1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Das Unsichtbare im Sichtbaren

Ausstellung

19.03.2019

Das Unsichtbare im Sichtbaren

Die Gemeinschaftsschau „Wurzelwerk“ von Sylvia Sachse und Hans-Günther Kaufmann ist bis Ostermontag in St. Ottilien zu sehen.
Bild: Minka Ruile

Sylvia Sachse und Hans-Günther Kaufmann zeigen in St. Ottilien ihre Gemeinschaftsschau „Wurzelwerk“

Die Welt, die Vielzahl ihrer Phänomene, versetzt uns immer wieder neu in Staunen – ein Zustand, bei dem es dem Menschen auf Dauer nicht so recht wohl zu sein scheint. Er möchte die Dinge verstehen, nicht bewundern. Wie sonst wären sie in den Griff zu bekommen und wie anders ließe sich die Erde „untertan“ machen? Da ist Handeln gefragt, das ist nichts für Träumer und „Gänseblümchenzähler“, und auch nichts für Menschen, die durch Wälder streifen und über Wurzeln stolpern – oder?

Sylvia Sachse, derzeit mit dem Fotografen Hans-Günther Kaufmann in der Galerie St. Ottilien „Wurzelwerk“ ausstellend, ist da ganz anderer Meinung. Die Münchner Künstlerin möchte der Welt nichts abringen, weder Erkenntnisse noch ihre Werke. Es sind magische Momente, die Sylvia Sachse etwa während ihrer Spaziergänge durch die schier undurchdringlichen Buschwälder Südfrankreichs erlebt und schildert: „Eine Kraft hält mich, ich blicke zu Boden und entdecke den Zufall. Es sind die Wurzeln, die mich rufen. Ich beginne zu graben …“ Zum Vorschein kommt ein „Rohling“, den sie in ihrem Atelier bearbeitet und von allem „befreit, bis er bis er strahlt wie ein Diamant.“

Ihre Arbeit verfolgt Sachse mit großer persönlicher Zurückgenommenheit und macht es sich zur Aufgabe, in meditativen Schaffensprozessen „das Unsichtbare im Sichtbaren aufzuzeigen“: Knorrige, verholzte Gebilde ruhen wie Gestrandete auf dem Boden, oder winden sich wirr und fahrig von ihren Sockeln empor. Weniger Abbild als mehr Sinnbilder öffnen sie sich den Assoziationen der Betrachter. Unterstützt und zugleich gelenkt werden diese durch einige wenige Tafeln mit ausgesuchten Zitaten, etwa der benediktinischen Universalgelehrten Hildegard von Bingen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ihren Jugendfreund Hans-Günther, Sohn einer französischen Ärztin und eines deutschen Jagdfliegers und noch während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich zur Welt gekommen, konnte Sylvia Sachse schnell für eine Zusammenarbeit begeistern. „Wurzeln,“ beschreibt Kaufmann, „das kann ich als Nichtverwurzelter sagen, sind existenziell – gerade jetzt in Zeiten neuer Völkerwanderungen, völlig neuer Lebensformen.“ In der aktuellen Ausstellung richtet der Fotograf sein Augenmerk allerdings auf Natur/Schöpfung und die Religionen übergreifende, philosophische Fragestellung „Wer bin ich? Woher komme ich?“ Und vor allem „Wohin gehe ich?“ Die zur Fastenzeit gut gewählte Ausstellung in St. Ottilien legt in stimmiger Textauswahl und fein korrespondieren Fotografien und Skulpturen dem Betrachter dar, dass es Sache des Menschen ist, sich nicht vom Wind „verwehen“ zu lassen, sondern sich seiner Wurzeln zu besinnen und zu wachsen.

Die Ausstellung läuft noch bis Ostermontag, 22. April. Montag bis Freitag, jeweils von 10 bis 12 und 13.30 bis 17 Uhr; Samstag von 10 bis 12 und von 13.30 bis 16 Uhr sowie Sonn- und Feiertage von 10.30 bis 12 und 13.30 bis 16 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren