehender Impulse „verstöpselt“ sich der Operator Gehirn schon mal; was der Kunst wiederum ein schier unerschöpfliches Experimentierfeld eröffnet und die Möglichkeit gibt, Betrachter aufs Glatteis zu führen, oder sie einfach nur zu verwundern.

„Das Gehirn ist ein Gewohnheitstier“, erklärte Birgit Kremer in ihrer Einführungsrede zur Ausstellung „Top Of The Op“ im Kunstraum Stoffen, „und wenn es eines gibt, das es überhaupt nicht mag, sind es Dinge, die es nicht kennt.“ Optische Täuschung, so die Kunsthistorikerin, funktioniere auf Basis der vorausberechenbaren Strategie des Gehirns, Dinge, die es sieht und nicht kennt, quasi aus dem Repertoire zu ergänzen und in „etwas Verstehbares zu übersetzen“. Dabei ergeben sich Sprünge. Und genau die provozieren Op-Art-Künstler mit unterschiedlichen Strategien herauf: Akribisch streng angeordnete geometrische Körper oder gleichmäßige Farb- und Linienverläufe werden kaum merklich verändert, der Rhythmus durch „optische Synkopen“ gestört, oder es werden leichte Kontraste eingeführt – und schon kippt ein Bild, verkehrt sich die Sehrichtung, ergibt sich aus der Gegeneinander-Verschiebung unterschiedlicher Ebenen eine unvorhersehbare Dynamik oder in deren Übereinander-Lagerung plötzlich eine ungeahnte räumliche Tiefe.

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Von allen diesen Möglichkeiten machen die 17 derzeit in Stoffen ausstellenden internationalen Künstler aus den USA, Slowenien, Deutschland und der Schweiz mit teils enormem Aufwand und sehr unterschiedlichen Ergebnissen Gebrauch.

So setzen etwa lautlos arbeitende Schweizer Hightech-Motoren Rolf Schneebelis „Drehobjekte“ in Bewegung und erzeugen im ruhigen Dahin- und Ineinanderfließen der stetig sich verändernden Bilder eine tiefe meditative Kraft. Umgekehrt geraten die Kugel- und Doppelwandbilder von Rudolf Kämmer erst durch das Zutun des Betrachters in Bewegung: Im Vorbeigehen erwecken sie den Anschein, als würden sie zu rollen beginnen. Auch Werner Dorschs Kippbilder verändern sich mit geänderter Perspektive und erzeugen je nachdem den Eindruck eines Auf- oder Abwärtsstrebens. Dagegen entziehen sich Christiane Grimms diffus lichtdurchlässige Acrylkästen, hinter denen unterschiedlich angeordnete Farbfelder schemenhaft hervorscheinen, solchen Festlegungen beinahe gänzlich; als poetische Lichtbilder lassen sie sich, wie es Birgit Kremer treffend beschrieb, „weder im Raum noch in der Tiefe festmachen“. Sehr „Konkret“ fasst wiederum Rudolf Helmer seine künstlerische Aussage in aufwendig gestaltete Tuschearbeiten.

Weitere Künstler, die im Kunstraum ausstellen, sind Rob De Oude, Daniel Hill und Gilbert Hsiao, USA, Aleksander Drakulic und Vesna Kovacic, Slowenien, sowie aus Deutschland Edgar Diehl, Karl Heinz Kappl, Otto Scherer, René Daniel Sieber, Klaus Staudt, Ludwig Wilding und Walter Zehringer. Die Ausstellung im Kunstraum Stoffen, Stadler Straße 2, ist geöffnet bis Sonntag, 24. November, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

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